Kindesunterhalt: Was Väter jetzt zahlen

Künftig bekommen vor allem jüngere Kinder und besonders einige Kinder in den neuen Bundesländern etwas mehr Geld. Für Jugendliche kann es Nachteile geben.

Trennungskinder in Ost- und Westdeutschland sind endlich gleich. Mit dem Unterhaltsrecht haben sich auch die Regeln für die Berechnung des Kindesunterhalts verändert. Gerade ostdeutsche Kinder, deren Väter wenig verdienen, können nun etwas mehr Unterhalt bekommen. Auch viele kleine Kinder im Osten und im Westen profitieren.

In einigen Fällen kann die Neuregelung auch zu geringeren Zahlungen führen. Dies gilt vor allem für Unterhaltsfälle, die erst ab 2008 berechnet werden. Besonders betroffen sind davon Kinder ab 18 Jahren.

Drei Gruppen profitieren

Von der neuen Gesetzeslage profitieren vor allem drei Gruppen:

  1. Viele Kinder bis zum Alter von fünf ­Jahren (erste Altersstufe der Düsseldorfer Tabelle). Sie können abhängig vom Nettoeinkommen des Zahlers zwischen 6 und 43 Euro pro Monat mehr verlangen.
  2. Kinder aus den neuen Bundesländern, deren unterhaltspflichtige Väter oder Mütter weniger als 1 150 Euro netto verdienen. Sie haben jetzt im Alter von 0 bis 5 Jahren einen Anspruch auf 27 Euro mehr pro Monat. Sind die Kinder 6 bis 11 Jahre alt, können sie bis zu 16 Euro monatlich mehr beanspruchen. Ob sie das Geld tatsächlich bekommen, hängt aber davon ab, ob der Vater zahlen kann.
  3. Kinder aus den neuen Bundesländern unter 12 Jahren, die einen Unterhaltsvorschuss vom Staat bekommen, weil ihre Väter nicht in der Lage sind zu zahlen. Seit Jahresbeginn bekommen sie abhängig vom Alter 16 Euro (0 bis 5 Jahre) oder 19 Euro (6 bis 11 Jahre) pro Monat mehr. Kommunen und Staat geben für die Erhöhung ­etwa 20 Millionen Euro aus.

Mehr Geld können alle Kinder nur fordern, wenn sich der Unterhalt um mindestens 10 Prozent verändert hat. Es lohnt sich aber in jedem Fall, den Unterhaltspflichtigen schriftlich über höhere Beträge auch unter der 10-Prozent-Grenze zu informieren und zur Zahlung aufzufordern (Beträge siehe Tabelle „Unterhalt fürs Kind“).

Zahlt der Vater nicht, obwohl er dies müsste, bleibt die Abänderungsklage. „Sie sollte gut überlegt sein“, sagt Birgit Niepmann, Direktorin des Siegburger Amtsgerichts. „Es kann sein, dass das Einkommen des Vaters gesunken ist und die Kinder weniger statt mehr Geld bekommen.“

Für Kinder, die Unterhaltsvorschuss erhalten, gilt die 10-Prozent-Hürde nicht. Sie bekommen in jedem Fall mehr Geld.

Neue Düsseldorfer Tabelle

Als Richtschnur für die Festsetzung des Kindesunterhalts gilt die Düsseldorfer Tabelle. Sie wird vom Oberlandesgericht Düsseldorf regelmäßig aktualisiert. Durch das neue Unterhaltsrecht war eine Neu­berechnung der Tabelle nötig. Geändert ­haben sich nicht nur die Beträge, sondern auch die Einkommensstufen.

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