Neuer Kindle-E-Book-Reader Schnelltest

Nur 99 Euro nimmt Amazon für die neueste Generation seines E-Book-Lesegeräts Kindle. Gegenüber dem teureren Vorgänger gibt es dafür auch weniger Ausstattung: Keine Tastatur, kein Audio, kein UMTS. Dafür ist der neue Kindle eReader nun billiger und handlicher. Aber überzeugen auch Display und Akku? Gibt es andere Schwächen? Der Schnelltest klärt auf.

Klein und handlich

Neuer Kindle-E-Book-Reader Schnelltest

Augenscheinlichster Unterschied gegenüber dem Vorgänger: Der Kindle der vierten Generation hat keine Hardware-Tastatur. Wer Text eingeben will – etwa um in Amazons E-Book-Angebot nach einem bestimmten Autor zu suchen oder um ein elektronisches Buch mit Anmerkungen zu versehen – muss das mühsam über eine virtuelle Tastatur und eine Eingabewippe tun. Ein weiterer Unterschied: Der neue Kindle hat keinen Kopfhörerausgang und kann keine Musik spielen. Doch die Verschlankung hat auch ihre Vorteile: Das Gerät ist deutlich kompakter und 80 Gramm leichter als sein Vorgänger. Damit ist der neue Einsteiger-Kindle besonders für jene attraktiv, die Texteingabe und Musikspieler eh nicht brauchen: Beim reinen Schmökern liegt der Kindle 4 besser in der Hand als der Vorgänger. Auch Sparfüchse kommen auf ihre Kosten: Der Neue kostet günstige 99 Euro.

Gutes Display, starker Akku

Beim Bildschirm hat Amazon nicht gespart. Das Gerät nutzt die sogenannte elektronische Tinte („E-Ink“). Diese Bildschirmtechnik ahmt die Eigenschaften von bedrucktem Papier nach. Anders als hintergrundbeleuchtete LCD-Schirme, wie sie Notebooks oder Tablet-Rechner nutzen, ermüden solche E-Ink-Displays auch bei langem Lesen nicht die Augen. Und sie sind auch bei hellem Sonnenschein gut ablesbar. Das Display des neuen Kindle bietet zudem einen guten Kontrast. Und verglichen mit den Geräten im ersten Test von E-Book-Readern reagiert es beim Umblättern deutlich schneller. Ein weiterer Vorteil von E-Ink-Schirmen: Sie verbrauchen wenig Strom. Das erlaubt sehr lange Akkulaufzeiten. Im Test wurden pro Tag zweihundert Seiten umgeblättert. Dabei hielt der Akku mit aktiviertem WLan vier Wochen. Mit abgeschaltetem WLan hält der Akku sogar noch länger.

Prima für Amazon-Bücher

Die WLan-Verbindungen nutzt der Kindle, um sich übers heimische Funknetz mit dem Internet und darüber mit den Rechnern von Amazon zu verbinden. So kann der Nutzer direkt vom Kindle aus neue Bücher bei Amazon nachkaufen. Komfortabler ist der E-Book-Kauf allerdings vom PC: Einfach auf Amazons Website ein elektronisches Buch kaufen, schon wird es per Internet und WLan direkt auf das Lesegerät geschickt. Per WLan lässt sich auch der Lesestand auf unterschiedlichen Geräten automatisch synchronisieren. Wer ein Buch zwischendurch per Kindle-App auf dem iPhone liest, kann auf dem Kindle-Lesegerät gleich an derselben Stelle weitermachen, wo er auf dem Smartphone aufgehört hat. Solange der Nutzer sich auf Amazon-Inhalte beschränkt, ist all das sehr komfortabel.

Einschränkungen für andere Inhalte

Mit Inhalten aus anderen Quellen tun sich die Lesegeräte von Amazon dagegen traditionell schwerer. So kann auch der neue Kindle zwar PDF-Dateien anzeigen. Doch bricht er Texte darin nicht um, sodass Texte, deren Layout eigentlich für größere Seiten angelegt ist, auf dem etwa taschenbuchgroßen Display nur mühsam zu lesen sind. Das bei europäischen Anbietern gängigste E-Book-Format „Epub“ stellt auch der neue Kindle überhaupt nicht dar. Ebenso wenig unterstützt er das von den meisten Amazon-Konkurrenten verwendete Kopierschutzsystem von Adobe. Damit müssen elektronische Bücher der allermeisten anderen Anbieter draußen bleiben. Wer einen Kindle-Reader besitzt, soll seine E-Books bei Amazon kaufen – und sonst nirgendwo.

Neue und alte Familienmitglieder

Wer mit dieser Bindung an Amazon kein Problem hat, findet im Kindle 4 ein leichtes und handliches Einsteigergerät mit gutem Display. Amazon-Fans, die auf Tastatur, MP3-Funktion und UMTS-Funkmodem des Vorgängermodells nicht verzichten wollen, können dieses weiterhin kaufen. Den Kindle 3 bietet Amazon für 159 Euro nun unter dem neuen Namen „Kindle Keyboard 3G“ an. Auf eine weitere neue Version, die ähnlich kompakt wie der Kindle 4 ausfällt, aber über einen berührungsempfindlichen Bildschirm („Touchscreen“) gesteuert wird, müssen deutsche Amazon-Kunden dagegen vorerst verzichten. Den Kindle Touch und den Kindle Touch 3G bietet Amazon bislang nur in den USA an.

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