Neues EU-Erbrecht Meldung

Ab 17. August gilt die Europäische Erbrechts­ver­ordnung. Sie legt fest, dass für Erbschaften das Recht des Landes gilt, in dem der Verstorbene seinen „gewöhnlichen Aufenthalt“ hatte. Auf die Staats­bürgerschaft kommt es nicht an. Die Verordnung gilt in allen EU-Ländern – außer in Dänemark, Irland, Groß­britannien. Deutsche, die im Ausland leben, können auch das deutsche Erbrecht wählen.

Fast eine halbe Million Fälle pro Jahr

Die Bundes­regierung schätzt die Zahl solcher Erbfälle auf 450 000 pro Jahr. Bisher galten verschiedene Regeln. Immobilien in Frank­reich wurden nach dortigem Recht vererbt. Bei einem Deutschen, der im Elsass lebte, wurde sein französisches Haus nach dortigem Recht vererbt, sein Haus hier nach deutschem Recht.

Nicht an offizielle Anmeldung geknüpft

Die Verordnung präzisiert nicht den „gewöhnlichem Aufenthalt“. Er ist nicht identisch mit einer offiziellen Anmeldung oder dem Wohn­sitz. Laut Verordnung ist eine Gesamt­beurteilung der Lebens­umstände nötig. Wie oft und wie lang hielt sich der Bürger in dem Staat auf? Hatte er dort familiäre und soziale Bindungen?

Jeder EU-Bürger hat Wahl­freiheit

Wer sicher­gehen will, nutzt die Rechts­wahl. Jeder EU-Bürger darf entscheiden, dass für ihn das Recht des Landes gelten soll, dessen Staats­bürger er ist. Er muss das in einem Testament oder Erbvertrag tun, etwa so: „Ich wähle deutsches Recht für die Rechts­nach­folge von Todes wegen. Ich bin deutscher Staats­bürger.“ Ist ein Testament vorhanden, kann so eine Klausel nach­träglich einge­fügt werden. Mehr Informationen bietet das Special Wie sich ein Wegzug aus Deutschland erbrechtlich auswirkt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 8 Nutzer finden das hilfreich.