Neues iPhone 4S Schnelltest

25.10.2011. Ein neues iPhone 5 hatte die Fach­welt erwartet, stattdessen gibt es erst einmal „nur“ ein iPhone 4S. Auf den ersten Blick sieht es dem Vorgänger iPhone 4 zum Verwechseln ähnlich. Doch technisch hat Apple vieles verbessert, sowohl bei der Hardware als auch bei der Software. In einem Punkt hat sich das iPhone allerdings merklich verschlechtert: Der Akku hält beim iPhone 4S kürzer als beim Vorgängermodell.

[Update 14.11.2011]

Apple hat nachgebessert, mit einem Update zum Betriebssystem. Das Update iOS 5.0.1 gibt es seit 10. November 2011 kostenlos bei Apple. Es verbessert die Akkuleistung. Messwerte dazu finden Sie unten.

Außen vertraut, innen neu

Äußerlich bleibt das iPhone 4S dem Design des Vorgängermodells treu. Doch im Inneren arbeitet jetzt ein schnellerer Prozessor – der gleiche wie im iPad 2. Bei der Bedienung des Geräts macht das keinen dramatischen Unterschied. Das iPhone 4 lief schon flüssig, beim 4S läuft nun alles noch ein klein wenig schneller. Zur Ortung kann das neue iPhone nun neben dem amerikanischen Satelliten­ortungs­system GPS auch das russische Konkurrenzsystem Glonass nutzen. Im Test findet das iPhone 4S seine Position aber nicht präziser oder schneller als das Vormodell. Die Glonass-Unterstützung hat wohl eher Vermarktunsgründe. Ähnliches gilt für das Funkmodul: Es unterstützt nun sowohl das weltweit verbreitete Mobilfunksystem GSM als auch das zum Beispiel von manchen nordamerikanischen Anbietern genutzte CDMA. So muss Apple nicht mehr zwei verschiedene Hardware-Versionen bereitstellen. Für europäische iPhone-Besitzer bringt das aber keinen Zusatznutzen.

Bessere Antenne, bessere Kamera

Eindeutig verbessert hat sich die Netzempfindlichkeit. Das Antennenproblem des iPhone 4 ist zwar beim Nachfolger nicht restlos gelöst. Noch immer sinkt die Funkleistung messbar, wenn der Nutzer die bewussten Schlitze am Handyrahmen mit den Fingern überbrückt. Doch fällt der Rückgang nun erheblich geringer aus. In der Praxis dürfte er kaum noch ins Gewicht fallen. Die Kamera des iPhone 4S ist noch einmal deutlich besser als die des Vorgängers. Insgesamt liegt sie gleichauf mit der des Nokia N8. Das hatte bisher mit Abstand die beste Kamera im Handytest. Bei geringer Beleuchtung fotografiert das N8 immer noch in etwas höherer Qualität als das neue iPhone. Dafür liefert das iPhone bessere Videos als das schon etwas ältere Nokia-Modell. Die resultierenden Videodateien sind dafür beim iPhone 4S dann auch sehr groß.

Neues iOS 5 gibt sich etwas offener

Das iPhone 4S ist das erste Gerät, das Apple mit der neuen Betriebssystemversion iOS 5 ausliefert. Dessen Verbesserungen stehen als Software-Update auch für iPads und ältere iPhone-Modellen zur Verfügung. Eine Neuerung: Um sein neues Handy in Betrieb zu nehmen, braucht ein iPhone-Käufer nun nicht mehr zwingend einen Computer mit dem Apple-Programm iTunes. Denn unter iOS 5 lässt sich das iPhone auch direkt am Gerät einrichten – wie bei allen anderen Smartphone-Systemen auch. Außerdem hat Apple in iOS 5 seinen Online-Dienst iCloud besser integriert: Darüber lassen sich zum Beispiel Fotos, Lesezeichen und Kalendereinträge per Funk und Internet zwischen iPhone, iPad, Mac- und Windows-Rechnern synchronisieren. Jeder Nutzer erhält gratis 5 Gigabyte Online-Speicher für eigene Daten. Zumindest Apples eigene Apps können direkt auf diesen Online-Speicher zugreifen. Der direkte Zugriff auf den Handyspeicher ist dagegen immer noch nur sehr eingeschränkt möglich. Da sind offenere Systeme wie Android flexibler.

Siri versteht Englisch besser als Deutsch

Neues iPhone 4S Schnelltest

Eine weitere Neuerung ist allein dem neuen Spitzenmodell vorbehalten: die sprachgesteuerte Assistentenfunktion Siri. Nun sind Sprachsteuerung und Spracherkennung für Handys zunächst nichts Neues. Schon frühere iPhone-Modelle ließen sich über vorher festgelegte Sprachbefehle steuern. Und jedem neueren Android-Smartphone kann der Nutzer SMS-Texte auch diktieren, anstatt sie einzutippen. Doch darüber hinaus soll Siri gesprochene Fragen und Befehle auch inhaltlich verstehen und entsprechend reagieren. Im Test funktioniert dies allerdings für englische Anfragen deutlich besser als für deutsche. Auf Fragen wie „wie viele Einwohner hat Berlin“ oder „wie viel ist 10 mal 10“ präsentiert das iPhone nur dann eine Antwort, wenn sie auf Englisch gestellt werden. Das mag auch damit zusammenhängen, dass externe Dienste wie die „Wissensmaschine“ Wolfram Alpha, auf die Siri bei der Interpretation der Fragen und der Suche nach Antworten zugreift, nur auf Englisch richtig funktionieren. Die Technik ist hochspannend, doch die deutsche Spracherkennung ist noch verbesserungsfähig.

Akku ist schneller leer

Neben all den schönen Neuerungen bringt das iPhone 4S gegenüber dem Vorgänger allerdings auch eine deutliche Verschlechterung: Sein Akku ist schneller leer. Während das iPhone 4 in GSM-Netzen zehn Stunden dauertelefonieren kann, reicht es beim iPhone 4S nur für achteinhalb. Im Betrieb als Musikspieler hält das iPhone 4 über 60 Stunden durch, der Nachfolger dagegen nicht einmal 44 Stunden. Deutlich schlechter ist das neue iPhone 4S im Standby: nach fünf Tagen ist der Akku am Ende. Das iPhone 4 blieb fast 19 Tage auf Emfang.
Fazit: Apple ist es nicht gelungen, den höheren Stromverbrauch des neuen Prozessors durch einen stärkeren Akku auszugleichen. Seltsames Detail: Bisher konnten iPhone-Nutzer den Stromverbrauch senken, indem sie den UMTS-Funk an ihrem Gerät deaktivieren. Beim neuen iPhone steht diese Einstellmöglichkeit nicht mehr zur Verfügung.

Update verbessert Akkuleistung

Apple hat nachgebessert, mit einem Update zum Betriebssystem. Das Update iOS 5.0.1 gibt es kostenlos bei Apple. Es verbessert unter anderem die Akkulaufzeit. Messungen der Stiftung Warentest bestätigen das. Positiv wirkt das Update vor allem auf die Standbyzeit: Die neue Software steigert sie im UMTS-Betrieb um rund 20 Prozent. Das neue iPhone bleibt nach dem Update im Labor für 8,5 Tage auf Empfang, 1,5 Tage länger als vorher. 20 Tage – wie das iPhone 4 – schafft das neue iPhone 4S auch nach dem Software-Update nicht.

Besser für UMTS

Für das Telefonieren im GSM-Netz bringt das Update iOS 5.0.1 keinen Vorteil. Die Akkulaufzeit beim Dauertelefonieren bleibt bei achteinhalb Stunden. Bei UMTS-Übertragung geht das iPhone jetzt sparsamer mit dem Akkustrom um. Das Software-Update ermöglicht UMTS-Dauergespräche von fast 9 Stunden (vor dem Update: 5,7 Stunden). Zum Vergleich: Selbst das iPhone 4 brachte es bei UMTS-Dauergesprächen nur auf 6,8 Stunden. Auch beim Surfen und beim Navigieren via GPS hält der Akku jetzt etwas länger.

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