Viele Arbeitnehmer bessern mit einem Neben­job ihr Konto auf. Finanztest zeigt, wie unterm Strich mehr übrig bleibt.

Neben­verdienst Meldung

Seine Stimme ist für Arne Sprung Geld wert. Er spricht im Haupt­beruf die Nach­richten bei einem Brandenburger Radio­sender und spielt im Neben­beruf in Fernsehfilmen.

Als sich die Gelegenheit bot, griff Arne Sprung im vergangenen Jahr sofort zu. „Ein Freund sprach mich an, ob ich Lust habe, in einem Fernsehfilm die Nach­richten im Radio zu sprechen.“ Das klappte dann so gut, dass der 35-Jährige für weitere Aufträge gebucht wurde und sich damit noch mehr Geld zu seinem Fest­gehalt als Nach­richten­redak­teur dazu­verdienen konnte.

Für die erbrachte Leistung schrieb er Rechnungen an den Auftrag­geber, der ihm den vereinbarten Betrag über­wies. Im Gegen­satz zur monatlichen Abrechnung über die Lohn­steuerkarte musste er die Extra­einnahmen aus selbst­ständiger Tätig­keit erst später mit der Einkommensteuer erklären. Einkünfte, die über 410 Euro im Jahr liegen, müssen angegeben werden.

Keine Hilfe vom Lohn­steuer­hilfe­ver­ein

Bei seiner Steuererklärung half Arne Sprung bis 2009 noch der Lohn­steuer­hilfe­ver­ein. Er berät seine Mitglieder gegen Gebühr zum Thema Steuern, solange sie Einkünfte aus nicht­selbst­ständiger Arbeit oder regel­mäßigen Einnahmen haben. Dazu zählen neben dem Arbeitnehmer­einkommen auch Rente und Unterhalt. „Mit 640 Euro lagen die Einkünfte der Neben­jobs am Jahres­ende über der Frei­grenze, sodass der Verein mir nicht mehr helfen konnte“, sagt Sprung.

Ein Steuerberater kam für den Redak­teur nicht infrage. Er versucht es wie auch Hannes Vogel – im Neben­beruf Yoga­lehrer – selbst. „Mich reizt es, das zu verstehen, und so auch in dieser Hinsicht ‚selbst­ständig‘ zu sein“, sagt Hannes Vogel. Um sein Gehalt von rund 900 Euro im Monat als Rechts­referendar beim Land Berlin aufzubessern, unter­richtet er noch Studenten beim Hoch­schul­sport der Berliner Universitäten.

Selbst­ständig nebenbei

Für eine selbst­ständig ausgeübte Neben­tätig­keit gelten die gleichen Regeln wie bei der haupt­beruflichen Selbst­ständig­keit. Der Gewinn muss ermittelt und in der Steuererklärung angegeben werden. Freiberufler bieten meist Dienst­leistungen an. Typische Berufe sind Schrift­steller, Journalist, Lehrer, Ingenieur und Künstler. Aber auch Ärzte, Architekten und Rechts­anwälte zählen dazu.

Eine weitere Gruppe, die selbst­ständig arbeitet, sind Gewer­betreibende wie etwa Hand­werker oder Vermittler. Sie müssen ein Gewerbe anmelden, Gewerbe­steuern zahlen und im Handels­register stehen.

Zu welcher Gruppe der Selbst­ständige gehört, klärt er bei seinem ersten Besuch im wohn­ortnahen Finanz­amt. Hier lässt er sich auch steuerlich registrieren, indem er den „Fragebogen zur steuerlichen Erfassung“ ausfüllt und dann eine neue Steuer­nummer bekommt. Die Nummer muss auf jeder Rechnung mitangegeben werden.

Sie sollte nicht mit der neuen Steueridentifikations­nummer verwechselt werden, die die Finanzbehörden vor etwa zwei Jahren verschickt haben.

Die Gewinn­er­mitt­lung

Selbst­ständige wie Arne Sprung mit Einnahmen unter 17 500 Euro können auf eine aufwendige Buch­führung verzichten. Inder Steuererklärung stellt er Betriebs­einnahmen und -ausgaben formlos auf einem Extrablatt gegen­über und zieht für den Gewinn die Ausgaben von den Einnahmen ab und trägt ihn in die Anlage S, Zeile 4, in der Steuererklärung ein. Quittungen dafür sammelt er das Jahr über und bewahrt sie mindestens zehn Jahre auf. Die Behörde verlangt bei der Steuererklärung zwar nicht den Nach­weis der Ausgaben. Wird Sprung aber über­prüft, muss er die Belege vorlegen.

Für Einnahmen über 17 500 Euro müssen Selbst­ständige aber das Formular Anlage EÜR ausfüllen.

Steuerfrei mit Frei­grenzen

Neben­verdienst Meldung

Hannes Vogel verbindet im Neben­job das Angenehme mit dem Nützlichen. Als Yoga­lehrer hält sich der Rechts­referendar fit und verdient auch noch was für seinen Lebens­unterhalt dazu.

Die Mühe, einzelne Betriebs­ausgaben aufzulisten, muss sich Hannes Vogel nicht machen: Für seinen Job als Yoga­lehrer hat er Anspruch auf die Übungs­leiterpauschale. Einkünfte bis zu 2 100 Euro im Jahr kassiert der 30-Jährige steuerfrei. Von höheren Einnahmen müsste er die Pauschale abziehen und den Rest in die Anlage S zur Steuererklärung eintragen. Die Pauschale steht allen zu, die nebenbei etwa als Ausbilder, Trainer oder Pfleger für eine gemeinnützige oder mild­tätige Institution arbeiten.

Freiberufler wie Journalisten, Wissenschaftler oder Schrift­steller bekommen eine andere Pauschale: Sie können 25 Prozent ihrer Betriebs­einnahmen – bis zu 614 Euro im Jahr – als Betriebs­ausgaben abziehen.

Betriebs­ausgaben absetzen

Sind die Betriebs­ausgaben höher als die jeweilige Pauschale, lohnt es, alles einzeln abzu­rechnen. Betriebs­ausgaben sind zum Beispiel Kosten für Geschäfts­fahrten, Bewirtungen und auch Arbeits­mittel. Seit 2010 gelten neue Abschreibungs­regeln:

  • Für Wirt­schafts­güter bis 150 Euro ohne Umsatz­steuer setzen Selbst­ständige die Ausgaben sofort ab.
  • Für Wirt­schafts­güter mit Anschaffungs­kosten zwischen 150 und 1 000 Euro gibt es zwei Möglich­keiten: Entweder werden die Posten in einem Abschreibepool gesammelt und über fünf Jahre zu 20 Prozent pro Jahr abge­schrieben oder die Anschaffungs­kosten bis 410 Euro sofort abge­schreiben. Für die Güter zwischen 410 und 1 000 Euro gilt dann die Abschreibung für Abnut­zung (AfA). Das heißt, die Güter werden nicht sofort, sondern über die Nutzungs­dauer verteilt abge­schrieben.
  • Liegen die Kosten über 1  000 Euro, werden sie in der Regel auch über die Nutzungs­dauer der Geräte abge­setzt. Arne Sprung hat sich, um auch zuhause Texte einzusprechen und zu bearbeiten, im Januar für 2 500 Euro einen Computer gekauft. Dafür kann er nun drei Jahre lang jeweils eine lineare Abnut­zungs­rate von 833 Euro absetzen (2 500 Euro : 3 Jahre).

Wäre der Preis für das Arbeits­mittel höher und der Zeitraum der Abnut­zung länger, wie etwa bei einer Büro­einrichtung für 6 500 Euro mit 13 Jahren Nutzungs­dauer, könnte er statt linear jähr­lich 500 Euro auch degressiv, also in fallenden Jahres­raten abschreiben: jeweils 25 Prozent des Preises beziehungs­weise Rest­werts, maximal das Zwei­einhalb­fache der linearen Rate. Im ersten Jahr wären das dann 1  250 Euro (Zwei­einhalb­fache des linearen Satzes), im zweiten Jahr 1  250 Euro (25 Prozent von 5 250 Euro Rest­buch­wert, höchs­tens 1  250 Euro) und im dritten Jahr 1  000 Euro (25 Prozent von 4 000 Euro Rest­buch­wert). Sobald es güns­tiger ist, kann er auf lineare Raten umsteigen.

Wenn es sich nicht lohnt

Besonders zu Beginn sind die Investitionen für die Neben­tätig­keit oft höher als die Einnahmen. Die Erfahrung musste auch Hannes Vogel machen, der in der ersten Zeit seines Unterrichts nur Kurse an einem privaten Yoga-Institut anbot. „Die Miet­preise waren recht hoch, die Zahl der Teilnehmer nied­rig“, sagt er. So machte er erst einmal Verluste.

Doch in so einem Fall verrechnet das Finanz­amt die Verluste mit anderen Einkünften, etwa aus nicht­selbst­ständiger Arbeit, sodass die gesamte Steuerlast sinkt. Passiert das zu oft, kann das Amt Lieb­haberei unterstellen und die Erspar­nisse zurück­fordern.

Hohe Investitionen günstig

Selbst­ständige im Neben­job mit Einnahme­nüberschuss­rechnung können für hohe Investitionen zusätzlich zur Abschreibung noch eine Sonder­abschreibung von 20 Prozent vom Preis sofort oder über fünf Jahre absetzen. Das sind für die 6 500 Euro teure Büro­einrichtung aus dem Beispiel bis zu 1 300 Euro im ersten Jahr.

Um die Steuerlast nied­rig zu halten, gibt es noch die Möglich­keit des Investitions­abzugs­betrags: Plant etwa ein Informatiker für seinen Neben­job in den nächsten drei Jahren den Kauf eines Dienst­wagens, kann er 40 Prozent der Kosten vorab steuer­mindernd geltend machen. Investiert er nicht wie geplant, verlangt das Finanz­amt Steuer­nach­zahlungen und Zinsen.

Oben­drauf die Umsatz­steuer

Auch wenn Umsätze unter 17 500 Euro nicht umsatz­steuer­pflichtig sind, kann es sich lohnen, freiwil­lig Umsatz­steuer zu verlangen: Unser Informatiker schreibt eine Rechnung von 2 000 Euro plus 380 Euro (19 Prozent) Umsatz­steuer. Gleich­zeitig kauft er für 1  190 Euro einen Computerflach­bild­schirm. Ist er umsatz­steuer­pflichtig, darf er die gezahlte Mehr­wert­steuer (190 Euro) als Vorsteuer von den 380 Euro abziehen. Er muss nur 190 Euro der Umsatz­steuer an das Finanz­amt weiterleiten.

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