Navi-Software cityXplorer Schnelltest

Navigation für Fußgänger auch in Parks, Fußgänger­zonen. Mit Nutzung von Bus und Bahn: Das verspricht Garmin. Die Navigations­software cityXplorer soll es möglich machen. Kosten­punkt: Jeweils 8,99 Euro für derzeit 38 europäische und 34 nord­amerikanische Städte. test.de hats per Schnelltest ausprobiert - in Berlin, Frankfurt und München.

Nur für Auto-Navis

Merkwürdig: Ohne Einschränkungen funktioniert das Programm nur auf Garmin-Navigationsgeräten, die hauptsächlich fürs Auto gedacht sind. Dabei bietet Garmin gleich fünf Geräte an, die sich im Test Navigationsgeräte für Wanderer und Radler gut geschlagen haben. Von den Geräten, die alle cityXplorer-Funktionen unterstützen, hält keins mehr als rund vier Stunden mit einer Akkuladung durch. Nicht mal frische Akkus oder Batterien lassen sich einsetzen. Wer einen ganzen Tag auf Sightseeingtour ist, muss das Navi also zwischendurch stets abschalten oder in Cafés mit Steckdose Pause machen, um abends noch Energie für die Suche nach dem Rückweg zu haben.

Kauf mit Hindernissen

Zu haben ist das Programm online direkt von Garmin. Der Weg zur Installation ist kompliziert. Zunächst braucht das Navi, auf dem die Software laufen soll, eine Registrierung. Das wiederum setzt den Download und die Installation des Garmin Communicator-Plug-Ins auf dem heimischen PC sowie die Eingabe der Seriennummer des Navis voraus. Garmin informiert darüber, wo die Seriennummer an den verschiedenen Geräten zu finden ist. Für den nüvi 1390 T pro, auf dem die test-Ingenieure das Programm installieren wollten, fehlten zum Zeitpunkt des Tests jedoch passende Hinweise. Offenbar entwickelt Garmin schneller neue Geräte, als das Unternehmen seine Webseite aktualisiert. Nach Installation des Plug-Ins ist ein Neustart des Rechners nötig. Danach hat er die Bestellung der Software im Garmin-Online-Shop vergessen und sie muss neu eingegeben werden. Außerdem ist zumindest beim Navi für den Test ein Update der Betriebssoftware nötig, bevor sich der cityXplorer installieren lässt. Insgesamt brauchten die test-Ingenieure trotz ihrer Erfahrung im Umgang mit Navis und Software rund eine Stunde, um den cityXplorer für Berlin, Frankfurt und München zu kaufen. Weitere Einschränkung: Das Programm funktioniert nur auf einem Gerät. Wenn das mal kaputt geht oder ein neues her soll, ist fürs Ersatzgerät eine aufwändige Freischaltungsprozedur nötig.

Keine Ansagen

Nach Installation des cityXplorer steht unter Verwendungsmodus auch die Auswahl „Zu Fuß“ zur Wahl. Möglich sind damit auch Touren mit Nutzung von Bus und Bahn. Meist bietet das Navi mit cityXplorer verschiedene Routen an, die nach Länge des Fußwegs sortiert sind. Ungewohnt ist: Ansagen gibts nicht und jede Bildschirmanweisung muss einzeln per Knopfdruck bestätigt werden, bevor das Navi die nächste anzeigt. Die Kartenanzeige liegt zuweilen ziemlich daneben. Der Kartenausschnitt muss dann von Hand korrigiert werden, bis auch der aktuellen Standort auf dem Schirm ist. Für die Nutzung von Bus und Bahn lassen sich ein oder mehrere Transporttypen auswählen. Außer Bus und Bahn mit von der Partie: Metrorail. Was das genau ist, bleibt unklar. Beim Test stellt sich heraus: In Berlin sind damit U-Bahn und Straßenbahn gemeint, während die S-Bahn unter „Bahn“ fällt. Nach Auswahl eines Ziels schlägt das Navi mehrere Routen vor. Angegeben sind eine Schätzung für die erforderliche Zeit und die Länge des Fußweganteils. Zu beachten: Bei Nutzung von Bussen und Bahnen berücksichtigt der cityXplorer keine Wartezeiten. Detaillierte Fahrplandaten enthält er offensichtlich nicht und kann daher auch die Route nicht entsprechend der Fahrzeiten optimieren.

Zu Fuß zum Flughafen

In der praktischen Erprobung leistet sich der cityXplorer vor allem in Berlin zahlreiche Schwächen. Er kennt kaum Wege durch Parks oder Abkürzungen durch Fußgängerpassagen zwischen Gebäuden. Im Schlosspark Charlottenburg kennt der cityXplorer weder das Teehaus Belvedere noch den Schinkelpavillon. Auf dem Weg vom S-Bahnhof Jannowitzbrücke zum Alexanderplatz empfiehlt er die Linie S5. Von der S75, die gerade abfährt und ebenfalls den Alexanderplatz ansteuert, sagt er nichts. Beim Verlassen von Bahnhöfen fehlen Hinweise auf den günstigsten Ausgang. Die meisten Buslinien kennt der cityXplorer nicht. Die Folge: Auf dem Weg zum Flughafen Tegel empfiehlt das Navi ab U-Bahnhof Jakob-Kaiser-Platz: drei Kilometer zu Fuß. Auch in Frankfurt war der Flughafen mit cityXplorer schwer zu erreichen. Beim Versuch, Wege dorthin zu finden, stürzte das Test-Navi mehrfach ab und musste neu gestartet werden. Offenbar war die Ermittlung von Zu Fuß mit Bus und Bahn-Routen aus der Innenstadt zum rund 15 Kilometer entfernten Flughafen für Gerät und/oder Software zu komplex. Generell gilt: Die Orientierung nach Kartenanzeige ist oft schwierig. Klare Navigationsanweisungen fehlen. Stattdessen sollen Benutzer einer in die Karte eingezeichneten Spur folgen.

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