Navi Test

Kein Stau. Navis mit Live-Dienst finden freie Neben­straßen.

Kostenlose Karten-Updates, Echt­zeit-Verkehrs­infos, verläss­liche Navigation – die aktuellen Geräte bieten einiges. Nur wenige halten nicht ganz mit.

Sie haben es drauf. Navigations­geräte lotsen ihre Nutzer mitt­lerweile sicher von A nach B und lassen sich meist auch anständig hand­haben. Gut für Auto­fahrer, schwierig für die Anbieter: Wer mit seinem Navi zufrieden ist, kauft nicht so schnell ein neues. Um Kauf­anreize zu schaffen, warten aktuelle Modelle mit Extras auf, die ältere nicht bieten.

Bei fast allen neuen Navis gehört seit dem vergangenen Jahr die kostenlose Aktualisierung der Karten dazu. Sie gilt, so lange das Gerät lebt oder der Anbieter Updates für die Karten bereit­stellt. Besitzer älterer Navis zahlen für die Aktualisierung um die 70 Euro pro Jahr.

Ein weiterer Clou: leistungs­fähige Live-Verkehrs­dienste. Sie erfassen den aktuellen Verkehrs­fluss und schlagen bei Staus und anderen Behin­derungen Ausweichrouten vor. Bereits 7 der 15 von uns getesteten Geräte haben einen solchen Live-Dienst gratis an Bord oder ermöglichen ihn in Verbindung mit einem Smartphone. Welcher der Verkehrs­dienste am meisten Zeit spart, haben wir ebenfalls geprüft Navi-Verkehrsdienste.

Die Navis selbst über­zeugen fast durchweg. Ganze 12 der 15 getesteten Modelle schneiden gut ab. Geräte großer Anbieter befinden sich qualitativ auf der Über­holspur. Modelle mit kleinen Mankos lassen sie hinter sich. Die Ergeb­nisse des Tests sind eindeutig. Beste Navigation: Tomtom. Leichteste Hand­habung: Becker. Höchste Vielseitig­keit: Becker und Garmin.

Die Navis von Blau­punkt und Mio leisten sich einige Schwächen bei der Navigation. Das Gerät von Falk schrammt mit einer befriedigenden Hand­habung und Verarbeitung knapp am guten Gesamt­urteil vorbei.

Zwischen 136 und 259 Euro kosten die Navis im Test. Viele Hersteller setzen auf größere Navis mit Bild­schirm­diagonalen von etwa 12,7 bis 15,2 Zenti­meter – 5 und 6 Zoll. Die lassen sich teurer verkaufen. Die Auswahl an kleineren Geräten ist geschrumpft.

Tomtom sagt tadellos an

Testsieger ist Professional.6 von Becker. Für das 6-Zoll-Navi wird der Höchst­preis von 259 Euro fällig. Kein anderes Gerät ließ sich so komfortabel hand­haben. Etwas besser navigiert Tomtom, das Go 50 liegt bei den 5-Zoll-Navis vorn. Für 163 Euro ist es rasch start­klar und bietet eine tadellose Ansage der Fahr­empfehlungen.

Blick aufs Blau­punkt-Navi verwirrt

Generell sagten die Navigations­geräte von Tomtom Fahr­empfehlungen am besten an. Auch die ange­zeigte Fahrt­route ist über­sicht­lich und mit einem kurzen Blick aufs Display gut zu erfassen.

Nicht so beim Blau­punkt Travelpilot 52. Die Orientierung leidet unter den hellen Farben seiner Karten, die blaue Routen auf grauem Unter­grund abbilden.

Nicht alle sind Schnell­zünder

Rein ins Auto, Navi in Gang bringen und losfahren – das gelingt nicht mit jedem Gerät ratzfatz. Bei Mio und Blau­punkt trommeln die Fingerkuppen des Fahrers auf dem Armaturenbrett. Ein ausgeschaltetes Gerät zu starten und die schnellste Route für eine Fahrts­trecke von etwa 100 Kilo­metern zu berechnen, dauert bei Mio fast zwei Minuten, bei Blau­punkt knapp andert­halb. Auch Becker-Navis sind nicht flott, sie gönnen sich etwas mehr als eine Minute. Dass es zügiger geht, beweist das Garmin Nüvi 56 in 16 Sekunden. Tomtom Go 60 und 50 brauchen auch nur 23 und 26 Sekunden. Die übrigen Navis liegen im Mittel­feld – wie das von Falk mit der besten Routenführung.

Mit Becker gut bedient

Zuver­lässige Wegweiser sollten sich leicht bedienen lassen. So wie beide Becker-Navis. Ihre Gebrauchs­anleitung ist hilf­reich, das Menü selbst­erklärend, sie zu nutzen macht Spaß. Anders beim Blau­punkt Travelpilot 52: Die Adress­eingabe hängt regel­mäßig, die Such­maschine funk­tioniert mit Abstand am schlechtesten. Das Haupt­menü des Blau­punkt-Geräts ist unüber­sicht­lich. Es besteht aus neun Kacheln, nur sechs sind aktiv. Das verschwendet Platz – auf Kosten des Über­blicks.

Plaudern mit dem Navi

Wem es zu mühsam ist, den gewünschten Ziel­ort auf dem Monitor einzutippen, der entscheidet sich für ein Navi mit Sprach­erkennung. Acht Geräte im Test reagieren auf mündliche Befehle ihres Nutzers. Allerdings wird nicht jeder Befehl vom Navi sofort verstanden – etwas Geduld mit der komplexen Technik ist nötig. Wer mit Akzent spricht, hat wenig Chancen. Am besten plaudern können Auto­fahrer mit Navigations­geräten von Tomtom.

Manchmal stellt es sich taub

Aber auch die Tomtom-Sprach­erkennung hat Macken. Sie ist bei den Modellen Go 50 und 60 ein biss­chen über­eifrig. Statt sich erst nach der Anrede „Hallo Tomtom“ zu akti­vieren, legt sie manchmal schon los, wenn die Auto­insassen irgend­etwas sprechen. Zudem erwarten die Tomtom-Navis auch von ihren Besitzern eine gewisse Sprach­begabung: Ihre Sprach­erkennung passt sich dem Aufenthalts­land an. Wer in Italien nach Florenz möchte, muss „Firenze“ ansagen, sonst stellt sich das Navi taub.

Gemächlich geht es bei Mio zu. Ansagen befolgt die Sprach­erkennung zum Teil frustrierend lang­sam.

Aufs Wesentliche besonnen

Vom multimedialen Schnick­schnack der vergangenen Jahre haben sich die Anbieter verabschiedet. Übers Navigations­gerät Musik hören, Videos gucken, per DVB-T-Empfang fernsehen – das geht bei den getesteten Geräten nicht mehr. Fotos geben als einzige die Becker-Geräte wieder. Eine Frei­sprech­einrichtung für mobile Telefone besitzen Garmin Nüvi 2599 und 2699, beide Becker-Navis, Blau­punkt sowie Mio. So kann der Fahrer während der Fahrt telefonieren, und beide Hände bleiben am Lenk­rad. Doch nur die Frei­sprech­einrichtungen von Garmin schneiden im Test gut ab.

Sie navigieren auch Fußgänger

Elf der getesteten Geräte weisen auch außer­halb des Autos zuver­lässig den Weg. Ihre Fußgängernavigation führt zum Beispiel durch unbe­kannte Innen­städte oder zurück zum Park­platz. Interes­sant ist das eher für Nutzer, die kein Smartphone mit Navigations-App haben.

Akku hält schlappe 50 Minuten

Allzu ausgedehnt sollte der Spaziergang mit dem Navi jedoch nicht sein. Die Akku­lauf­zeiten der Geräte sinken seit Jahren stetig. Mio Spirit und Falk Neo halten nur noch schlappe 50 und 55 Minuten ohne Energie vom Ziga­retten­anzünder durch. Ausdauer beweist das Blau­punkt-Navi mit knapp zwei­einhalb Stunden.

Im Auto mit Strom versorgt, arbeiten die Navis zuver­lässig. Wer häufig in stau­geplagten Regionen fährt, wählt ein Gerät mit Live-Dienst. Und findet damit Wege am Stau vorbei.

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