Neurodermitis kann zum quälenden Begleiter über Jahre werden. Cremes und Arzneien lindern das Leid.

Ein unerträglicher Juckreiz – nachts noch quälender als am Tag – und trockene Haut sind die Hauptprobleme all jener, die unter Neurodermitis leiden. Bei Kleinkindern zeigen sich zunächst kleine rote Flecken im Gesicht, vornehmlich auf den Wangen. Durch Vergrößerung und Zusammenfließen entstehen größere Flächen, die häufig kleine Schuppen tragen. Später treten Bläschen auf. Im weiteren Verlauf greift die Erkrankung auf Hals, Nacken, Ellenbeugen und Kniekehlen sowie in schweren Fällen auf den ganzen Körper über. Der Juckreiz verleitet zum Kratzen, was das Ekzem weiter verstärkt. Die nässenden, leicht blutigen Wunden bilden einen guten Nährboden für Bakterien, Pilze und Infektionen.

Die auch als atopisches Ekzem bezeichnete Neurodermitis wird nicht durch äußere Einflüsse, sondern durch innere Auslöser verursacht. Auch eine erbliche Veranlagung spielt dabei eine Rolle. Diese Krankheit beginnt fast immer schon bei Kindern im ersten und zweiten Lebensjahr. Sie kann aber auch bei Jugendlichen oder im Erwachsenenalter das erste Mal ausbrechen oder bleibt bis ins Erwachsenenalter bestehen. Das Ekzem verläuft chronisch, schubweise und ist insgesamt unberechenbar. Ab dem dritten bis vierten Lebensjahr treten die Symptome seltener auf. Häufig verschwindet die Krankheit bis zur Einschulung oder spätestens bis zur Pubertät.

Juckreiz und Entzündungen behandeln

Der Verlauf einer Neurodermitis ist uneinheitlich und individuell verschieden. Phasen ohne Beschwerden und erneutes Aufflackern mit heftigem Juckreiz wechseln ab. Die Krankheit kann man zwar nicht heilen, ihre Symptome aber lindern und eindämmen. Die wichtigsten Aspekte der Behandlung: Hautpflege mit fettenden und Feuchtigkeit spendenden Präparaten, Dämpfen von Juckreiz mit gerbstoffhaltigen Cremes und Antihistaminikatabletten sowie Unterdrückung von Hautentzündungen mit Kortisoncremes. Die Therapie muss der Arzt individuell an den Erkrankten und das jeweilige Erkrankungsstadium anpassen. Im schweren, sonst nicht beherrschbaren Schub kann es erforderlich sein, rezeptpflichtige Kortikoid-Tabletten einzunehmen.

Therapieschema

Kortikoide solltengrundsätzlich so kurz wie möglich angewendet werden, ansonsten kann die Haut zum Beispiel dünner, heller, dunkler oder leicht verletzlich werden, Wunden können verzögert heilen. Doch mit Bedacht benutzt, bringen die Mittel vielen Menschen Linderung. Beim Einsatz der Cremes haben sich folgende Vorgehensweisen bewährt:

Stufen-Therapie: Im akuten Schub wird für drei bis fünf Tage ein starkes Kortikoid gewählt, anschließend für längere Zeit ein schwächeres Präparat. Dann wird möglichst bald auf eine Basiscreme oder -salbe ohne Wirkstoffe gewechselt.

Tandem-Therapie: Morgens wer­den Kortikoidzubereitungen verwendet und abends Basiscremes oder -salben. Wenn die Haut nachts stark juckt, kann man auch umgekehrt vorgehen (abends die Kortikoide).

Intervall-Therapie: Dabei werden jeweils im drei- bis viertägigen Wechsel Kortikoide oder Basistherapeutika angewandt.

  • Kortisonhaltige Salbe oder Creme sollte so dünn wie möglich und nur auf die betroffenen Stellen aufgetragen werden.
  • Nicht auf großen Hautflächen (ganzer Rücken oder Bauch) auftragen.
  • Im Gesicht und am Hals Präparate in möglichst niedriger Wirkstärke verwenden.
  • Kortisonhaltige Mittel am besten morgens benutzen, um die körpereigene Kortisonproduktion möglichst wenig zu beeinträchtigen.
  • Kortisonhaltige Mittel nicht abrupt absetzen, sondern die Dosis täglich weiter verringern.

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