Netz­werk­fest­platte Test

Persönlich. Mit der eigenen Wolke zuhause kontrolliert der Nutzer seine Daten selbst.

Fotos, Musik, Dokumente liegen zuhause auf der Fest­platte, der Nutzer greift von über­all darauf zu – dank Netz­werk­fest­platte am Router. Mit welchem Cloudspeicher klappt das am besten? Sind die Daten sicher? Zehn Geräte im Test.

Die Fotos aus dem Winter­urlaub, die Lieblings­lieder, Filme und Dokumente liegen an einem zentralen Ort – und der Besitzer der Daten kann dezentral auf sie zugreifen, von über­all. Ganz gleich ob am Rechner im Büro, auf dem Tablet im Wohn­zimmer, unterwegs auf dem Smartphone. Auf Wunsch kann er die Schnapp­schüsse von der Skipiste sogar mit den Urlaubs­bekannt­schaften teilen. Er könnte ein Word-Dokument auch gemein­sam mit einem Kollegen bearbeiten. „Cloud“ heißt das Zauber­wort, eng­lisch für Wolke.

Spezialisierte Dienste bieten solche Daten­wolken an: Dropbox zum Beispiel, OneDrive oder iCloud. Die Nutzer müssen allerdings mit dem Unbe­hagen leben, dass der Anbieter die persönlichen Daten einsehen kann (Test Online-Speicherdienste, 8/2013). Auch das Risiko eines Hacker­angriffs besteht. Buch­stäblich am eigenen Leib bekamen das viele Nutzer, darunter auch Promis wie Schauspiel­star Jennifer Lawrence, vorletztes Jahr beim iCloud-Hack zu spüren. Plötzlich fanden sie ihre privaten und zum Teil sogar intimen Fotos öffent­lich im Netz wieder.

Wer auf den Komfort der Daten­wolke dennoch nicht verzichten will, kann sie sich ins Wohn­zimmer holen – mit persönlichen Cloudspeichern. Das sind Fest­platten, die per Netz­werk­kabel mit dem Router verbunden werden. Sie stellen dann auch gewisse Cloud­funk­tionen bereit, erlauben zum Beispiel Daten zu teilen oder einen Zugriff außer­halb der eigenen vier Wände.

Vorteil: Weil die Daten zuhause lagern, muss der Nutzer sich um den Daten­schutz kaum Gedanken machen. Es gibt schlichtweg keinen Anbieter, der alles einsehen kann. Allerdings ist der Anwender selbst dafür verantwort­lich, die Fotos oder die elektronische Steuererklärung vor Daten­diebstahl zu schützen (Persönliche Cloud oder Clouddienst?). Zwar sind persönliche Cloudspeicher weniger interes­sant für Hacker, absichern sollten Nutzer ihre Daten aber dennoch.

Wir haben zehn persönliche Cloudspeicher untersucht – Geräte mit einer und mit zwei Fest­platten. Wie sicher sind sie? Lassen sie sich leicht bedienen? Wie schnell fließen die Daten? Wie viel Strom verbrauchen sie? Am Ende konnte die Hälfte der Geräte mit einer guten Leistung über­zeugen. Die anderen Netz­werk­speicher schneiden befriedigend und ausreichend ab. Für die Sicherheit ist der Nutzer aber bei allen Geräten selbst verantwort­lich.

Speichern und spiegeln

Die geprüften Geräte speichern knapp 2 bis 3 Terabyte Daten. Das entspricht zirka 2 000 bis 3 000 Gigabyte. Sie kosten zwischen 140 und 375 Euro Die Speicher mit einer Fest­platte kosten weniger als die mit zwei Platten. Der Vorteil dieser Variante: Der Nutzer kann seine Daten auf beiden Fest­platten „spiegeln“. So gehen sie nicht verloren, wenn eine der Fest­platten wegen eines Defekts ausfällt. Das Beste: Es passiert auto­matisch im Hintergrund. Bei allen Geräten ist dieser sogenannte Raid1-Verbund von vorn­herein akti­viert.

Synology einfach zu bedienen

Netz­werk­fest­platte Test

Zuhause. Der Speicher steht in Form einer Netz­werk­fest­platte im Wohn­zimmer.

Damit es mit der privaten Wolke klappt, sollte der Nutzer sich zutrauen, sie selbst einzurichten und zu pflegen (Anschließen, einrichten, absichern: So gehts) – für Laien eine Heraus­forderung. Im Test ließ sich kein Cloudspeicher gut hand­haben, auch weil Hilfen dürftig ausfallen. Am besten klappte das noch bei den Geräten von Synology. Der Installations­assistent führt den Nutzer nach­voll­zieh­bar durch die wichtigsten Schritte. Er findet eine gut strukturierte Bedien­oberfläche vor.

Anders bei Western Digital My Cloud Mirror. Das Zwei-Fest­platten-Gerät lässt den Nutzer nach der Installation allein. Der Installations­assistent schließt sich und der angehende Cloud­besitzer weiß nicht, in welchem Status sich das Gerät nun befindet. Beim kleinen Bruder My Cloud, dem Gerät mit einer Fest­platte von Western Digital, stimmt die Darstellung in der Schnellst­art­anleitung nicht mit der tatsäch­lichen Weboberfläche über­ein, die der Nutzer vorfindet.

Bevor es losgehen kann, müssen Käufer eines QNAP-Geräts zunächst die Fest­platten in das Gehäuse des Netz­werk­speichers stecken. Das ist kein Hexen­werk, für absolute Laien aber vielleicht abschre­ckend.

Bei der Daten­sicherheit aufpassen

Ist der Cloudspeicher einge­richtet, muss sich der Besitzer um die Sicher­heits­einstel­lungen selbst kümmern (Anschließen, einrichten, absichern: So gehts). Das geht am besten bei den Geräten von Western Digital. Sie verlangen ein starkes Pass­wort und bieten viele zusätzliche Sicher­heits­optionen an.

Problematisch ist die Daten­sicherheit bei Buffalo. Der Anwender sollte den Zugriff auf das Gerät mit einem Pass­wort schützen. Die Buffalo-Speicher verlangen das aber nicht zwingend. So kann der Nutzer die Pass­wort­spalte bei der Einrichtung auch leer lassen. Für den Zugriff von unterwegs muss der Weg von der Fest­platte zuhause zum Nutzer außer­halb sicher sein. Das gewähr­leistet die Trans­port­verschlüsselung „https“. Bei Buffalo muss der Nutzer sie erst noch selbst akti­vieren. Das gilt auch für die Geräte von Synology.

Wichtig für den Besitzer ist, alle wichtigen Sicher­heits­informationen einsehen zu können. Etwa, wie viele Zugriffe es von außen gegeben hat. Das funk­tioniert über „Logfiles“. Wie ein Tage­buch dokumentieren sie alle wesentlichen Ereig­nisse. Die Geräte von Buffalo verfügen über diese Option leider nicht. Alle anderen schon.

Daten schnell über­tragen

Will der Anwender große Daten­mengen vom Computer auf die Netz­werk­fest­platte schaufeln, klappt das mit allen geprüften Speichern schnell. Deshalb eignen sie sich neben der Cloud­funk­tion auch hervorragend als Sicherungs­lösung für den Daten­schatz eines Computers. Zum Teil bringen die Geräte dafür eigene Software mit. Es funk­tioniert auch mit einem vorhandenen Backup-Programm (Test Backup-Programme, test 11/2013). Anstatt der üblichen externen Fest­platte stellt der Nutzer dann die Netz­werk­fest­platte als Speicher­ort ein. Dann kann er die Dateisicherung wie gewohnt starten.

Mit Nacht­abschaltung Geld sparen

Käufer eines persönlichen Cloudspeichers sollten auch auf die Folge­kosten achten. Die wenigsten Strom­kosten im Jahr verursacht die Synology Disk­station DS215j mit etwa 12 Euro, deutlich teurer wirds mit der Seagate Personal Cloud 2-Bay mit 29 Euro jähr­lich. Um zu sparen, sollten die Besitzer die Nacht­abschaltung akti­vieren. Mit der Funk­tion können sie einstellen, wann sich das Gerät abschalten soll. Das geht bei fast allen Modellen. Ausnahmen sind die Geräte von Seagate und die jeweils güns­tigeren von Synology und Western Digital.

Positiv: Keiner der zehn Speicher verursachte im Test auffällig laute Geräusche.

Einige Apps spionieren

Eigentlich sollte das Thema Ausspähen bei persönlichen Cloudspeichern keine Rolle spielen. Nicht so bei Seagate und Western Digital. Sie spionieren die Besitzer ihrer Geräte über die Smartphone-App aus. Die iOS-App von Seagate verrät, wo der Nutzer sich gerade aufhält. Das funk­tioniert über die WLan-Ortung des Smartphones. Bei Western Digital funken die Apps den Daten­sammler Flurry an.

Wer sich wirk­lich keine Gedanken mehr um den Daten­schutz machen will, entscheidet sich also für den Cloudspeicher eines anderen Anbieters.

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