Navi-Verkehrsdienste Test

Der Verkehrsdienst TomTom HD Traffic ist erheblich teurer als die Dienste TMC und TMCpro, bei extremen Verkehrslagen aber auch wirkungsvoller.

Die besten Verkehrsinformationen nützen bei einem Stau herzlich wenig, wenn es keine Ausweichstrecken gibt. Also fuhren wir in der Woche vor Ostern ins Ruhrgebiet. Hier sind die Straßen immer voll. Und es gibt ein engmaschiges Netz von Autobahnen und Schnellstraßen. Dort waren unsere Tester drei Tage lang mit vier Autos unterwegs. Ihr Auftrag: Prüfen, was Echtzeit-Verkehrsdienste taugen.

Eins der Autos war ausgestattet mit einem TomTom-Navi samt dem Dienst TomTom live, dessen wichtigster Bestandteil der Verkehrsdienst HD Traffic ist. Dafür muss der Nutzer 9,95 Euro im Monat bezahlen. Ob sich das lohnt, haben wir im Vergleich zu TMC und TMCpro getestet, mit denen zwei Medion-Navis ausgestattet waren. Das vierte Auto hatte ein Garmin-Navi ganz ohne Verkehrsdienst.

Kreuz und quer durchs Ruhrgebiet

Neben den laufenden Kosten unterscheidet sich TomToms HD Traffic in zwei entscheidenden Punkten von den älteren Verkehrsdiensten TMC und TMCpro (siehe Tabelle Verkehrsdienste für Navigationsgeräte): Erstens überträgt es die Verkehrsdaten nicht über UKW-Hörfunksender, sondern per Mobilfunk. Der ermöglicht größere Datenmengen, also mehr Verkehrsinformationen. Zweitens nutzt TomTom für seine Verkehrsinfos die Bewegungsdaten von Handynutzern: Stehen in einer Funkzelle viele Handys still, ist dort vermutlich ein Stau. Das soll genauere Informationen liefern als TMC und TMCpro.

Zunächst war es nicht leicht, den TomTom-Dienst überhaupt zu buchen: Anfangs gab es Probleme mit dem Nutzerkonto. Dann waren die Gut­haben­karten von TomTom nur schwer aufzutreiben, die es laut Anbieter im Elektronikhandel geben sollte. In beiden Fällen war die Hotline freundlich, aber wenig hilfreich.

Navi-Verkehrsdienste Test

Infografik 1

Infografik 1

Dann ging es los, kreuz und quer durchs Ruhrgebiet. An den ersten beiden Tagen war die Verkehrslage für dortige Verhältnisse normal: gelegentliche Staus und zähflüssiger Verkehr. Unter diesen Bedingungen brachten die Verkehrsdienste kaum Vorteile. Zwar war auf den Fahrten erkennbar, dass TomTom HD Traffic zuweilen über detailliertere Stauinfos verfügte als TMC und TMCpro. Doch einen echten Zeitvorsprung konnte das TomTom-Navi durch seinen Wissensvorsprung an den ersten beiden Testtagen nicht einfahren.

TomTom leitet um Stauchaos herum

Navi-Verkehrsdienste Test

Infografik 2

Infografik 2

Dann kam der Gründonnerstag und das Ruhrgebiet versank im Stauchaos. Hier zeigten die Verkehrsdienste, was sie können – und das TomTom zog an der Konkurrenz vorbei (siehe Infografik 1). Zum Beispiel auf der letzten Tagesetappe, die von Düsseldorf ostwärts Richtung Bielefeld führte (siehe Infografik 2): LKW-Unfall, Vollsperrung der A2 am Kamener Kreuz. Das Garmin ohne Verkehrsinformationen wusste davon nichts und stand fast drei Stunden im Stau. Die beiden Navis mit TMC und TMCpro entschieden sich, den Stau über die A44 zu umfahren – wie es auch im Verkehrsfunk empfohlen wurde. Doch auch die Ausweichstrecke war voll. Nur das TomTom umging elegant alle Behinderungen und führte direkt hinter der Unfallstelle auf die fast leere A2.

Damit zeigte sich der Dienst von TomTom dem älteren TMC und TMCpro in Extremsituationen tatsächlich überlegen. Angesichts des hohen Preises ist der Dienst aber wohl vor allem für berufliche Vielfahrer interessant. Denn bei normalem Verkehr hält sich der Vorteil in Grenzen.

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