Navi mobil Test

Navi-Lösungen für Handys treten gegen gestandene Navigationsgeräte an. Als Ersatz taugen sie aber nur eingeschränkt. Erstmals haben wir auch den Live-Verkehrsdienst von TomTom geprüft.

„Nach einhundert Metern rechts abbiegen.“ Solche Navigationsansagen sind sehr praktisch – wenn man sie denn hört. Genau darauf ist bei der Handynavigation, die wir neben ganz normalen Navis auch geprüft haben, nicht immer Verlass. Allzu oft gehen die Ansagen im Fahrtgeräusch unter, weil die Lautsprecher vieler Mobiltelefone zu leise sind. Auch sonst muss man mit Einschränkungen rechnen, wenn man sich vom Handy statt vom Navi leiten lässt.

Navigation „an Bord“ des Handys

Wie gut die Handynavigation funktioniert, hängt neben der verwendeten Navigationssoftware auch vom Handy selbst ab. Wir haben exemplarisch sieben Kombinationen von jeweils einem Handy mit integriertem GPS-Empfänger und einer Navigationssoftware geprüft. Bei der Software konkurrieren zwei Geschäftsmodelle: Zum einen gibt es die sogenannten Onboard-Lösungen. Rou­­­tenberechnung und -führung erfolgen wie beim Navi komplett „an Bord“ des Geräts. Man erwirbt dafür einma­lig ein Programmpaket fürs Handy samt Kartenmaterial, mit dem man dann so lange navigieren kann wie man möchte.

Navigation von außerhalb

Anders bei der „Offboard“-Navigation: Hier wird Navigation als Dienstleistung angeboten und je nach Nutzung bezahlt. Entsprechende Navigationsprogramme wie Nokia Maps oder Wayfinder stellen übers Handy­netz eine Datenverbindung zu Rechnern der Anbieter her und teilen ihnen Ziel- und Ausgangspunkt der gesuchten Route mit. Die Routenberechnung findet nicht an Bord des Handys, sondern von außerhalb, „offboard“ auf dem Rechner des Dienstleisters, statt. Der schickt die Suchergebnisse übers mobile Datennetz auf das Handy.

Anders als bei An-Bord-Lösungen entstehen bei der Offboard-Navigation laufende Kosten, und zwar meist sogar doppelt. Zum einen muss der Nutzer die Navigation bezahlen, meist als Abo. So gibt es die Navigation per Nokia Maps ab 9 Euro pro Monat, Wayfinder ab 7 Euro. Allein das Navigationsprogramm Ö-Navi ist werbefi­nanziert und kann gratis genutzt werden. Doch egal, ob im Abo oder werbefinanziert – bei allen Offboard-Diensten entstehen zusätzlich Kosten für die Datenübertragung zwischen Handy und Navigationsrechner.

Mit falschem Datentarif wirds teuer

Beispiel Nokia Maps: Für eine 35 Kilometer lange Fahrt vom Lützowplatz in Berlin zum Schloss Sanssouci in Potsdam verursachte das Navigationsprogramm rund 940 Kilobyte Datenverkehr. Was das kostet, hängt vom Handytarif ab. Mit dem Discounttarif Simyo sind es nur 22 Cent, mit dem Vodafone-Tarif „Volume by Call“ fast 19 Euro!

Tipp: Wenn Sie öfter Navigationsdienste nutzen, buchen Sie am besten einen Datentarif mit Flatrate oder mit großem Inklusivvolumen (siehe Test Datentarife). Auf Fernreisen ist ein Offboard-Navigationsdienst kaum sinnvoll: Datenverbindungen sind im Ausland in der Regel extrem teuer.

Kartenmaterial immer aktuell

Offboard-Dienste haben einen Vorteil: Das Kartenmaterial kann auf den Rechnern der Anbieter stets auf dem neuesten Stand gehalten werden, während die fest installierten Karten bei der An-Bord-Navigation wie bei den großen Navis auf einem bestimmten Stand eingefroren sind. Wer hier Wert auf aktuelle Karten legt, muss ab und an Kartenaktualisierungen kaufen, die es fürs Medion-Navi schon für 59 Euro, fürs TomTom erst ab 90 Euro gibt. Besonderheit: Becker bietet fürs Z 201 kostenlose Updates.

Drei Handynavigationslösungen im Test waren beim Kauf der Telefone bereits vorinstalliert: Der Offboard-Dienst Nokia Maps ist bei GPS-Handys von Nokia dabei, Wayfinder war auf dem Sony Ericsson C905 installiert. Das Smartphone Samsung Omnia wird mit dem An-Bord-Paket Route 66 Mobile samt Karten für Deutschland, Österreich und die Schweiz ausgeliefert. Das Programm heißt im Menü des Omnia zwar „Samsung Mobile Navigator“, ist aber laut Anbieter identisch mit der auch für andere Handys verfügbaren Route-66-Software.

Aufwand bei der Installation

Die übrigen vier Programme müssen erst auf den Handy installiert werden. Am einfachsten ist das bei der Garmin-Software. Sie kommt auf einer Speicherkarte, die man nur noch in den passenden Steckplatz des Handys stecken muss. Aufwendiger ist die Installation beim Navigon-Programm und bei Ö-Navi. Navigon Mobile ist auf DVD gespeichert und muss von einem PC per Da­ten­kabel installiert und nach dem Programmstart auf dem Handy registriert werden. Das Ö-Navi-Programm fordert man über die Anbieter-Website an. Dann kommt per SMS-Nachricht ein Download-Link aufs Handy, über den man das Programm per Datenverbindung aus dem Netz lädt. Beide Programme muss man unter Angabe persönlicher Daten beim Anbieter registrieren, bevor man sie nutzen kann.

Schwächen bei GPS und Zieleingabe

Autohalterung und Stromadapter für den Zigarettenanzünder gehören beim Navi zur Grundausstattung. Fürs Handy muss man sie meist nachkaufen, nur beim Samsung Omnia waren sie dabei. Einmal montiert zeigen die Navigationshandys schnell erste Schwächen gegenüber den großen Navigationsgeräten: So dauert es oft deutlich länger, bis das Navigationsprogramm gestartet ist und seinen Standort per GPS ermittelt hat. Auch gestaltet sich die Zieleingabe oft mühsamer. Das hängt natürlich nicht nur von der jeweiligen Navigationssoftware ab, sondern auch vom Handy: Der berührempfindliche Bildschirm (Touch­screen) des Blackberry Storm, des HTC Touch oder des Samsung Omnia und die ausklappbare Buch­­stabentastatur des Sony Ericsson Xperia sind hier komfortabler als die normalen Handytastaturen des Nokia N79 oder des Sony Ericsson C905.

Kleine Displays, leise Ansagen

Navi mobil Test

Der kostenlose Navigationsdienst Ö-Navi bringt beim Navigieren mit Sprachausgabe nur eine minimalistische Pfeildarstellung auf den Handybildschirm

Weiterer Nachteil der Handys: Ihre Displays sind kleiner als die der Navis. Dabei versuchen die Anbieter oft, den gleichen Informationsgehalt auf die Handy­schirme zu bringen. Das Navigon-Programm hat sogar den gleichen Spurassistenten wie das Navi des gleichen Anbieters. Doch auf dem kleinen Bildschirm des HTC-Smartphones ist er nur schwer zu erkennen – zumal das Display wie bei vielen Handys auch noch stark spiegelt. Noch problematischer: Die Lautsprecher der Handys sind oft zu schwach, um die Navigationshinweise klar und deutlich wiederzugeben. Am verständlichsten sind sie noch beim Samsung Omnia und beim Sony Ericsson X1. Beim Sony Ericsson C905 sind sie schon bei normalem Fahrtgeräusch kaum noch zu hören.

Die meisten fahren mit Navi besser

Auch wenn die Routenfindung und -führung per Handy technisch prinzipiell ähnlich gut funktionieren kann wie bei großen Navis, sind die Nachteile in der Handha­bung doch erheblich. Wer ohnehin ein Smart­phone mit eingebautem GPS-Empfänger besitzt und es im Auto üblicherweise mit Headset oder Freisprecheinrichtung nutzt, mag das Handy dennoch auch zum Navigieren nutzen wollen. Immerhin spart er dadurch die Kosten und den Platz für ein zusätzliches Navigationsgerät samt Halterung und Kabel. Doch ansonsten ist ein normales Navi wohl für die meisten Nutzer die komfortablere Lösung.

Funktionsflut bei den Navis

Navi mobil Test

Die Videonavigation des Blaupunkt Travelpilot 700 wiederholt auf dem Navi-Display den Blick aus der Windschutzscheibe. Wozu das gut sein soll, bleibt unklar.

Die Anbieter rüsten ihre Navis mit immer mehr Funktionen auf. Die meisten in der geprüften Preisklasse zwischen etwa 150 und 580 Euro können Fotos und MP3-Musik wiedergeben. Viele dienen auch als Freisprecheinrichtung fürs Handy – per Bluetooth-Funk. Das Medion und das Garmin haben einen kleinen UKW-Sender, mit dem sie Navigationsansagen ans Autoradio funken können. Dafür braucht man allerdings stets eine freie UKW-Frequenz, was bei längeren Fahrten schwierig werden kann.

Das Blaupunkt-Navi wirkt schon überfrachtet: Es kann auch DVB-T-Fernsehprogramme empfangen und über WLan-Funknetze ins Internet gehen. Beim Navigieren soll es mit der eingebauten Kamera Verkehrszeichen (Tempolimits) erkennen und in Warnhinweise umsetzen, was aber im Test nicht immer funktionierte. Alternativ bietet es „Videonavigation“: Seine Kamera bringt den Blick aus der Windschutzscheibe auf den Navi-Bildschirm und blendet darin Navigationshinweise ein (siehe Foto). Das klappt zwar, wirkt aber eher überflüssig. Schließlich soll die normale Kartenan­sicht dem Fahrer doch gerade Zusatzinfos geben, die er sonst nicht im Blick hat.

Teurer Zusatzdienst von TomTom

Statt solcher Spielereien setzt TomTom auf Funktionen, die unterwegs tatsächlich nützlich sein könnten. So hat das TomTom im aktuellen Test als einziges einen Gyrosensor, der es beim Navigieren unterstützt, wenn der Satellitenkontakt abbricht, etwa in Tunnels. Auch ein neuer Dienst des Anbieters klingt zunächst vielversprechend: Geräte mit dem Zusatz „live“ im Namen sind mit Mobilfunktechnik ausgestattet und können – sofern man den Zusatzdienst bucht – über Handynetze aktuelle Verkehrsinformationen empfangen und in die Routenführung einbinden. Ähnliches leisten zwar auch die Verkehrsdienste TMC und TMC Pro, doch laut TomTom sollen die Daten des neuen Dienstes viel umfangreicher und aktueller sein. In unserem Praxistest brachte der nicht ganz billi­ge Dienst allerdings nur selten einen Vorteil für die Routenführung (siehe TomTom).

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