Navigations­geräte Test

Papier oder Navi. Karten müssen aktuell sein, damit Fahrer sicher ans Ziel kommen.

Papier oder Navi. Karten müssen aktuell sein, damit Fahrer sicher ans Ziel kommen.

Mehr für weniger Geld – die neuen Navis machens möglich. Das Novum: kostenlose, lebens­lange Karten­updates. Bestnoten holen sich preis­werte Modelle ab 130 Euro.

Das waren noch Zeiten. Mit der Land­karte auf dem Schoß servierte der Beifahrer die Fahrt­richtung auf dem Silber­tablett. À la carte sozu­sagen. Seit etwa 15 Jahren kredenzen Navigations­geräte sie digital. Damals wie heute: Veraltete Karten schi­cken Auto­fahrer in die Irre.

Wer mit aktuellen Karten unterwegs sein will, musste bisher zusätzlich zum Navi viel Geld ausgeben. Eine einmalige Karten­aktualisierung kostete je nach Anbieter bis zu 70 Euro. Das ist nun vorbei – zumindest für diejenigen, die sich eines der Navigations­geräte aus dem Test kaufen. Sie alle werden mit kostenloser Karten­aktualisierung angeboten. Die gibt es mehr­mals im Jahr zum Herunter­laden im Internet – solange das Gerät lebt oder der Anbieter Updates dafür bereit­stellt. Die Besitzer können ihre Navis jetzt deutlich länger nutzen als früher – ohne Abstriche und Zusatz­kosten.

Bei den zwölf Navis im Test handelt es sich um Modelle mit unterschiedlichen Bild­schirm­diagonalen der vier Marken Becker, Falk, Garmin und Tomtom. Die besten Guten gibt es ab 134 Euro. Im Vergleich zum Vorgängertest test 2/2013 sind die Geräte kaum teurer geworden – trotz der kostenlosen Karten­aktualisierung.

Neues Tomtom-Design irritiert Fahrer

Navigations­geräte Test

Altes Design (links). Auch mit flüchtigem Blick aufs Navi ist die rote Route bei Tomtoms „Start“-Modellen gut zu sehen.
Neues Design (rechts). Die blass­blaue Route auf grauer Straße sorgt für wenig Orientierung bei Tomtoms „Go“-Modellen.

Altes Design (links). Auch mit flüchtigem Blick aufs Navi ist die rote Route bei Tomtoms „Start“-Modellen gut zu sehen.
Neues Design (rechts). Die blass­blaue Route auf grauer Straße sorgt für wenig Orientierung bei Tomtoms „Go“-Modellen.

Gleich zwei güns­tige Navis von Tomtom machen im Test das Rennen. Mit präzisen Fahr­empfehlungen und einer einfachen Routenführung navigieren das Start 20 M und 25 M ihre Besitzer. Komfortabel sind sie oben­drein. Beide lassen sich sehr leicht bedienen. Mit 134 und 151 Euro sind sie eine echte Kauf­empfehlung.

Auch deshalb, weil ihre Karten im bewährten Tomtom-Design erscheinen. Die rote Routenführung ist gut zu erkennen. Anders bei den aktuellen Modellen Go 400, 5 000 und 6 000. Sie bieten eine modernere, aber keine sehr über­sicht­liche Navigations­anzeige. Häuser, Menüführung und sogar die Route hat der nieder­ländische Navianbieter hell­blau gestaltet. Ein kurzer Blick aufs Display reicht kaum noch, um den Fahrt­verlauf zu erfassen.

Ausfahrt kommt über­raschend

Für einen Adrenalin­stoß dann und wann sorgen Tomtoms Go-Modelle mit dem ange­zeigten Karten­ausschnitt. Er ist so stark vergrößert, dass der Über­blick oft leidet. Auf der Auto­bahn kommt die Ausfahrt dann über­raschend, was voraus­schauendes Fahren erschwert. Vorteile hat die Go-Serie aber auch: eine vereinfachte Menüführung und sehr helle, hoch­wertige kapazitive Displays. Die reagieren auf Berührung ähnlich schnell wie Smartphones.

Schnell erfahren, Stau umfahren

Go 5 000 und 6 000 von Tomtom punkten zudem mit einem integrierten Live-Dienst zur Stau­umfahrung. Übers Hand­ymobil­funk­netz werden aktuelle Verkehrs­informationen an diese Navis über­mittelt, die sie in die Routenplanung einbeziehen – ohne Mehr­kosten. Auch die Garmin-Modelle und das Tomtom Go 400 bieten einen Live-Dienst, allerdings ist die Mobil­funk­technik bei ihnen nicht einge­baut. Ein Smartphone muss die Infos via Bluetooth über­mitteln. Garmin kassiert für den Dienst extra.

Sprach­erkennung nicht mehr Usus

Bei anderen Funk­tionen schalten die Anbieter einen Gang runter. So haben Becker, Falk und Tomtom die Sprach­erkennung bei den neuen Navis abge­schafft. Sie reagieren nicht auf mündliche Befehle. Der Fahrer muss wieder den Zeigefinger zücken und das Fahrt­ziel per Hand eintippen. Auf eine Frei­sprech­einrichtung für mobile Telefone verzichten Falk, Tomtom und das Ready 70 von Becker. Musik, Videos, DVB-T-Empfang zum Fernsehen übers Navi – keines der Geräte im Test erlaubt das noch. Bergab geht es auch mit der Akku­lauf­zeit. Ohne Energie über den Ziga­retten­anzünder halten einige Navis nur noch eineinhalb Stunden durch.

Karten-Updates geprüft

Versöhnlich stimmen nach diesem Abspeck­programm die kostenlosen, lebens­langen Karten­updates. Wie einfach sich die Karten aktualisieren lassen, haben wir ebenfalls untersucht. Das konnten wir mit älteren Navis aus Vortests prüfen, denn für ihre Karten gab es bereits Updates. Die kosteten zum Teil noch Geld, sie basieren aber auf derselben Software wie die neuen Karten zum Null­tarif. Geprüft haben wir in Anlehnung an den aktuellen Test je ein Gerät der vier Marken Becker, Falk, Garmin und Tomtom. Flott kam keins zu neuen Karten.

Vom Computer aufs Navi

Um an die Karten zu kommen, braucht der Nutzer einen internet­fähigen Computer. Auf der Internetseite des Navianbieters erstellt er sich meist ein Konto und kann dann eine Software auf seinen PC laden. Dieses Computer­programm ermöglicht das Über­spielen der Karten aufs Navigations­gerät – per USB-Kabel. Rasant lässt sich die Software von Garmin und die von Tomtom auf dem Computer installieren – jeweils inner­halb einer Minute. Bei Falk und Becker ist die Installation auch nicht kompliziert, aber etwas umständlich.

Zwölf Stunden warten auf die Mail

Stop and go lautet das Motto beim anschließenden Herunter­laden der Karten. Der Grund: Die Daten­mengen sind mit bis zu 5,5 Gigabyte recht groß. Eineinhalb Stunden warteten die Tester etwa, bevor sie die neuen Garmin-Karten auf dem Navi speichern konnten. Falk vers­endete per E-Mail einen Link mit dem Karten­update – zwölf Stunden nach Anmeldung. 30 weitere Minuten gingen fürs Laden ins Land.

Apro­pos Land. Nach der Aktualisierung passen auf das für das Update ausgewählte Navi von Falk nicht mehr alle Länder. Die neuen Karten erfordern mehr Speicher­platz als die alten. Falk-Nutzer müssen für sie unwichtige Länder löschen, damit die wichtigen aufs Navi finden.

Bild­schirme im XXL-Format

Besonders gut zu sehen sind die Karten auf den XXL-Navis. Beein­druckende 17,6 Zenti­meter, etwa 7 Zoll, messen die Bild­schirm­diagonalen des Becker Ready 70 und des Garmin Nüvi 2797. Das sind Maße kleinerer Tablets. Neues gibt es auch bei den Navi-Halterungen. Garmin Nüvi 3597, Tomtom Go 5 000 und 6 000 werden von der Halterung magnetisch angezogen, sobald der Nutzer das Navi nah heran­hält. Um das Gerät wieder abzu­nehmen, muss er nur daran ziehen. Praktischer geht es kaum. Die Zeiten, in denen die Karten auf dem Schoß lagen, sind wohl endgültig vorbei.

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