Navi Test

Die meisten Navis zwischen 200 und 800 Euro im Test navigieren „gut“. Bei mitgeliefertem Kartenmaterial, Zusatzfunk­tionen und Handhabung gibt es mehr Unterschiede.

„Sie haben Ihr Ziel erreicht!“ Für immer mehr Autofahrer steht diese Erfolgsmeldung am Ende ihrer Fahrten. Die Auswahl an tragbaren Navigationshelfern ist riesig, die Preisspanne auch. Sind die Unterschiede bei der Qualität so groß wie beim Preis? Wir haben zwölf tragbare Navis mit Kartenmaterial für Europa getestet. Und eines, das in einen Rückspiegel eingebaut ist (siehe „Besonderheit“).

Wie funktioniert eigentlich ein Navi?

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Navigationsgeräte nutzen das Satellitenortungssystem GPS (Global Positioning System). Damit ermitteln sie ständig ihren Standort. Aus der Änderung des Standorts können sie die Bewegungsrichtung und -geschwindigkeit errechnen. Beim Planen und Führen von Routen greifen sie auf elektronisches Kartenmaterial zu, das intern oder auf Speicherkarten gespeichert ist. Außerhalb des Gebiets, das von diesen Karten erfasst ist, können sie nicht navigieren.

Welches Kartenmaterial ist dabei?

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Alle im Test bringen neben Deutschland, Österreich und der Schweiz Karten für mehrere europäische Länder mit – welche genau, variiert stark: Beliebte Reiseländer wie Spanien, Frankreich, Großbritannien und Italien sind immer dabei. In den östlichen Nachbarländern Polen und Tschechien finden sich dagegen nur einige gut zurecht: Becker, Garmin, Merian, Panasonic, Sony und das teurere der beiden TomToms. Letzteres deckt die größte Fläche ab: Neben 42 europäischen Ländern enthält es auch Karten für die USA und Kanada.

Wie installiert man Kartenmaterial?

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Meist sind sämtliche Karten schon vorinstalliert. Bei Falk sind dagegen drei Länder nur auf DVD dabei, bei Medion fünf, bei Blaupunkt sogar 20. Sie muss man nachinstallieren, bevor man dorthin reist. Dafür verbindet man das Navi mit einem PC oder kopiert die Karten am Rechner auf eine Speicherkarte und steckt die dann in den Steckplatz am Navi. Einen PC braucht man meist auch, wenn man später einmal aktualisierte Karten aufspielen will. Nur Becker gibt an, dass es Karten-Updates auch auf Speicherkarten vorinstalliert geben werde.

Wie gut navigieren die Geräte?

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Insgesamt schlagen sich fast alle im Test beim Navigieren „gut“. Alle weisen auf sinnvollen Routen zum Ziel, die Unterschiede stecken eher im Detail. So lassen sich die Navis bei der Routenfindung unterschiedlich viel Zeit. Der Panasonic zum Beispiel brauchte im Test fast eine Minute für eine Route, die die meisten in ein paar Sekunden fanden. Auf Routeneinstellungen wie „Maut vermeiden“ kann man sich nicht immer verlassen. Becker, Falk, Medion, Navigon, Panasonic, Sony und Merian führten zum Beispiel bei einer Testroute dennoch durch einen kostenpflichtigen Tunnel.

Wie gut sind sie zu handhaben?

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Zieleingabe: Sony listet alle Berliner Bismarckstraßen übersichtlich mit Stadtteil und Postleitzahl auf, Becker zeigt dagegen zunächst nur eine völlig nichtssagende Liste.

Alle lassen sich problemlos an der Frontscheibe montieren. Auch die berührungsempfindlichen Displays funktionieren ordentlich. Unterschiedlich die Startzeiten: Medion braucht nach einem Kaltstart über zwei Minuten, bis es eine Route führen kann, das große TomTom und HP nicht mal eine. Dafür ist das HP-Gerät wie auch das von Blaupunkt im Test gelegentlich „abgestürzt“. Becker und Medion haben Probleme bei der Zieleingabe, wenn ein Straßenname in einer Stadt mehrfach vorkommt. So gibt es etwa in Berlin gleich fünf Bismarckstraßen. Becker zeigt an, dass es mehrere gibt, ist aber bei der Auswahl wenig hilfreich (siehe Foto). Medion führt den Nutzer ungefragt nach Berlin-Charlottenburg, wenn man nicht die Postleitzahl einer der anderen Bismarckstraßen eingibt.

Welche Extras helfen beim Fahren?

Bis auf das Navigationsgerät von HP können alle schon in der Grundausstattung Verkehrsdaten des Stauwarnsystems TMC empfangen und die Route so anpassen, dass Staus umfahren werden. Das System TMC Pro, das als besser und aktueller gilt, unterstützt nur das große TomTom, beim Falk kann man es nachrüsten. Viele Geräte können vor Geschwindigkeitsüberschreitungen warnen. Auf diese Funktion sollte man sich besser nicht verlassen, vor allem nicht in Städten: Nicht alle Beschränkungen sind im Kartenmaterial gespeichert. Innerstädtische Tempo-30-Zonen kannte auf unseren Testfahrten kein einziges Gerät.

Was sind Lkw- und Motorradmodus?

Oft kann man einstellen, ob man per Pkw, Lkw oder Motorrad unterwegs ist. Doch eine Auswirkung auf die Routenfindung zeigte sich im Test nicht. So umfahren die Navis im Lkw-Modus keineswegs niedrige Unterführungen oder Brücken mit geringer zulässiger Höchstlast. Stattdessen scheint es sich um reine Geschwindigkeitsprofile zu handeln, die nur die geschätzte Fahrtdauer beeinflussen. Und die veranschlagen die meisten Navis zu kurz. Am genauesten arbeiten hier die beiden TomToms.

Taugen Navis auch für Fußgänger?

Die meisten bieten Routen auch für Fußgänger an. Doch das Kartenmaterial ist nun einmal für Autos. Zwar wissen die Navis, dass Fußgänger in Einbahnstraßen in die entge­gen­gesetzte Richtung gehen können. Ob aber ein Fußgänger – im Unterschied zum Auto – am Ende einer Sackgasse weiterkommt, wissen sie nicht. Da ist es oft nützlicher, wenn man das Navi nur zur Orientierung mitlaufen lässt. Auch das geht nur, solange der Akku mitmacht. Die von Navigon und Panasonic schaffen über vier Stunden, die meisten anderen zwei bis drei.

Gibt es Diebstahlsicherungen?

Per Kennziffer oder Kennwort lassen sich die Navis von Blaupunkt, Garmin, Medion, Navigon, Navman und TomTom vor unbefugtem Gebrauch schützen. Das Medion-Gerät hat noch einen Fingerabdrucksensor. So kann man sich auch per Fingerzeig als rechtmäßiger Nutzer identifizieren und muss nicht jedes Mal einen Kode eintippen.

Welche anderen Extras sind dabei?

Fünf Geräte können sich über das Funkprotokoll Bluetooth mit dem Handy verbinden und als Freisprecheinrichtung dienen. Sieben spielen Musik im MP3-Format ab. Um Musik und Navigationshinweise über die Autolautsprecher zu hören, verbindet man den Kopfhörerausgang vom Navi mit dem Autoradio. Garmin, Medion und das große TomTom können Musik und Ansagen auch per UKW ans Autoradio senden – das erspart das zusätzliche Kabel. Bei längeren Fahrten kann es aber passieren, dass die dafür gewählte Radiofrequenz irgendwann von anderen Sendern überdeckt wird. Falk, Medion und Merian bringen Reiseführer mit. Der von Medion ist eher rudimentär, der von Merian am ausführlichsten. Er enthält auch einen umfangreichen Restaurantführer, beschränkt sich aber auf Deutschland, während Falk Reisetipps für westeuropäische Städte gibt. Garmin setzt auf Erweiterbarkeit: Neben einem Sprachführer, von dem ein Demo vorinstalliert ist, kann man etwa topografische Karten zum Wandern oder Reiseführer nachkaufen.

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