Neuer Stromanbieter: Bonus Strom Schnelltest

Mit ganzseitigen Anzeigen werben Bild.de und Bonus Strom GmbH derzeit für ihre „gemeinsame Aktion für Deutschland“. Statt eines festgelegten Strompreises versprechen sie einen Bonus von 10 Prozent auf den Energieanteil der Stromrechnung. Was in Zeiten hoher Strompreise attraktiv erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Enttäuschung. test.de rechnet vor.

Rückwirkender Bonus

Für Kunden von Bonus Strom ändert sich zunächst nicht viel: Die Kündigung beim bisherigen Stromversorger übernimmt Bonus Strom. Auch der Tarif, Grundgebühr sowie die monatlichen Abschlagzahlungen bleiben gleich. Lediglich die Jahresrechnung kommt vom neuen Anbieter. Den Bonus von Bonus Strom gibt es erst rückwirkend nach einem Jahr. Und noch viel wichtiger: Er wird nur auf den so genannten Energieanteil des Kilowattpreises im Privatkundentarif gezahlt.

0,6 Cent je Kilowattstunde

Der Kilowattpreis setzt sich aus mehreren Teilen zusammen. Der Anteil für die Energieerzeugung ist dabei relativ gering - etwa ein Drittel. Steuern, Durchleitungsgebühren und Konzessionsabgaben machen den Hauptteil des Strompreises aus. Auf diese gibt es jedoch genauso wenig einen Bonus wie auf die monatliche Grundgebühr. Bei 18 Cent je Kilowattstunde sind etwa 12 Cent für Staat und Netzbetreiber. Lediglich 6 Cent bekommt der Stromerzeuger. Auf diese 6 Cent zahlt Bonus Strom 10 Prozent Bonus. Unterm Strich: 0,6 Cent je Kilowattstunde. Das sind nur rund 3 statt der versprochenen 10 Prozent Bonus.

Teurer Privatkundentarif

3 Prozent Rabatt auf die Stromrechnung sind besser als nichts - wäre da nicht folgender Zusatz im Kleingedruckten: „Grundlage ist der Privatkundentarif.“ Dieser allgemeine Tarif ist jedoch nicht automatisch der preiswerteste Tarif. Die meisten Stromversorger in Deutschland bieten so genannte Sondertarife an, die in der Regel preiswerter sind. Auf diese Sondertarife bezieht sich der Rabatt der Bonus Strom GmbH jedoch nicht. Kurz gesagt: Wer bereits einen Sondertarif hat, erhält keinen Bonus. Wer dagegen noch Strom im Standardtarif bezieht, kann durch einen Tarifwechsel innerhalb des heimischen Versorgers oft mehr sparen als die von Bonus Strom effektiv erstatteten 3 Prozent. Einige Beispiele im Überblick.

Keine Kündigung bei Umzug

Auch die AGBs enthalten Fallen: Die Mindestvertragslaufzeit beträgt 12 Monate. Danach können Stromkunden mit einer Frist von sechs Wochen zum Monatsende kündigen. Ungewöhnlich: Beim Umzug endet der Vertrag nicht automatisch. Stattdessen ist der Kunde laut Geschäftsbedingungen verpflichtet, mindestens vier Wochen im Voraus die neue Anschrift mitzuteilen, damit das Unternehmen die Versorgung umstellen kann. Wer in ein Gebiet mit hoher Grundgebühr oder preiswerten Alternativanbietern zieht, bleibt trotzdem an Bonus Strom gebunden.

Fazit

Zusammen mit Grundgebühren, Steuern und Abgaben reduziert sich der Bonus von 10 Prozent auf magere 2-3 Prozent. Doch der eigentliche Haken ist die Festlegung auf den oft ungünstigen Privatkundentarif. Größere Einsparungen - auch ohne Bonus GmbH - sind vielerorts mit den Sondertarifen möglich, die fast alle Stromversorger anbieten. Darüber hinaus bleibt der vollständige Wechsel zu einem preiswerteren Stromversorger offen.

Special: Der Wechsel lohnt sich

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