Neben­job und Studien­kosten

Neben­job und Studien­kosten: Steuertipps für Studenten

19.06.2012

Mit Lohn­steuerkarte und Steuererklärung können sich viele Studenten Geld zurück­holen. Der Aufwand ist nicht allzu groß.

Inhalt
  1. Überblick
  2. Neben­job und Studien­kosten
  3. Unser Rat
  4. Artikel als PDF (2 Seiten)
Neben­job und Studien­kosten - Steuertipps für Studenten
Alexander (24) jobbt neben dem Studium in einer Kanzlei und an der Uni. Die 240 Euro Lohn­steuer für 2011 holt er sich zurück.

Die magische Zahl heißt 9 040 Euro. So viel können Studenten inner­halb eines Jahres mindestens verdienen, ohne Steuern zahlen zu müssen. Arbeit­geber ziehen zwar auch für kleine Löhne oft Steuern ab, doch die können sich die Studenten zurück­holen. Sie müssen dafür nur auf Lohn­steuerkarte arbeiten und im nächsten Jahr eine Steuererklärung abgeben.

Die Rechnung ist einfach: Ein Student hat wie jeder andere pro Jahr einen Grund­frei­betrag von 8 004 Euro. Macht er am Ende des Jahres eine Steuererklärung und nutzt so die Werbungs­kostenpauschale von 1 000 Euro und den Sonder­ausgabenpausch­betrag von 36 Euro, kommt er auf einen Steuerfrei­betrag von insgesamt 9 040 Euro im Jahr. Das entspricht einem Gehalt von 753 Euro pro Monat.

Laut aktueller Sozial­erhebung des Deutschen Studenten­werks arbeiten gut 65 Prozent aller Studenten. Der Neben­job ist – nach dem Unterhalt von den Eltern – die zweitwichtigste Einnahme­quelle.

Auch Alexander, Jura-Student im achten Semester an der Freien Universität Berlin, arbeitet neben dem Studium. Mitt­lerweile hat er sogar zwei Jobs: Seit 2009 arbeitet er als Aushilfe in einer Rechts­anwalts­kanzlei und seit Mai 2011 ist er als studentische Hilfs­kraft an seiner Fakultät angestellt.

Mit oder ohne Lohn­steuerkarte

In der Kanzlei arbeitet Alexander auf 400-Euro-Basis. Er hat dort einen eigenen Arbeits­platz und kann seine Stunden ziemlich frei einteilen. Einen Tag pro Woche ist er immer da. „Ich mache Botengänge und arbeite an einzelnen Fällen mit“ , erzählt der 24-Jährige.

Alexander arbeitet in der Kanzlei auf Lohn­steuerkarte, obwohl die Karte für einen 400-Euro-Job nicht notwendig ist. Denn für solche Jobs muss nur der Arbeit­geber Steuern zahlen, nicht der Arbeitnehmer. Die Kanzlei könnte auch auf die Karte verzichten und Alexanders Lohn pauschal mit 2 Prozent versteuern.

Eine Steuererklärung war für Alexander bislang über­flüssig, da er keine Steuern gezahlt hat. Durch seinen zweiten Job als studentische Hilfs­kraft hat sich das geändert.

Zwei Jobs und Ferien­jobs

Jeder Arbeitnehmer, der auf Steuerkarte arbeitet und einen weiteren Job annimmt, braucht eine zweite Steuerkarte und wird beim zweiten Job nach Steuerklasse VI besteuert. Eine Ausnahme gilt nur, wenn der Verdienst aus beiden Jobs zusammen nicht mehr als 400 Euro ergibt.

Alexander zahlt für seinen zweiten Job Lohn­steuer. Von seinen verdienten 220 Euro führt die Uni jeden Monat rund 30 Euro an das Finanz­amt ab. Geld, das Alexander am Ende des Jahres mit seiner Steuererklärung zurück­holen will: „Für die Monate von Mai bis Dezember 2011 schuldet mir der Staat insgesamt noch etwa 240 Euro.“

Da Alexander im Jahr 2011 mit seinem Verdienst unter dem Steuerfrei­betrag bleibt, wird er die Lohn­steuer­abzüge komplett erstattet bekommen.

Viele Studenten arbeiten in den Semester­ferien, weil sie da in kurzer Zeit viel Geld verdienen können. Für kurz­fristige Jobs ist eine Lohn­steuerkarte nicht Pflicht – aber sie lohnt sich.

Als kurz­fristig gilt eine Beschäftigung, wenn sie auf maximal zwei Monate oder 50 Tage befristet ist. Der Arbeit­geber kann den Lohn über die Steuerkarte abrechnen oder pauschal mit 25 Prozent besteuern, wenn der Student nicht mehr als 18 Tage am Stück arbeitet, einen Stunden­lohn von maximal 12 Euro im Durch­schnitt und im Tages­schnitt nicht mehr als 62 Euro verdient.

Für einen Angestellten, der ein festes Haupt­einkommen hat, kann sich eine pauschale Besteuerung lohnen – für einen Studenten lohnt sie fast nie.

Ein Beispiel: Verdient ein Student bei einem Ferien­job 1  100 Euro, zahlt der Arbeit­geber pauschal 275 Euro Lohn­steuer an das Finanz­amt. Die Steuer kann sich der Student nicht zurück­holen. Das geht nur, wenn er auf Steuerkarte arbeitet und eine Steuererklärung macht.

Ersatz­bescheinigung statt Steuerkarte

Studenten, die in diesem Sommer erst­mals einen Job antreten und eine Lohn­steuerkarte brauchen, bekommen statt der alten Papierkarte eine Ersatz­bescheinigung beim zuständigen Finanz­amt.

Die Papierkarte hat ausgedient. Sie wurde zuletzt für 2010 ausgegeben, weil die Finanz­ämter auf den elektronischen Lohn­steuer­abzug umstellen. Da sich die Umstellung verzögert, gibt es die Ersatz­bescheinigung. Studenten geben das Papier beim Arbeit­geber ab. Fertig.

Auch die Steuererklärung ist für Studenten keine große Sache. Sie müssen meist nur den Mantelbogen und die Anlage N ausfüllen.

Studien­kosten abrechnen

Eine Steuererklärung kann sich auch für Studenten lohnen, die nicht arbeiten. Denn viele können über die Jahres­abrechnung ihre Kosten fürs Studium geltend machen, die das Finanz­amt noch Jahre später mit Einnahmen verrechnet.

Möglich ist das für Studenten, die bereits eine Erst­ausbildung absol­viert haben. Dazu zählen zum Beispiel alle, die bereits einen Bachelor oder eine Berufs­ausbildung abge­schlossen haben. Sie können Kosten für Arbeits­mittel, Computer und Fach­literatur, Studien­gebühren, Semesterbeiträge, Kosten für ein Auslands­semester sowie die Fahrt­kosten zur Uni beim Finanz­amt als Werbungs­kosten angeben. Schon in einem Jahr können einige tausend Euro Kosten zusammen­kommen.

Wichtig ist, dass Studenten sämtliche Belege über ihre Ausgaben aufbewahren.

Sind alle Kosten in der Anlage N oder auf einem Extrablatt aufgelistet, setzen sie im Mantelbogen der Steuererklärung einen Haken bei „Erklärung zur Fest­stellung des verbleibenden Verlust­vortrags“. Das Finanz­amt prüft, ob es Einnahmen zum Verrechnen gibt, und speichert für die Ausgaben oder den Rest davon einen Verlust­vortrag. Der Verlust­vortrag kann über Jahre mitgeschleppt werden und zahlt sich aus, wenn der Student erst­mals ein steuer­pflichtiges Einkommen hat.

Studenten im Zweitstudium im Vorteil

Von dieser Regelung profitieren aber nur Studenten, die bereits eine erste berufs­qualifizierende Ausbildung gemacht haben. Wer dagegen direkt nach dem Abitur studiert und noch in den ersten Semestern ist, kann Kosten fürs Studium nicht als Werbungs­kosten absetzen.

Der Gesetz­geber rechnet die erste Berufs­ausbildung zur privaten Lebens­führung und lässt Studien­kosten im Erst­studium nur als Sonder­ausgaben zu. Das bringt den meisten wenig, da Sonder­kosten nur im aktuellen Steuer­jahr berück­sichtigt werden und nur dann ins Gewicht fallen, wenn die Studenten bereits ein steuer­pflichtiges Einkommen haben.

Anhängige Verfahren

Ein BWL-Student und ein Pilot haben Klage erhoben. Sie wollen durch­setzen, dass auch für Studenten im Erst­studium Studien­kosten als Werbungs­kosten zählen. In beiden Fällen muss der Bundes­finanzhof entscheiden (Az. VI R 2/12 und Az. VI R 8/12).

Auch Alexander ist noch in der ersten Ausbildung. Im Oktober 2013 will er das erste Staats­examen machen. Damit schließt er seine erste Ausbildung ab und kann danach seine Studien­kosten für die Zeit bis zum zweiten Staats­examen als Werbungs­kosten angeben.

19.06.2012
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