Alle Jahre wieder treten neue Regeln in Kraft. So auch 2015. Eine der wichtigsten: Der gesetzliche Mindest­lohn kommt. Auch dieser Jahres­wechsel bringt wichtige Steuer­änderungen. Die Beitrags­bemessungs­grenzen der Sozial­versicherung steigen. Berufs­tätige dürfen mehr Geld steuerfrei in die geförderte Alters­vorsorge investieren. Weitere Neuerungen gibt es bei den Themen Gesundheit und Pflege, Verkehr, Soziales, Kommunikation und Technik. test.de hat alles für Sie zusammen­getragen.

Mindest­lohn – 8,50 Euro pro Stunde

„Die Höhe des Mindest­lohns beträgt ab dem 1. Januar 2015 brutto 8,50 Euro je Zeitstunde“, sagt das Mindest­lohn­gesetz gleich in Paragraf 1. So weit, so klar. Doch zahlreiche Einschränkungen stehen viel weiter unten im Gesetzes­text. Die meisten Praktikanten, Azubis, ehren­amtlichen Mitarbeiter und Lang­zeit­arbeits­losen müssen in den ersten sechs Monaten einer Beschäftigung keine 8,50 Euro erhalten, heißt es in Paragraf  22. Für Zeitungs­zusteller gibt es eine Sonder­regel: Im Jahr 2015 liegt ihr Mindest­lohn bei 6,38 Euro und im Jahr 2016 bei 7,23 Euro. Erst danach stehen ihnen wie allen anderen Arbeitnehmern mindestens 8,50 Euro zu. Noch bis Ende 2017 dürfen außerdem Stundenlöhne unter­halb dieses Betrags gezahlt werden – wenn das ein für die jeweilige Branche verbindlicher Tarif­vertrag vorsieht.

Steuer­änderungen – Neue Spiel­regeln beim Finanz­amt

Viele Steuerzahler müssen im Jahr 2015 mit Änderungen rechnen – einige davon bringen Vergüns­tigungen.

  • Berufs­tätige. Berufs­tätige dürfen mehr Geld steuerfrei in die geförderte Alters­vorsorge investieren. Infrage kommen zum Beispiel Direkt­versicherungen über den Arbeit­geber oder Rürup-Verträge.
  • Anleger. Ab Januar über­weisen Banken mit der Abgeltung­steuer und dem Solidaritäts­zuschlag auto­matisch die Kirchen­steuer an das Finanz­amt. Mit einem Wider­spruch beim Bundes­zentral­amt für Steuern können Anleger den Abzug verhindern. Dann müssen sie ihre Kirchen­steuer aber selbst über die Einkommensteuererklärung begleichen.
  • Eltern. Andere Änderungen hingen Mitte Dezember noch in der Luft. Nicht fest stand zum Beispiel, ob der neue steuerfreie Arbeit­geber­zuschuss für die Betreuung von Kindern kommt.

Tipp: Details zu den wichtigsten Steuer­änderungen lesen Sie im Special Steueränderungen 2015.

Sozial­versicherungen – Beitrags­bemessungs­grenzen steigen

Grenzen

Brutto­lohn 2014 (Euro)

Brutto­lohn 2015 (Euro)

Monat

Jahr

Monat

Jahr

Kranken- und Pflege­versicherung

Versicherungs­pflicht­grenze1

4 462,50

53 550

4 575

54 900

Beitrags­bemessungs­grenze

4 050

48 600

4 125

49 500

Renten- und Arbeits­losen­versicherung

Beitrags­bemessungs­grenze

West: 5 950

Ost:    5 000

West: 71 400

Ost:    60 000

West: 6 050

Ost:    5 200

West: 72 600

Ost:    62 400

    Quelle: Bundes­ministerium für Arbeit und Soziales.

    • 1 Ab dann Wechsel zur privaten Versicherung möglich.

    Wie aus der Tabelle ersicht­lich, steigen 2015 alle Einkommens­grenzen, bis zu denen Sozial­abgaben fällig sind. Das merken vor allem Gutverdiener

    Beispiel: Ein kinder­loser Arbeitnehmer aus den alten Bundes­ländern, der 6 100 Euro brutto im Monat verdient, bezahlte 2014 für alle Sozial­versicherungen 1 030,20 Euro im Monat. Im neuen Jahr sind es 1 060,25 Euro, sofern sein Krankenkassenbeitrag bei 15,5 Prozent bleibt.

    Gesetzliche Krankenkassen – Grund­legende Änderungen

    Denn auch bei den Krankenkassenbeiträgen stehen grund­legende Änderungen an: Für alle Krankenkassen sinkt zunächst der allgemeine Beitrags­satz auf 14,6 Prozent. Der Arbeit­geber trägt hier­von die Hälfte. Der versicherte Arbeitnehmer muss zusätzlich zu den verbleibenden 7,3 Prozent noch einen Zusatz­beitrag zahlen. Der fällt, je nach Kasse, unterschiedlich hoch aus. Das führt dazu, dass sich ab 2015 nicht nur die Leistungs-, sondern auch die Beitrags­seite der Krankenkassen (wieder) unterscheiden wird. Noch wichtiger werden deswegen im kommenden Jahr die Informationen im Produktfinder Gesetzliche Krankenkassen, in dem Sie immer aktuell Beiträge und Leistungen der Kassen vergleichen können. Weitere Änderungen bei der Sozial­versicherung: Die Gesundheitskarte wird ab 1. Januar Pflicht. Der Satz für die Pflege­versicherung steigt, für die Renten­versicherung sinkt er.

    Geld­anlage und Alters­vorsorge – Beiträge und Zinsen sinken

    Beitrag zur gesetzlichen Renten­versicherung, Garan­tiezins für Lebens­versicherungen und Haftungs­grenze für den Einlagensicherungs­fonds des Banken­verbandes sinken. Außerdem sollen Klein­anleger besser geschützt werden.
    Mehr zu den Änderungen im Bereich Geldanlage und Altersvorsorge

    Pflege – Zeit und Geld für Angehörige

    Ab Jahres­beginn gibt es mehr Leistungen aus der gesetzlichen Pflege­versicherung, vor allem im häuslichen Bereich. Auch die Rechts­lage für Arbeitnehmer, die Angehörige pflegen, ändert sich.
    Mehr zu den Änderungen im Bereich Pflege

    Auto und Verkehr – Neue Verbands­kästen und barrierefreies Bahnfahren

    Änderungen für Auto­fahrer beim Ab- und Ummelden eines Fahr­zeugs sowie beim Tüv und für mitgeführte Verbands­kästen. Bahn­kunden müssen sich auf neue Gebühren einstellen. Dafür sollen Menschen mit Behin­derungen barrierefrei Bahn fahren können.
    Mehr zu den Änderungen im Bereich Auto und Verkehr

    Was sich sonst noch ändert

    Eltern­geld Plus, Miet­preisbremse, Hartz-IV-Sätze – im sozialen Bereich gibt es einige Neuregelungen. Die Post erhöht mal wieder das Porto, dafür soll die Hand­ynut­zung in den EU-Ländern billiger werden. Außerdem müssen Händler nun auch im Internet Elektrogeräte wie Wasch­maschinen oder Staubsauger mit dem EU-Energielabel kenn­zeichnen. Und Rauchmelder werden in immer mehr Bundes­ländern Pflicht.
    Was sich sonst noch ändert – im Detail

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