Neuer Ärger bei der Postbank Meldung

Knapp 150 Postbank-Kunden fürchten um ihr Geld, das sie in ein Hotelprojekt in Südafrika gesteckt haben. Das berichtete der NDR gestern. Die Postbank hatte die Beteiligung als lukrative Anlage empfohlen. Insgesamt sind nach Angaben der Bank 2,5 Millionen Euro in das bis heute nicht fertig gestellte Hotelprojekt geflossen.

Postbank: Anleger kannten Risiken

Die Postbank sagt, dass ihre Kunden über die Risiken der Beteiligung Bescheid wussten. Zahlreiche Anleger fühlen sich jedoch über den Tisch gezogen. Ein dem NDR vorliegender Mitschnitt einer Beraterschulung legt den Verdacht nah, dass Postbank-Kunden mit übertriebenen Versprechen in die Verträge gedrängt wurden. So übten zahlreiche Postbank-Berater im Juni 2009 in Hamburg das Verkaufen des Fonds. Ein Vertriebsdirektor der Postbank Finanzberatung habe den Beratern erklärt, wie man die „äußerst attraktive Anlage“ an den Mann bringen könne. Die Zimmer des neuen Hotels, dass zur Fußballweltmeisterschaft 2010 fertiggestellt sein sollte, seien jetzt schon ausgebucht, habe der Mann frohlockt. „Ein Traum“ sei das Objekt und natürlich eine sichere Anlage: „Da können wir einen Teil ihrer Gelder attraktiv parken.“ Postbank-Sprecher Joachim Strunk bestätigte gegenüber dem NDR, dass die die zitierte Aufnahme des Beratungsgesprächs echt sei. Allerdings handele es sich um eine „Trockenübung und kein echtes Beratungs-Gespräch“.

Berater sprachen von risikoarmer Investition

Postbank-Kunden erklärten gegenüber dem NDR, dass ihnen das Investment als „risikoarme Investition“ angeboten worden sei. Dass sie mit der Beteiligung an dem geschlossenen Immobilienfonds MCT Südafrika 3 Verluste erleiden könnten, weil etwa Baukosten zu niedrig veranschlagt oder das Hotel nicht ausgelastet sein würde, hätten ihnen die Berater verschwiegen. Im vorliegenden Fall soll das Anlegergeld nach Angaben des NDR „vermutlich“ bei einer Partnerfirma versickert sein.

Kunden wollen Schadenersatz forden

Hinter dem MCT-Fonds, der umgerechnet zehn Millionen Euro einwerben sollte, stand ein kompliziertes Vertragskonstrukt, zu dem mehrere südafrikanische Unternehmen sowie ein Treuhänder gehörten. Die Chefs einer der beteiligten Firmen hätten im Lauf des Jahres 2009 die Gelder aus Deutschland für andere Verpflichtungen ihres klammen Unternehmens verwendet und damit veruntreut, so die Darstellung von MCT heute. Ein Risiko, das von vorneherein bestanden habe und das man hätte ausschließen können, sagen dagegen die Anwälte von geprellten Anlegern. Nur habe weder MCT noch die Postbank das offen ausgesprochen. Die Anleger wollen nun Schadenersatz von der Postbank fordern.

Hohe Provision für die Postbank-Berater

Die Postbank betont , dass sie den Fonds nicht selbst aufgelegt, sondern nur für MCT vertrieben habe. Der Vertrieb war für die Postbank jedoch außerordentlich attraktiv. 15 Prozent der Anlagesumme kassierte die Postbank, die Hälfte davon sei an die Berater gegangen – und der „Führungsaußendienst“ habe noch einmal anderthalb Prozent zusätzlich bekommen, erklärte ein Postbank-Sprecher.

[Update 14.03.2011] Die Postbank hat angekündigt, unabhängige Wirtschaftsprüfer auf den Fall anzusetzen. „Sollte diese Prüfung Fehler feststellen, so wollen wir eine kulante und kundenfreundliche Regelung im Einzelfall direkt und sofort umsetzen“, erklärte Postbanksprecher Rüdiger Grimmert gegenüber NDR Info.

Interview mit Finanztest-Redakteurin Ariane Lauenburg zum Thema.

Die Postbank fiel bereits mehrfach unangenehm auf. test.de berichtete:
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