Neuer Personalausweis Schnelltest

Quelle: Bundesministerium des Innern

Der Personalausweis mausert sich zum Hightech-Dokument. Komplizierte Elektronik ermöglicht es, sich auch im Internet sicher auszuweisen. Das birgt Risiken und Nebenwirkungen und erfordert Beratung. test.de prüft, ob und wie gut alles funktioniert. Erste Etappe im Ausweis-Schnelltest: Die Beantragung.

Test in Etappen

Die Stiftung Warentest hat Tester zu den Meldeämtern geschickt, um einen neuen Personalausweis zu beantragen. Später werden sie noch protokollieren, wann sie ihren Ausweis bekommen haben, wie die vorgeschriebene amtliche Information über die elektronische Identität ausfällt und wo und wie gut sich Ausweis, Software und Lesegeräte benutzen lassen.

Bis zu zwei Stunden Wartezeit

Zunächst ist beim Meldeamt alles wie gewohnt. Vor der Antragstellung kommt die Wartezeit. Nur ein einziger der acht test-Antragsteller ist sofort dran. In Rostock-Reutershagen keine Spur von Ansturm auf den neuen Ausweis. Alle anderen müssen warten. Trauriger Rekord: Fast zwei Stunden dauert es, bis der test-Kandidat für den neuen Personalausweis im Berliner Rathaus Tiergarten dran ist.

Wenige Minuten Beratung

Bei Antragstellung und Beratung gehts dann sehr viel schneller. Sie dauert zwischen sechs und 23 Minuten. Größere technische Schwierigkeiten gibts bei keinem Amt. Zwei Sachbearbeiter brauchen zwischendurch Hilfe von Chef oder Chefin, aber die sind flugs zur Stelle und erfolgreich. Dürftig ist allerdings die Beratung zum neuen Personalausweis: Mancher Sachbearbeiter in der Meldestelle macht auch auf Nachfrage hin kaum mehr, als auf die Broschüre des Bundesinnenministeriums zu verweisen und bis zur Abholung des fertigen Ausweises zu vertrösten. Erst dann müssen Ausweisinhaber entscheiden, ob die „elektronische Identifikation“ (eID) fürs Internet aktiv sein soll, und ist die Information Pflicht.

Rätsel um digitalen Fingerabdruck

Sofort entscheiden müssen die Kandidaten für den neuen Personalausweis, ob ihre Fingerabdrücke auf dem Chip im Ausweis gespeichert werden sollen. Wofür das gut sein soll, wussten die meisten Sachbearbeiter auch nicht so genau. „Das müssen Sie schon selbst wissen“, bekam ein Kandidat zu hören. Immerhin kam oft der Hinweis, dass es für Polizei und Grenzschützer leichter wird, den Missbrauch von gestohlenen oder verlorenen Ausweisen zu erkennen und stoppen.

Automatisch Kontrolle

Richtig ist: In Deutschland dürfen die Behörden Bild- und Fingerabdruckdaten im Ausweis-Chip allein dazu nutzen, den Inhaber zu identifizieren und müssen sie sofort anschließend löschen. Unklar ist allerdings, wie ausländische Behörden mit den Daten umgehen werden. Datenbanken mit digitalen Bildern und Fingerabdrücken ermöglichen eine sehr weitgehende und automatisierte Überwachung von Menschen. Möglicher Nutzen der Daten in Zukunft: Automatisierte Ausweiskontrollen mit Fingerabdruck-Scanner könnten schneller und bequemer verlaufen als herkömmliche. test.de meint: Lassen Sie grundsätzlich so wenig Daten von sich speichern wie möglich und verzichten Sie auf den digitalen Fingerabdruck.

Stolzer Preis

Neuer Personalausweis Schnelltest

Quelle: Bundesministerium des Innern

Selbst die im Vergleich zum alten Ausweis drastisch gestiegenen Gebühren und Folgekosten waren in den Meldestellen kaum Thema. Dass der neue Personalausweis stolze 28,80 Euro kostet, erfahren alle. Die müssen sie ja schließlich auch sofort zahlen. Unter den Tisch fallen meist die Gebühren fürs nachträgliche Einschalten der eID-Funktion, das Entsperren oder die Änderung der persönlichen Geheimnummer. Jeweils sechs Euro sind fällig. Folgekosten wie der Preis von Lesegeräten oder Zertifikaten sind ebenfalls nur selten Thema. Starke Leistung des Sachbearbeiters im Bürgeramt Frankfurter Allee in Berlin-Friedrichshain: Die test-Kandidatin, die auch ihren Reisepass mit hatte, brauche gar nicht unbedingt einen neuen Personalausweis, verriet er ihr. Eine Meldebestätigung für 5 Euro tuts auch, solange sie gleichzeitig ihren Reisepass zur Hand hat. Sehr ärgerlich: Bei vielen Meldestellen ist die Bezahlung der Gebühren absurd umständlich: Der Antragsteller bekommt einen Beleg, geht damit zur Kasse irgendwo anders im Gebäude, zahlt dort und muss schließlich mit dem Beleg über die Zahlung zurück zur Meldestelle.

Kaum Informationen zu Kartenlesern

Vollends dünn fallen die Behördeninformationen zu Lesegeräten und Software aus, die für die Nutzung der eID und erst recht der digitalen Unterschrift nötig sind. Immerhin erhalten einige Kandidaten noch den Hinweis, dass sie einen Computer mit AusweisApp und speziellem Kartenlesegerät brauchen. Der Unterschied zwischen Basis-, Standard- und Komfortlesegeräten ist nur im Bürgerbüro in Berlin-Friedrichhain überhaupt Thema. Glatt falsch allerdings: Das Amt habe keinen Hinweis über mehr oder weniger Sicherheit der verschiedenen Lesegerät-Klassen, behauptet der Mitarbeiter dort. Dabei heißt es in der Broschüre des Innenministeriums ganz richtig: „Verwenden Sie einen Basis-Kartenleser bitte nur, wenn Sie eine aktuelle Firewall und einen leistungsfähigen Virenscanner einsetzen sowie regelmäßige Sicherheitsupdates durchführen.“

Neuer Personalausweis im Schnelltest:
Der Antrag
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