Neue-Energien-Fonds Test

Erneuer­baren Energien liegen im Trend. Auch für Anleger. Mit speziellen Investment­fonds können sie auf ihren Boom spekulieren. Doch Achtung bei der Auswahl. Die Fonds setzen unter­schiedliche Schwer­punkte und legen oft groß­zügig aus, was sie unter „Neuen Energien“ verstehen: Viele enthalten Unter­nehmen, die mit Atom­kraft zu tun haben.

In der Vergangenheit oft Verluste

Finanztest hat die sieben aktiv gemanagten Investmentfonds aus der Branche untersucht, die mindestens fünf Jahre alt sind – und außerdem vier Indizes mit den dazu­gehörigen Fonds. In der Vergangenheit war es nicht einfach, mit „Umwelt-“ oder „Klimafonds“ Geld zu verdienen: Selbst der Fonds mit der besten Wert­entwick­lung, SAM Smart Energy Fund, hat seinen Höchst­stand aus dem Jahre 2007 noch nicht wieder erreicht. Im Gegen­teil: Viele Anleger, die kurz vor der Finanz­krise einen neu aufgelegten Fonds dieser Art kauf­ten, sitzen heute noch auf hohen Verlusten. Dabei müssen die Fonds gar nicht schlecht sein, sie waren nur zum Kauf­zeit­punkt sehr teuer.

Sogar Tepco im Klimafonds

Nur wenige Neue-Energien-Fonds erheben den Anspruch, ökologisch, ethisch und sozial korrekt zu investieren. Neue-Energien-Fonds sind zwar „sauberer“ als die meisten herkömm­lichen Aktienfonds, da viele zweifelhafte Unternehmen nicht infrage kommen. Doch bei kritischer Betrachtung gibt es so manchen Makel – nicht selten auch Atom­kraft. So weist etwa der vergangene Halb­jahres­bericht für den Fonds HSBC GIF Climate Change (Isin LU 032 323 944 1) ein gut 2-prozentiger Anteil an der Tokyo ­Electric Power aus – dem Konzern, der für die Unglücks­reaktoren im japa­nischen Fukushima verantwort­lich ist. In der Unter­suchung von Finanztest ist der HSBC-Fonds nicht enthalten, da er jünger als fünf Jahre ist. Doch auch in den geprüften Fonds ist Kern­kraft kein Tabu. Vier von ihnen haben keine ausdrück­lichen Ausschluss­kriterien zur Kern­energie, bei den anderen sind Kompromisse möglich.

Nach­haltig­keits­fonds als Alternative

Geht es Anlegern nicht darum, auf einen Boom der erneuer­baren Energien zu spekulieren, sondern um ein ethisch-ökologische Basis­investment, brauchen sie eine andere Geld­anlage: einen Nach­haltig­keits­fonds. Die streuen das Geld welt­weit über verschiedene Branchen. Finanztest hat Nach­haltig­keits­fonds zuletzt im Mai 2010 untersucht Saubere Investmentfonds. Einen guten Eindruck hinterließ dabei zum Beispiel der Gree­nEffects-NAI-Werte (Isin IE 000 589 565 5). Der Fonds enthält einige Solar- und Wind­kraft­aktien, investiert aber auch in viele andere Branchen. Mit einer Finanztest-Bewertung von 50,8 Punkten ist er zurzeit nicht über­ragend, in seiner Kategorie aber immer noch zu empfehlen.

Neue-Energien-Fonds: Zwei Typen zur Wahl

Bei Neue-Energien-Fonds haben Anleger die Wahl zwischen gemanagten Fonds und solchen, die einem Index folgen (ETF). Einige aktiv gemanagte Fonds liefen in den vergangenen fünf Jahren besser als die Indizes. Vor allem der SAM Smart Energy Fund und der DWS Zukunfts­ressourcen konnten über­zeugen. Der SAM Smart Energy Fund schaffte als bester seiner Kategorie in den vergangenen fünf Jahren eine durch­schnitt­liche Rendite von 3,5 Prozent pro Jahr.

Gemanagte Fonds: Mehr Spielraum

Die Stärke von gut gemanagten Fonds liegt darin, dass sie den Branchen­begriff sehr weit fassen können. Einer­seits wird die Wert­entwick­lung stabiler, wenn große Konzerne wie General Electric, Siemens, Air Liquide oder Linde mit von der Partie sind. Anderer­seits bringt die Auswahl spezieller Unternehmen, die nicht im engeren Sinne zur Neue-Energien-Branche gehören, zusätzliche Rendite­chancen. So ist der deutsche Maschinenbauer Aixtron in vielen Umwelt­fonds, aber nicht in den Neue-Energien-Indizes vertreten. Das Unternehmen stellt Maschinen für die Produktion von Leucht­dioden her und profitiert vom welt­weiten Trend zu energiesparender Beleuchtung. Die Aktie hat ihren Wert in den vergangenen fünf Jahren etwa ­verzehnfacht.

Indexfonds: Gezielter investieren

Anleger, die sich mit Indexfonds (ETF) das Fonds­management sparen, können nicht auf solche Effekte hoffen. Dafür haben sie geringere jähr­liche Kosten und wissen besser, was sie kaufen. Die vier untersuchten Indizes und die dazu­gehörigen ETF bieten einen guten Quer­schnitt durch die Neue-Energien-Branche. Anleger können sich entscheiden, ob sie eher auf große oder kleine Unternehmen, mehr auf etablierte Märkte oder Schwellenländer setzen wollen.

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