Blutfettsenkende Mittel können in Einzelfällen die Gedächtnisleistung ernsthaft stören. Das berichtet die Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft. Erst kürzlich wurden in den USA zwei derartige Fälle gemeldet.

Bei dem einen Fall handelte es sich um eine 67-jährige Frau mit Bluthochdruck und Diabetes (Zuckerkrankheit). Sie erhielt zur Senkung erhöhter Blutfettwerte zunächst 10 mg, dann 20 mg des Mittels Atorvastatin (Sortis) pro Tag. Etwa zwei Monate nach der Dosiserhöhung – die 10 mg waren von der Patientin gut vertragen worden – fielen der Familie eine deutliche Verschlechterung des Kurzzeitgedächtnisses sowie ein nachlassendes Interesse an Alltagsaktivitäten und sozialen Kontakten auf. Nachdem das blutfettsenkende Mittel abgesetzt worden war, verbesserte sich die Gedächtnisleistung und war einen Monat später wieder normal.

Im zweiten Fall erhielt eine 68-jährige Patientin mit Bluthochdruck zur Senkung erhöhter Blutfettwerte 10 mg Atorvastatin täglich. Neun Monate nach Beginn der Therapie bemerkte ihre Tochter eine Verschlechterung des Gedächtnisses. Die Patientin vergaß Verabredungen und führte ihr jahrelang geübtes Gymnastikprogramm nicht mehr durch, letzteres auch aus einem gewissen Gefühl der Muskelschwäche heraus. Atorvastatin wurde daraufhin abgesetzt, und drei Wochen später waren die Symptome verschwunden.

Im deutschen Erfassungssystem für unerwünschte Arzneimittelwirkungen sind elf Fälle von Gedächtnisstörungen durch Atorvastatin und vergleichbare blutfettsenkende Substanzen verzeichnet (Atorvastatin: 2, Cerivastatin: 3, Lovastatin: 4, Simvastatin: 3). Insgesamt beläuft sich die Zahl der Meldungen, die so genannte CSE-Hemmer betreffen, auf 6 800. Während in den amerikanischen Produktinformationen auf die Möglichkeit einer Gedächtnisstörung hingewiesen wird, fehlt in den deutschen Packungsinformationen dieser Hinweis.

Insgesamt handelt es sich zwar um eine sehr seltene Nebenwirkung, die sich beim Absetzen des Präparats nach dem derzeitigen Kenntnisstand wieder zurückbildet. Sie sollte dennoch beachtet werden, da es sich bei den CSE-Hemmern um häufig verordnete Mittel handelt und die Symptome leicht als „Alterserscheinung” oder gar als beginnende Alzheimerkrankheit fehlgedeutet werden können.

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