Nebenverdienst Meldung

Nebenjob als Dozentin: Sonja Schmitt

Viele Arbeitnehmer nutzen die Chance, als Selbstständige etwas dazuzuverdienen. Oft müssen sie für Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit keine oder kaum Steuern zahlen. Verluste können die Einkommensteuer mindern. Finanztest erklärt, was die Steuererklärung zur Nebentätigkeit bringen kann.

Chance auf mehr

Als Sonja Schmitt das Angebot für einen Lehrauftrag für PR und Kommunikation an der Universität Göttingen erhielt, griff sie zu. Im Hauptberuf arbeitet die gelernte Journalistin als Abteilungsleiterin in einer Berliner PR-Agentur. Für den Nebenjob hat sie die Zugfahrten nach Niedersachsen gern in Kauf genommen. Wie Sonja Schmitt nutzen viele Arbeitnehmer die Chance, selbstständig etwas dazuzuverdienen: Nach Angaben der Kreditanstalt für Wiederaufbau haben sich ­allein im Jahr 2006 rund 645 000 Personen im Nebenerwerb selbstständig gemacht.

Steuerersparnis bei Verlusten

Viele nebenbei Selbstständige müssen für ihre Einnahmen keine oder kaum Steuern zahlen. Das macht den Nebenverdienst besonders lukrativ. Manch einer spart sogar Steuern: Gerade zu Beginn sind die Investitionen für die Nebentätigkeit oft höher als die Einnahmen. Die Verluste verrechnet das Finanzamt mit anderen Einkünften, etwa aus nichtselbstständiger Tätigkeit, sodass die Steuerlast sinkt. Passiert das aber zu oft, kann das Finanzamt Liebhaberei unterstellen und die Ersparnisse zurückfordern.

Meldung ans Finanzamt

Selbstständige im Nebenjob müssen dem Finanzamt ihre Einnahmen selbst mitteilen. Neben der Einkommensteuer kann für sie die Umsatzsteuer wichtig sein. Von der Gewerbesteuer sind Arbeitnehmer, die freiberuflich dazuverdienen und etwa als Nachhilfelehrer, Musiker oder wie Sonja Schmitt als Dozentin arbeiten, befreit. Je nach Gewinn kann die Steuer aber für Händler oder Gastwirte fällig werden.

Steuerfrei durch Freigrenze

Einkommensteuer müssen nebenberuflich Selbstständige für Nebeneinkünfte zahlen, sobald diese über 410 Euro im Jahr liegen. Zu den Nebeneinkünften zählen neben den Einkünften aus selbstständiger Arbeit etwa auch Miet- und Kapitaleinkünfte. Ihre Einkünfte aus selbstständiger Tätigkeit ermitteln viele Freiberufler und Inhaber kleiner Gewerbebetriebe ganz einfach: Sie stellen Betriebseinnahmen und -ausgaben gegenüber und ziehen die Ausgaben von den Einnahmen ab. Bei Einnahmen bis 17 500 Euro im Jahr genügt dem Finanzamt eine formlose Gegenüberstellung auf einem Extrablatt. Bei höheren Einnahmen müssen Selbstständige die Anlage EÜR zur Steuererklärung ausfüllen.

Pauschale für Übungsleiter

Sonja Schmitt kann sich die Mühe sparen: Für ihren Dozentenjob hat sie Anspruch auf die Übungsleiterpauschale, die rückwirkend zum 1. Januar 2007 von 1 848 auf 2 100 Euro erhöht werden soll. Dank der Pauschale kassiert die Berlinerin bis zu 2 100 Euro im Jahr steuerfrei. Von höheren Einnahmen müsste sie die Pauschale abziehen und den Rest in die Anlage GSE zur Steuererklärung eintragen. Die Pauschale steht allen zu, die nebenbei etwa als Ausbilder, Trainer oder Pfleger für eine gemeinnützige oder mildtätige Institution arbeiten. Freiberufler, die zum Beispiel als Journalist, Wissenschaftler oder Schriftsteller ­dazuverdienen, bekommen eine andere Pauschale: Sie können 25 Prozent ihrer ­Betriebseinnahmen – bis zu 614 Euro im Jahr – als Betriebsausgaben abziehen.

Änderungen bei Betriebsausgaben

Sind die Betriebsausgaben höher als die ­jeweilige Pauschale, lohnt es sich aber, alles einzeln abzurechnen und zu belegen. ­Betriebsausgaben sind zum Beispiel Bewirtungs-, Fahrt- und Telefonkosten. Ausgaben für ein häusliches Arbeitszimmer können Selbstständige im Nebenjob jedoch nicht mehr absetzen, wenn sie wie Sonja Schmitt im Hauptjob nicht zuhause arbeiten: Das Finanzamt erkennt die Kosten für ein Arbeitszimmer seit diesem Jahr nur noch an, wenn der Raum Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit ist. Doch auch jemand, der kein Arbeitszimmer hat, kann Ausgaben für Arbeitsmittel wie Computer, Kopierer oder Telefonanlage geltend machen, die er für die Heimarbeit benötigt. Hier gelten ab 2008 neue Abschreibungsregeln:

  • Geringwertige Wirtschaftsgüter: Derzeit erkennt das Finanzamt die Kosten ­etwa für einen Kopierer im Anschaffungsjahr komplett an, wenn er bis 410 Euro ­ohne Umsatzsteuer kostet. Ab 2008 sinkt die Grenze für Selbstständige auf 150 ­Euro. Kosten Kopierer, Regal und Telefon jeweils zwischen 150 und 1 000 Euro, wandern sie in einen Abschreibungspool. Die Summe der Kosten wird über fünf Jahre verteilt gleichmäßig abgeschrieben.
  • Degressive Abschreibung: Künftig ist es nicht mehr möglich, im Anschaffungsjahr einen höheren Teil der Kosten abzusetzen als in den Folgejahren. Die Kosten werden gleichmäßig verteilt über die Nutzungsdauer der Geräte abgeschrieben.
  • Investitionsabzugsbetrag: Die bisherige Ansparabschreibung wird durch einen Investitionsabzugsbetrag ersetzt: Plant etwa ein Informatiker für seinen Nebenjob in den nächsten drei Jahren den Kauf eines Dienstwagens, kann er 40 Prozent der ­Kosten vorab steuermindernd geltend ­machen. Möglich ist dies für neue und für gebrauchte Güter. Investiert der Mann nicht wie geplant, verlangt das Finanzamt Steuernachzahlungen und Zinsen.

Umsatzsteuer im Einzelfall prüfen

Ob Selbstständige im Nebenjob Umsatzsteuer zahlen müssen, hängt von der Höhe ihres Umsatzes ab. Wenn jemand wie Sonja Schmitt mit einer Nebentätigkeit hochgerechnet auf ein Jahr keine 17 500 Euro Umsatz erzielt, ist er von der Umsatzsteuer befreit. Dann darf er die Steuer nicht beim Auftraggeber kassieren und muss sie nicht an das Finanzamt überweisen. Gerade bei hohen Investitionen kann es sich jedoch lohnen, freiwillig Umsatzsteuer zu kassieren und weiterzuleiten: Unser Informatiker schreibt eine Rechnung von 2 000 Euro plus 380 Euro (19 Prozent) Umsatzsteuer. Gleichzeitig kauft er für 1 190 Euro einen Computer. Ist er umsatzsteuerpflichtig, darf er die für den Rechner gezahlte Mehrwertsteuer (190 Euro) als Vorsteuer von den 380 Euro abziehen. Er muss nur 190 Euro der Umsatzsteuer seines Kunden weiterleiten. Dafür hat sich der zusätzliche Aufwand schon gelohnt.

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