Neuer Personalausweis Schnelltest

Quelle: Bundesministerium des Innern

Der Personalausweis mausert sich zum Hightech-Dokument. Komplizierte Elektronik ermöglicht es, sich auch im Internet sicher auszuweisen. Das birgt Risiken und Nebenwirkungen und erfordert Beratung. test.de prüft, ob und wie gut alles funktioniert. Zweite Etappe im Ausweis-Schnelltest: Abholung und Installation von Lesegerät und AusweisApp.

Test in Etappen

Vor über zwei Monaten waren die Ausweis-Tester bei Meldeämtern in ganz Deutschland und haben einen neuen Personalausweis beantragt. Jetzt endlich sind alle Ausweise da. Der erste Brief von der Bundesdruckerei kam nach gut zwei Wochen, der letzte erst Mitte letzter Woche- über zwei Monate nach dem Antrag. Jeweils einige Tage später traten die Tester zur Abholung bei ihrem Meldeamt an.

Beratung Fehlanzeige

Nach ziemlich dürftiger Beratung bei Beantragung der Ausweise hatte test.de erwartet, dass die Meldeämter beim Abholen nicht nur den Ausweis liefern, sondern auch zumindest die wichtigsten Hinweise dazu. Doch Fehlanzeige: „Sie haben doch die Broschüre bekommen. Da steht alles drin“, bekamen die Tester gern mal zu hören. Bei den meisten Beamten, die sich doch äußerten, war schnell klar: Sie kennen sich allenfalls oberflächlich aus. Mancherorts fehlten sogar Grundkenntnisse. Gleich bei drei Meldeämtern sagten die Mitarbeiter nichts vom Sperrnotruf 0180-1-33 33 33, über den Inhaber des Ausweises nach Verlust oder Diebstahl die Abschaltung der elektronische Identifikations-Funktion (eID) veranlassen müssen.

Kampf mit der Technik

Bei den meisten Meldeämtern holten sich die Mitarbeiter Verstärkung im Kampf mit der neuen Hard- und Software. Die Änderung der persönlichen Identifikationsnummer (Pin) klappte bei sechs der sieben Testkandidaten. Eine Behörde bot die Änderung der Pin gar nicht an. Eine Bürgeramts-Mitarbeiterin hätte die Pin-Änderung auch gern dem Tester selbst überlassen und ermöglichte sie erst auf seine ausdrückliche Bitte hin. Einige Tester mussten die Quittung für den Ausweis und die Bestätigung für den Erhalt des Pin-Briefes von der Bundesdruckerei blind auf einer Elektronik-Tafel unterschreiben. Eigentlich sollen spezielle Bildschirme die Formulare anzeigen und die Unterschrift gleich einblenden. Mit besonderen Schwierigkeiten müssen Menschen mit Zeichen wie é, à oder ç im Namen rechnen. Offenbar stürzen manche Bürgeramts-Computer ab, wenn Daten von ihren Ausweisen eingelesen werden sollen.

Pin-Brief kann zuhause bleiben

Überraschend für die Tester: Den Pin-Brief hätten sie besser sicher verwahrt daheim gelassen. Für die Änderung der Pin reicht den Meldeämtern die auf dem Ausweis aufgedruckte Zugangsnummer („Can“ für Card-Access-Number). Die so genannte „Transport-Pin“ aus dem Bundesdruckerei-Brief ist nur nötig, wenn Ausweisinhaber die Pin erstmalig daheim am PC selbst ändern wollen. Das Bundesinnenminsterium bestätigt: Das ist so vorgesehen. Die Meldeämter seien sicher und die Änderung der Pin durch Unbefugte zwischen Anlieferung und Abholung der Ausweise kein nennenswertes Risiko. Bei Abholung müssen die Ausweisinhaber zwar schriftlich bestätigen, dass sie den Pin-Brief erhalten haben. Vorliegen muss der Brief nicht.

Zweifelhaftes Geschenk

Ein Extra hatte das Meldeamt in Hagen für den Tester parat: Er bekam gleich bei Abholung des Ausweis ein einfaches Basis-Lesegerät kostenlos mit auf den Weg. Er war einer der hundert ersten Antragsteller. Von einem solchen preiswerten Basis-Lesegerät riet eine Meldeamtsmitarbeiterin in Berlin dagegen dringend ab. „Das haben ein paar Abiturienten innerhalb von zwei Stunden geknackt“, behauptete sie. Das ist Unsinn. Der Ausweis und die Lesegeräte sind sicher und praktisch nicht angreifbar. Allerdings: Bei Basis-Kartenlesegeräten müssen Benutzer die Pin über Tastatur oder Maus eingeben. Hacker vom Chaos-Computer-Club haben vorgeführt, wie sich die Geheimzahl mit Spionageprogrammen abfangen lässt, wenn der Computer des Benutzers nicht nach allen Regeln der Kunst abgesichert ist. Ein Missbrauch des fremden Ausweis ist dann denkbar – allerdings nur, so lange er im Lesegerät liegt. Völlig sicher sind Standard- und Komfort-Lesegeräte mit eigener Tastatur. Ein erster Standard-Kartenleser ist inzwischen zugelassen. Er ist ab gut 50 Euro zu haben und wird ab Ende Januar ausgeliefert.

Lahme AusweisApp

Wenig Schwierigkeiten hatten die Tester mit der Installation von Lesegerät und AusweisApp. Allerdings irritierte das Programm nach der Installation mit trägen Reaktionen. Die Rückmeldungen des Programms kamen zuweilen mit so viel Verzögerung, dass die Tester die Hoffnung schon aufgegeben hatten. Eine Testerin ließ sich davon sogar völlig aus dem Konzept bringen. Ein Tester braucht über eine halbe Stunde, um zu durchschauen, dass der Funktionstest für die AusweisApp noch gar nicht läuft.

Jetzt starten die letzten Etappen im Ausweis-Schnelltest: Wie klappts mit dem neuen Personalausweis im Internet? Wie funktioniert die Installation und Benutzung einer qualifizierten digitalen Signatur, was kostet der Extra-Service und was bringt er?

Neuer Personalausweis im Schnelltest:
Der Antrag

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