Navigieren können sie alle. Aber nur manche Navis hören auch aufs Wort. Extras wie Live-Dienste können beim Navigieren helfen, der Fernsehempfang des Mio-Geräts aber eher nicht.

Mühsam lange Adressen eintippen – das war gestern. Ein modernes Navigationsgerät, das etwas auf sich hält, versteht es auch, wenn sein Besitzer ihm das Reiseziel einfach sagt. Gerade bei den teureren Navis mit großem Display ist Spracherkennung verbreitet. Von den acht Größeren im Test können fünf gesprochene Zieleingaben verstehen. Die drei Kleineren können das nicht.

Per Sprache, aber nicht freihändig

Navi Test

Sprachsteuerung: Becker versteht ganze Adressen, andere wollen nacheinander Stadt, Straße und Hausnummer.

Sprachsteuerung: Becker versteht ganze Adressen, andere wollen nacheinander Stadt, Straße und Hausnummer.

Besonders vollmundig bewirbt Becker seine Sprachsteuerung: Damit sei „die Adresseingabe auch während der Fahrt möglich, und beide Hände bleiben zum Wohle von Fahrer und Beifahrer am Steuer“. Das stimmt so nicht. Wie auch bei den drei TomTom-Geräten muss der Nutzer beim Becker zunächst im Bedienmenü auf dem Bildschirm das entsprechende Bedienfeld drücken, bevor er das Ziel für die Fahrt einsprechen kann. Und auch dann ist noch der eine oder andere Blick auf den Bildschirm nötig, um etwa das Ergebnis der Zielsuche zu überprüfen und gegebenenfalls zu korrigieren. All das erledigt man besser vor als während der Fahrt.

Das Garmin hört aufs Wort

Etwas konsequenter setzt das Garmin nüvi 2360LT auf Sprachsteuerung. Hier muss der Nutzer das Gerät zur Zieleingabe nicht unbedingt berühren. Stattdessen sagt er „Sprachbefehl“, schon hört das Garmin auf weitere Ansagen. Schritt für Schritt fragt es die Stadt, die Straße und die Hausnummer ab. Solange das Ziel in Deutschland liegt, funktioniert das recht problemlos. Im Ausland wird es jedoch komplizierter. Für manche Länder gibt es keine Sprachsteuerung, bei anderen müssen Ziele buchstabiert werden, was auch nicht immer klappt.

Im Test funktionierte die Spracherkennung beim Garmin am reibungslosesten. Bei Becker und TomTom gab es vereinzelt Verständigungsschwierigkeiten. Beim Becker brauchte die Spracherkennung zudem relativ lange. Doch auch bei Becker und TomTom kann die Spracherkennung das Eintippen von Adressen ersparen.

Ansagen könnten etwas lauter sein

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Landschaftsmalerei: Falk schmückt den Horizont mit erfundenen Bergen.

Landschaftsmalerei: Falk schmückt den Horizont mit erfundenen Bergen.

Ihre Hauptfunktion, die Navigation, beherrschen alle im Test gut. Die Unterschiede liegen hier eher im Detail. So machen alle zum richtigen Zeitpunkt korrekte Navigationsansagen. Doch bei Becker, Falk, Mio und den beiden Via-Geräten von TomTom sind die Ansagen nicht besonders laut. Dabei können die TomTom ihre Lautstärke sogar automatisch an die der Umgebung anpassen. Bei lauten Fahrgeräuschen können ihre Wortmeldungen akustisch trotzdem schon einmal untergehen.

Bei früheren Tests waren TomTom-Geräte öfter durch langsame Routenberechnung aufgefallen. Tendenziell ist das noch immer so, hat sich aber deutlich verbessert. Weicht der Fahrer von der vorgegebenen Strecke ab, wollen ihn aber auch die neuen TomTom ziemlich hartnäckig auf die alte Route zurückführen, bevor sie eine neue berechnen.

Nachzügler in einer anderen Situation sind das Garmin nüLink! und das Mio. Beide brauchen über eine halbe Minute, bevor sie nach dem Aufwachen aus dem Standbybetrieb ihre Position geortet haben und navigationsbereit sind. Die Übrigen schaffen das in wenigen Sekunden. Das Falk wiederum braucht schon nach dem Einschalten des Geräts überdurchschnittlich lange, um erst einmal „hochzufahren“.

Staus umfahren

Die beiden teuersten Navigationsgeräte im Test, das Garmin nüLink! 1695 für 293 Euro und das TomTom Go Live 1005 für 345 Euro, sind mit Mobilfunktechnik ausgestattet und können darüber sogenannte Live-Dienste nutzen. Zum Beispiel empfangen sie ständig aktuelle Informationen über die Verkehrslage und helfen Autofahrern, Staus zu umfahren, oder warnen zumindest davor. In unseren Tests von Verkehrsdiensten hat sich der TomTom-Dienst bisher den anderen als überlegen gezeigt (siehe „Aktuelle Karten machen sie teuer“ aus test 06/2010 und „Handy gegen Navi“ aus test 01/2011).

Hotels in der Umgebung

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Google-Suche: Navis mit Live-Diensten finden Pizzerien in der Umgebung.

Google-Suche: Navis mit Live-Diensten finden Pizzerien in der Umgebung.

Neben Verkehrsinformationen bieten die beiden teuren Navis weitere Live-Dienste, etwa Tankstellenpreise, Hilfe bei der Parkplatzsuche oder die „lokale Suche“ von Google. Die findet zum Beispiel Restaurants, Hotels oder Geschäfte in der Umgebung. Die Live-Dienste von TomTom und Garmin kosten 50 Euro im Jahr. Beim TomTom ist der Dienst bereits für zwei Jahre im Kaufpreis des Navigationsgeräts enthalten, beim Garmin nur für ein Jahr.

Die anderen empfangen immerhin Verkehrsinformationen über das schon etwas betagte TMC-System. Das sendet über öffentlich-rechtliche UKW-Radiosender. Diese Infos gelten aber als eher lückenhaft. Die beiden Garmin nüvis und das Medion können auch das private Konkurrenzsystem TMCpro empfangen. Das gilt als aktueller und wird unter anderem auch als „Premium TMC“ oder „Navteq Traffic“ vermarktet. Bei Becker, Falk und Mio kann man den Dienst für einen Aufpreis von etwa 30 bis 40 Euro nachkaufen.

Fernsehen auf dem Mio-Navi

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Fernsehfreuden: Das Mio kann auch Fernsehen empfangen.

Fernsehfreuden: Das Mio kann auch Fernsehen empfangen.

Ein Extra ganz anderer Art bringt das drittteuerste Navi im Test mit: Das Mio Spirit V575 TV kann das digitale Antennenfernsehen DVB-T empfangen. Die Bildqualität ist im Rahmen dessen, was auf solch einem kleinen Bildschirm möglich ist, durchaus nicht schlecht. Es stellt sich nur die Frage nach dem Sinn dieser Funktion. Mit einer Akkulaufzeit unter zwei Stunden ist das Gerät als echter Unterwegs-Fernseher nur eingeschränkt nutzbar. Immerhin liefert Mio ein Netzteil mit.

Kartenaktualisierung im Abo

Neben Displaygröße und Extras ist das Kartenmaterial ein wichtiger Preisfaktor. Die meisten Navis im Test bringen Karten für ganz Europa mit. Oft gibt es günstigere Varianten mit weniger Ländern (siehe „Verwandte Modelle“, Seite 46). Wer seine Karten aktualisieren will, bekommt meist für 80 bis 100 Euro zwei Jahre lang neues Kartenmaterial. Garmin verspricht für 89 Euro Aktualisierungen für die Lebensdauer des Geräts, wie lange auch immer das sein mag. Falk-Nutzer bekommen Kartenupdates zwei Jahre lang gratis, wenn sie ihr Navi rechtzeitig nach dem Kauf registrieren. Bei Becker und Navigon gibt es dann zumindest deutliche Preisnachlässe.

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