Verbraucher von Kosmetik bekommen künftig mehr Infos über Nebenwirkungen von Cremes, Shampoos und ähnlichen Produkten. Eine neue Leitlinie der EU verpflichtet die Hersteller, umfassend auf Fragen ihrer Kunden zu antworten. So müssen sie nicht nur über Art und Menge der Inhaltsstoffe Auskunft geben. Sie müssen auch sagen, ob ihnen unerwünschte Nebenwirkungen wie Akne oder Juckreiz bekannt geworden sind.

Geschäftsgeheimnis wird nicht gelüftet

Allerdings: Die Menge müssen Hersteller nur von gefährlichen Stoffen offenlegen. Darunter fallen laut EU-Richtlinie Stoffe, die explosionsgefährlich, brandfördernd, leicht entzündlich, giftig, gesundheitsschädlich, ätzend oder reizend sind. Diese Einschränkung soll helfen, das Geschäftsgeheimnis und die Rechte am geistigen Eigentum zu wahren. Auf dem Produkt selbst stehen die Inhaltsstoffe in der Reihenfolge ihres Gewichtanteils. Die Zutat, von der am meisten hineingegeben wurde, kommt an erster Stelle.

Zentrales Verzeichnis aller Hersteller

Kunden können sich telefonisch, per E-Mail oder Post an ein Unternehmen wenden. Auf jeder Packung ist eine Kontaktadresse genannt. Außerdem gibt es ein Online-Verzeichnis aller Unternehmen, die in der EU Kosmetik auf den Markt bringen. Das Verzeichnis stammt von Colipa, dem Europäischen Dachverband der Hersteller von Parfümerie- und Körperpflegemittel.

Laut Colipa kann die Anfrage in jeder offiziellen EU-Sprache, also auch auf deutsch, gestellt werden. Das Unternehmen sollte innerhalb von drei Wochen in derselben Sprache antworten. Colipa rät, in der Anfrage möglichst viele Details über das Produkt zu nennen. So zum Beispiel:

  • Markenname
  • Produkttyp
  • Produktvariante
  • Farbe (falls zutreffend)
  • Verpackungsgröße
  • Chargen- oder Losnummer
  • Land, in dem es gekauft wurde

Leitlinie kein Gesetz

Die EU-Leitlinie ist zwar unverbindlich. Industrie und EU-Mitgliedstaaten haben aber zugesagt, die Vorgaben vollständig umzusetzen. Falls ein Hersteller gar nicht oder nicht ausreichend antwortet, können sich Verbraucher beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit oder beim Industrieverband Körperpflege und Waschmittel beschweren. Informationen zu einzelnen Produkten erhalten sie dort aber nicht.

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