Das alte Recht, Filme oder Musik für den privaten Gebrauch kopieren zu dürfen, ist den Hütern der europäischen Gesetze ein Dorn im Auge. Der Bundestag hat nachgebessert.

Das geplante neue Urheberrecht schafft mehr Unklarheiten als Rechtssicherheit. Es soll Ende des Jahres in Kraft treten. Einerseits bestätigt es das alte Recht auf eine private Kopie nicht nur, sondern weitet es auch noch ausdrücklich auf (verlustfreie) Digitalkopien aus. Andererseits erlaubt es den Medienanbietern, Kopien ihrer Produkte elektronisch zu verhindern. Die „Umgehung wirksamer technischer Maß­nahmen zum Schutz eines Werkes ohne Zustimmung des Rechteinhabers“ (Paragraph 95 a des neuen Urhebergesetzes) ist künftig sogar verboten. Es macht sich also strafbar, wer einen Kopierschutz knackt – und sei es für die ihm von Rechts wegen zustehende Privatkopie. Wenigstens ist Kopiergeschütztes eindeutig als solches zu kennzeichnen. Doch es bleiben genügend Fragen.

Was darf ich nach dem neuen Recht denn überhaupt noch kopieren?

Für den Eigenbedarf dürfen Filme und Musik kopiert werden. Aber nur, wenn sie nicht kopiergeschützt sind oder ein Schutz nicht angegriffen wird. Bei CDs ist es möglich, trotz Kopierschutz legal zu kopieren – aber nur analog, denn dann bleibt der Kopierschutz unangetastet. Beispiel: Wer seinen Rekorder oder die Soundkarte des Computers an die Analogausgänge des abspielenden CD-Spielers anschließt und so überspielt, ist rechtlich auf der sicheren Seite. Doch mit der Kopie über den analogen Weg handelt man sich Qualitätsverluste ein.

Die Crux bei fast allen DVDs: Da gibt es neben dem aktuellen digitalen Kopierschutz noch einen analogen aus alten Videobandzeiten, Macrovision genannt. Der verhindert, dass von DVDs analoge Kopien gezogen werden, und auch diesen Schutz zu knacken, ist künftig verboten.

Sind Kopien von Musik- oder Filmtiteln auch verboten, wenn vorher andere deren Schutz geknackt haben?

Laut Gesetz ist nur das Knacken des Kopierschutzes verboten. Wer sich also aus dem Internet einen aktuellen Song her­unterlädt oder per Tauschbörse mit eigentlich kopiergeschützter Musik versorgt, hat nichts zu befürchten. Doch der Bundesrat sieht hier noch Änderungsbedarf: Nur eine „rechtmäßig hergestellte Vorlage“ soll zum Kopieren verwendet werden dürfen.

Wie wird illegales Kopieren bestraft?

Richtige Strafen soll es nicht geben, der Gesetzgeber will es bei allgemeinen Verwarnungen belassen. Jedoch kann die Medienindustrie bei dingfest gemachten Kopierschutzknackern mithilfe ziviler Klagen auf Schadenersatz pochen.

Wenn ich einen Kopierschutz knacke und Kopien verkaufe, mache ich mich dann doppelt strafbar?

Ja. Spätestens, wenn das Gesetz in Kraft tritt, wird das Kopierschutzknacken zum Rechtsfall, das Verkaufen von Kopien ist es jetzt schon. Das Recht auf die private Kopie gibt es nur für den Eigenbedarf.

Wenn Software nicht kopiergeschützt ist, wie viel darf ich kopieren?

Erlaubt sind einzelne Sicherungskopien, um beispielsweise die wertvolle CD-Rarität nicht im Auto verschleißen zu lassen. Für die Ferienwohnung eine CD-Sammlung zu duplizieren, ist auch kein Problem. Es dürfen sogar Kopien für Dritte gezogen werden, aber ausdrücklich als Geschenk, inklusive CD-Rohling.

Was mache ich mit Programmen, die den Kopierschutz aushebeln?

Nicht der Besitz, sondern die Anwendung von Programmen zum Kopierschutzknacken wird mit dem Gesetz verboten. Wer solche Software also ungenutzt auf seinem Computer schlummern lässt, tut gewiss nichts Unrechtes. Besser aber wäre es, diese Programme sicherheitshalber zu löschen. Verboten wird die Herstellung und der Verkauf von „Crack-Software“, die Kopierschutz knackt, sowie das Verbreiten solcher Programme, zum Beispiel zum Download im Internet.

Was ist, wenn der Kopierschutz meinen CD-Player stottern lässt?

Manche CD- und DVD-Spieler spielen geschützte CDs nicht fehlerlos ab. Das ist kaum dem Gerät anzulasten, denn der ursprüngliche CD-Standard sah keinen Kopierschutz vor. Also ist eine kopiergeschützte CD eigentlich keine CD. Hat der Spieler Probleme mit solchen Platten, können die Scheiben umgetauscht oder zurückgegeben werden.

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