Neue Telekom-Tarife Schnelltest

Die Deutsche Telekom bietet ab 1. März neue Tarife an. Kunden können dadurch „günstiger telefonieren“. Kern der „WünschDirWas-Tarife“: Gegen einen monatlichen Aufpreis zwischen knapp 30 Cent bis fast 20 Euro sinken die Gesprächspreise. test.de hat nachgerechnet. Fazit: Die neuen Tarife bringen wenig Vorteile und bergen etliche Preisfallen.

Vier für alle

Die neuen Telekom-Tarife heißen Call Plus, Call Time, XXL und XXL Freetime. Dazu kommt die Option Local, die Tarifwechsler oder Neukunden zusätzlich zu jedem Tarif wählen können. Kunden müssen durchweg monatlich drauflegen: 29 Cent, 4,29 Euro, 9,28 Euro, 14,28 Euro oder 9,95 Euro für Local. Vorteil: Bei allen neuen Tarifen rechnet die Telekom im Minutentakt ab und nicht wie bisher im ungünstigsten Fall im 4-Minuten-Takt. Die neuen Tarife enthalten sinnvolle Komfortfunktionen wie Anklopfen, Rufnummernanzeige und die T-Net-Box. Alle Kunden mit laufenden Verträgen wie etwa XXL stellt die Telekom automatisch auf die neuen Extra-Tarife um. Für Kunden mit Standard-T-Net-Anschluss gibts keine automatische Umstellung.

Call Plus: Der Attraktivste

Das attraktivste Angebot ist das billigste: Der Standardanschluss für Neukunden heißt Call Plus und kostet 15,95 Euro (isdn: 23,95 Euro) monatlich. Der Aufpreis zum alten T-Net-Anschluss beträgt also nur 29 Cent. Doch der Neue bietet Vorteile: Call Plus ist kundenfreundlicher getaktet und schließt sinnvolle Komfortfunktionen ein. Das kostete bisher 2,21 Euro zusätzlich pro Monat. Alle anderen neuen Tarife enttäuschen: Sie haben einen noch höheren Grundpreis, erreichen aber bei den Gesprächseinheiten trotzdem kaum das Preisniveau der billigsten Call-by-Call-Anbieter. Die Tarife lohnen sich allenfalls für Telekom-Kunden, die keine Billig-Vorwahlen benutzen.

Call Time: Zwei Stunden Gratis-Gespräche

Für Call Time zahlt der Telekomkunde monatlich 19,95 Euro (isdn: 27,95). Er bietet 120 Freiminuten ins Festnetz. Kunden des alten Tarifs Calltime 120 werden automatisch umgestellt und profitieren auch davon. Der Grundpreis ist knapp zwei Euro billiger, der Gesprächstakt minütlich und die Gesprächspreise günstiger.

XXL: Lange Wochenendgespräche

Die teuersten Tarife sind XXL und XXL Freetime. XXL kostet 24,94 Euro monatlich (isdn: 32,95 Euro). Dafür gibt es kostenlose Festnetzgespräche am Wochenende und an gesetzlichen Feiertagen. Das gab es bereits unter gleichem Namen. Dieser Tarif lohnt im Vergleich zu Call-by-Call erst ab deutlich über 15 Stunden monatlich am Wochenende (jeweils rund zwei Stunden täglich). XXL Freetime kostet weitere 5 Euro extra. Für monatlich 29,94 Euro (isdn: 37,95) sind dann Festnetztelefonate auch werktags nach 18 Uhr kostenlos. Im Vergleich zu Call-by-Call rechnet sich Freetime XXL ab einem Gesprächsaufkommen von etwa 50 Minuten täglich (nach 18 Uhr, ins deutsche Festnetz).

XXL Local: Kostenlose Ortsgespräche

In allen neuen Tarifen ist die Option XXL Local für 9,95 Euro wählbar. Damit sind pauschal alle Gespräche in den eigenen Vorwahlbereich frei. Das lohnt für Quasselstrippen, die gern und lang mit Bekannten und Verwandten im gleichen Ort telefonieren. Doch einerseits gibts Nachbarorte, die trotz unterschiedlicher Vorwahl bei der Telekom zum Ortstarif erreichbar sind (Berlin und Potsdam beispielsweise), und dennoch nicht unter diese Flatrate fallen. Und andererseits gibts in Deutschland viele kleine Orte, in denen nur wenige Menschen wohnen und selbst der unmittelbare Nachbarort schon eine andere Vorwahl hat. Generell gilt bei XXL Local: Um den monatlichen Aufpreis von fast zehn Euro auszugleichen, müssen Kunden rund 15 Stunden in den eigenen Vorwahlbereich vertelefonieren.

CountrySelect: Günstig ins Ausland

Mit der Option CountrySelect können besonders diejenigen viel sparen, die oft ins Ausland telefonieren. Bei einem Euro Mindestumsatz pro Monat und Land können Kunden bis zu drei Länder auswählen, zu denen dann rund um die Uhr relativ günstige Preise gelten. Beispiel: Gespräche nach Kanada kosten damit rund um die Uhr 2,9 Cent pro Minute.

Schön gerechneter Spareffekt

Kunden müssen bei der Kalkulation der neuen Tarife stets beachten, dass die höheren Grundpreise auch anfallen, wenn sie zum Beispiel in den Urlaub fahren. Und nur extreme Vieltelefonierer können mit XXL-Tarifen oder der Local-Option sparen. Ansonsten erreichen die neuen Preise der Telekom bei weitem nicht das günstige Niveau der Konkurrenten. Das Versprechen der Telekom einer 75prozentigen Ersparnis bezieht sich übrigens auf Ortsgespräche. Für die waren bisher bis zu 6 Cent im 4-Minutentakt fällig. Das war auch dann fällig, wenn das Gespräch nur eine Minute dauerte. Mit den neuen Tarifen rechnet die Telekom im Minutentakt ab, pro Gesprächsminute sind 1,5 Cent fällig. Die versprochene Preisersparnis hat nur der Kurztelefonierer. Bei einem 4-Minutengespräch sind, wie bisher auch, 6 Cent fällig.

Tipps: So sparen Sie am besten

  • Wenig-Telefonierer. Bleiben Sie bei der Telekom. Führen Sie - so unbequem das erscheinen mag - alle Gespräche im Call-by-Call-Verfahren über günstigere Telekomkonkurrenten.
  • Viel-Telefonierer. Wenn Sie viel telefonieren, kann das Call-by-Call-Verfahren lästig sein, weil Sie vorher immer die billigste Vorwahl über das Internet oder die Zeitung herausfinden müssen. Dann helfen Vorwahlautomaten wie der Telejet Tarifmanager (auch Least cost Router genannt). Wegen der Anschaffungskosten (etwa 50 Euro) und der Kosten für regelmäßige Tarifupdates (etwa 2,50 Euro monatlich), lohnt sich das bei einem Gesprächsaufkommen ab etwa 30 Euro (monatlich, ohne Grundpreis).
  • Spezial-Telefonierer. Sie führen sehr viele Wochenendgespräche oder sehr viele Gespräche im eigenen Vorwahlbereich? Dann buchen Sie die Tarife XXL oder die Option XXL Local. Allerdings: Sie sollten schnell kündigen, wenn sich Ihr Telefonverhalten ändert. Telefonieren und Internet (dsl) im Paket bieten regionale Telefongesellschaften und Arcor als überregionaler Anbieter billiger an als die Telekom. Doch Vorsicht: Sie können nach einem Wechsel zu diesen Anbietern nicht mehr Call-by-Call nutzen.

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