Neue Ebay-Masche Betrug bei Bilderklau

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Neue Ebay-Masche - Betrug bei Bilderklau

Findige Ganoven haben eine neue Masche entwickelt, um billig an teure Handys zu kommen. Ihre Opfer sind Handy-Verkäufer bei Ebay, die aus Bequemlich­keit ein fremdes Bild verwenden. test.de erklärt die Masche und warnt.

Vertrags­schluss auch bei Auktions-Abbruch

So funk­tionierts: Die Ebay-Betrüger warten auf Angebote teurer Ware wie Handys, bei denen der Verkäufer ein Bild vom Hersteller oder aus sonst einer fremden Quelle verwendet. Das ist ein Verstoß gegen das Urhe­bergesetz. Der Betrüger bietet flugs den Mindest­preis von oft nur einem Euro. Ein Komplize wendet sich anschließend an den Verkäufer und weist ihn auf den Urheber­rechts­verstoß und die womöglich teuren Folgen hin. Wenn dann der Verkäufer erschreckt das Angebot stoppt, legt der Betrüger los und fordert die Lieferung des Handys für einen Euro. Mit auf den ersten Blick guten Gründen: Ein Ebay-Angebot ist von Anfang an verbindlich. Mit dem bei Abbruch der Auktion Höchst­bietenden kommt ein Kauf­vertrag zustande test.de erklärt die Rechtslage.

Urheber­rechts­verletzung bleibt so oder so

Besonders nieder­trächtig: Der Auktions­abbruch nutzt gar nichts. Ebay speichert die Auktion samt der Bilder so oder so für 90 Tage. Jeder, der sich mit dem Online-Auktions­haus genauer auskennt, kann sie weiterhin aufrufen. Wer also eine Urhebe­rechts­verletzung einmal begangen hat, sollte die Auktion auf gar keinen Fall beenden; das Risiko einer Abmahnung bleibt so oder so unver­ändert. „Da Bilder in bereits bebotenen Auktionen nicht mehr geändert werden können, ist uns derzeit kein Weg bekannt, wie man einen derartigen Fehler korrigieren kann“, berichtet Konstantin Wehr­hahn vom Ebay-Verbraucher­schutz­forum falle-internet.de.

Ab zum Anwalt

Drei Fälle inner­halb von nur drei Wochen sind jetzt auf dem Schreibtisch von Rechts­anwalt Ingo Driftmeyer aus Kiel gelandet. Es sei jeweils um Iphones und ähnliche teure Handys gegangen, berichtet der Jurist. Er hält die Masche für perfide: Fremde Bilder zu benutzen ist zwar rechts­widrig. Und wenn ein Verkäufer bei Ebay seine Auktion einfach beendet, dann kommt in vielen Fällen tatsäch­lich trotzdem ein Kauf­vertrag mit dem bis dahin Höchst­bietenden zustande. Doch wer den Abbruch einer Auktion provoziert, um von diesem Abbruch finanziell zu profitieren, handelt rechts­miss­bräuchlich, argumentiert der Anwalt. Er rät Betroffenen deshalb, sich gegen solche Forderungen zu verteidigen und einen Anwalt zu beauftragen, der sich mit Ebay-Auktionen auskennt. Bei Rechts­anwalt Driftmeyers drei Fällen war immer das gleiche Ebay-Mitglied Höchst­bietender und immer das gleiche Ebay-Mitglied hatte die Urheber­rechts­verletzung bean­standet.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 19.07.2013 um 11:52 Uhr
Vorsicht bei Verwendung fremder Fotos

@alle: Verbraucher können oft gar nicht erkennen, ob ein Foto urheberrechtlich geschützt ist oder nicht, da bei der Veröffentlichung im Netz kein Urheberrechtsvermerk angebracht werden muss. Im Artikel "Urheberrecht: Teuren Abmahn-Ärger vermeiden" finden Sie Tipps zum Umgang mit den Urhberrechten im Netz: www.test.de / Suche / Urheberrecht +Abmahn-Ärger. (maa)

Till_Wollheim am 18.07.2013 um 18:14 Uhr
Praktische Lösung für diesen Fall :-)

Man wendet die gleiche "Währung" an: ein Freund soll das Höchstgebot abgeben - zum Beispiel mit dem UVP und nach Auktionsende wird eine einvernehmliche Rückabwicklung durchgeführt. Daß eine Abmahnung wegen eine Firmenbildes kommt ist sehr unwahrscheinlich! Die haben gar kein Interesse potentielle Kunden zu verarschen!! Zudem müssen die erst mal beweisen daß das ihr Bild ist - ohne Wasserzeichen geht das nicht so leicht! Till

Till_Wollheim am 18.07.2013 um 18:09 Uhr
Man sollte sich nicht veräppeln lassen!

Ein reines Ablichten eines Gerätes hat keinerlei künstlerische, inhaltliche Tragweite und kann somit auch nicht unter den Schutz des Urheberrechtes fallen, zumal das Bild vom Auftraggeber nicht des Bildes wegen - also zB als Kunstwerk - angefertigt worden ist, sondern als bloßes Verkaufshilfsmittel. Ein Richter, der hier einen UrhG-Verstoß sieht begeht schlicht Rechtsbeugung! Till