Neue Regeln für Lebens­versicherer Meldung

Finanztest-Chef­redak­teur Hermann-Josef Tenhagen

Die Lebens­versicherer tun sich immer schwerer, den Garan­tiezins zu erwirt­schaften, den sie ihren Kunden bei Vertrags­abschluss versprochen haben. Um sicher­zustellen, dass die Versicherer ihre Garan­tieversprechen auch lang­fristig halten können, will die Bundes­regierung die Rahmenbedingungen für Lebens­versicherungen ändern. Hermann-Josef Tenhagen, Chef­redak­teur von Finanztest, sagt, welche Folgen die geplanten Änderungen für Versicherungs­kunden haben.

Änderung bei Bewertungs­reserven

test.de:Die Bundes­regierung will die Lebens­versicherung reformieren. Warum?

Hermann-Josef Tenhagen: Das Gesetz soll dafür sorgen, dass die Lebens­versicherer auch künftig genug Geld haben. Bluten sollen dafür Kunden, deren Versicherungen in den nächsten Jahren auslaufen. Diese Verträge bekämen im Augen­blick hohe Bewertungs­reserven in Milliardenhöhe. Dieses Geld möchte die Bundes­regierung gerne im gemein­samen Topf für alle Versicherten lassen, damit auch in 10 oder 15 Jahren die Versicherer ihren Kunden auf jeden Fall das auszahlen können, was sie ihnen garan­tiert haben.

Nachteile für bald auslaufende Verträge

Ist die Regelung für die Kunden gut oder schlecht?

Tenhagen: Für die Kunden, deren Verträge jetzt auslaufen, ist das schlecht – sie verlieren tausende von Euro. Für alle anderen Kunden ist das möglicher­weise eine Hilfe. Der Gesetz­entwurf versucht zusätzlich sicher zu stellen, dass die Versicherer, wenn sie das Geld behalten dürfen, dieses nicht anderweitig verfrühstücken. Es soll daher nicht möglich sein, dass die Versicherer an ihre Aktionäre Geld geben, während die Kunden keine vernünftigen Erträge bekommen. Weitere Verbesserungen: Der Gesetz­geber will für neue Verträge die Provisionen deckeln. Es soll dafür gesorgt werden, dass Risikogewinne zu 90 Prozent an die Kunden ausgeschüttet werden statt bislang 75 Prozent. Risikogewinne entstehen, wenn die Versicherten früher sterben, als der Versicherer in seinen Sterbe­tafeln angenommen hat. All das ist eigentlich vernünftig. Nachteile entstehen für die Kunden, deren Vertrag zwischen jetzt und 2016/17 ausläuft.

Kündigung vorher genau prüfen

Sollte diese Kunden ihre Verträge jetzt kündigen?

Tenhagen: Für diese Kunden gibt es eine einfache Grund­regel. Sie sollten ihrem Versicherer schreiben und fragen, wie hoch die Bewertungs­reserven auf dem eigenen Vertrag sind. Also: Was würde ich rausbekommen, wenn ich jetzt kündigen würde? Und dann sollten sie diesen Wert mit dem vergleichen, was sie laut ihrer jähr­lichen Stand­mitteilung 2015 oder 2016 ausbezahlt bekommen würden. Wenn sie das miteinander vergleichen, können sie sehen, ob eine Kündigung Sinn machen könnte. Wichtig ist zu beachten: Gerade die älteren Verträge haben noch eine hohe garan­tierte Verzinsung von bis zu 4 Prozent. Wer seinen Vertrag laufen lässt, erhält diese Zinsen weiter. Bei einer Kündigung ist das natürlich vorbei. [Update 10.6.2014] Da eine Reihe von Bundes­ländern bereits ihre Zustimmung zu den Änderungen signalisiert hat, könnte das Gesetz so schnell greifen, dass keine Möglich­keit mehr besteht, mit einer frühen Kündigung der Gesetzes­änderung zu entgehen. Allerdings sollten Versicherte bedenken, dass die Kürzung der Bewertungs­reserven nicht auto­matisch greift, sondern nur für den Fall, dass ein Versicherungs­unternehmen seine Zusagen zur garan­tierten Verzinsung nicht mehr einhalten kann. [Ende Update]

Garan­tiezins sinkt

Wie verhält es sich bei Neuabschlüssen?

Tenhagen: Der maximale Zins für Neuverträge wird ab 2015 auf 1,25 Prozent gesenkt. Das bedeutet für neue Kunden, dass es noch unattraktiver wird, eine solche Lebens- oder Renten­versicherung ohne staatliche Förderung abzu­schließen. Wer für sein Alter vorsorgen will, sollte zunächst neben der gesetzlichen Rente die geförderten Wege nutzen. Das bedeutet, einen Riester-Vertrag abzu­schließen oder eine Betriebs­rente, möglichst mit Förderung des Arbeit­gebers. Vor allem an Selbst­ständige richtet sich die Rürup-Rente mit ihren Steuer­vorteilen.

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