Navi Test

Navis mit alten Karten führen leicht in die Irre. Doch Updates kosten. Unser Test zeigt: Gute Geräte mit kostenlosem Kartenabo gibt es ab 173 Euro.

Plötzlich führt der gewohnte Weg in eine Sack­gasse. Eine Baustelle verhindert die Durch­fahrt. Oder die Straße heißt über Nacht anders. Jedes Jahr verändern sich 15 Prozent der Straßen. Trotzdem sind drei von vier Auto­fahrern mit veralteten Karten oder Navigations­geräten unterwegs. Nur jeder dritte Navi­besitzer hat sein Gerät jemals aktualisiert.

Kein Wunder: Bei Becker und Garmin kostet ein einzelnes Karten­update knapp 60 Euro. Tomtom kassiert rund 70 Euro pro Aktualisierung. Zum Vergleich: Gute Einsteigergeräte gibt es bereits ab 120 Euro. Ohne Karten­aktualisierungen veralten sie aber. Alternative: Einige Anbieter bieten inzwischen ausgewählte Navis mit kostenlosen lebens­langen Karten­aktualisierungen. Im Test waren das Becker, Garmin und Tomtom. Die Geräte kosten zwischen 173 und 295 Euro. Dafür liefern die Anbieter regel­mäßig aktualisierte Karten – solange das Gerät lebt. Wer sein Navi nicht aktualisiert und statt­dessen ein neues mit lebens­langen Karten­updates kauft, spart schon nach wenigen Jahren Geld. Außerdem bieten heutige Navis ausgereiftere Funk­tionen und größere Bild­schirme als vor einigen Jahren. Wie gut sie den Weg weisen, zeigt der Test von zwölf Geräten in drei verschiedenen Größen. In jeder Klasse heißt der Testsieger Tomtom.

„Bring mich zur nächsten Tank­stelle“

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Zu Befehl. Einige Navis lassen sich per Stimme bedienen. Garmin nüvi 3590 und Tomtom Via erkennen Adressen und Orte von besonderem Interesse. Es genügt: „Fahre nach­hause“.

Zu Befehl. Einige Navis lassen sich per Stimme bedienen. Garmin nüvi 3590 und Tomtom Via erkennen Adressen und Orte von besonderem Interesse. Es genügt: „Fahre nach­hause“.

Tomtom hat im vergangenen Jahr die Sprach­erkennung deutlich verbessert. Auto­fahrer können ihr Navi nun weit­gehend per Stimme bedienen. Die Geräte erkennen Adressen und Orte von besonderem Interesse nahezu fehler­frei. Ortsun­kundige sagen „Bring mich zur nächsten Tank­stelle“, und Tomtom plant die Route. Einziger Haken: Der Fahrer muss die Sprach­erkennung manuell einschalten, indem er das Mikrofon­symbol auf dem Tomtom-Bild­schirm berührt. Beim Garmin nüvi 3590LMT startet die Sprach­erkennung auf Zuruf. Die Hände bleiben am Lenk­rad, die Konzentration beim Verkehr. Das Garmin erkennt Sprach­eingaben ähnlich gut wie Tomtom-Navis, reagiert nur etwas lang­samer. Sowohl für Tomtom als auch für Garmin gilt: Mit etwas Übung funk­tioniert die Eingabe per Sprache einfacher als die manuelle.

Ganz anders Becker: Die Geräte analysieren Adressen lang­sam – im Schnitt 10 Sekunden. Eine verbale Rück­meldung geben sie nicht. Auf dem Bild­schirm erscheint bei Unklarheiten eine Vorschlags­liste. Der Fahrer muss das Ziel mit dem Finger antippen. Kein Vorteil gegen­über manueller Eingabe.

Displays reagieren auf Berührungen

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Halterung. Tomtom Via (oben) hängt dicht an der Scheibe. Becker Professional 50 steht weiter ab. Praktisch für Minivans, wo die Scheibe weit weg ist.

Halterung. Tomtom Via (oben) hängt dicht an der Scheibe. Becker Professional 50 steht weiter ab. Praktisch für Minivans, wo die Scheibe weit weg ist.

Auch die Bild­schirme entwickeln sich weiter. Das Garmin nüvi 3590LMT nutzt ein kapazitives Display. Bei Berührung entsteht ein geringer Ladungs­trans­port, den das Gerät misst. Den Ort der Berührung kann es sehr genau bestimmen. Folge: Ähnlich wie Bild­schirme moderner Smartphones und Tablets reagiert das Navi besonders empfindlich auf Berührungen. Es genügen leichte Fingertipps. Außerdem bietet der Bild­schirm viele Pixel: 800 x 480. Vorteil: Garmin nutzt die hohe Auflösung für detailreichere Karten.

Die übrigen Navigations­geräte im Test nutzen resistive Bild­schirme: Elektrische Signale entstehen durch Druck. In der Vergangenheit waren diese Displays wenig feinfüh­lig. Doch inzwischen nehmen fast alle resistiven Bild­schirme selbst leichte Berührungen wahr – beinahe so empfindlich wie kapazitive Bild­schirme. Einzig das Navgear Streetmate braucht manchmal mehrere Berührungen, bis es reagiert. Beim Adressentippen brauchen Nutzer reichlich Geduld. Hinzu kommt: Viele Bedien­symbole befinden sich am Rand des Bild­schirms. Dort ist das Navgear besonders unempfindlich.

Bei der Größe eifern manche Navis Tablets nach. Zwei Geräte im Test bieten mehr als 15 Zenti­meter Bild­diagonale: Tomtom Start 60 und Navgear Streetmate. Für zusätzliche Informationen auf den Karten nutzen sie ihre Größe jedoch nicht.

Neu kaufen oder aktualisieren?

Aus Sicht der Umwelt sollten Auto­fahrer ihr altes Navigations­gerät nutzen und aktualisieren, bis es kaputt­geht. Aus Sicht des Geldbeutels sollten sie jedoch ein neues Gerät mit kostenlosen lebens­langen Karten­updates kaufen. Sie bekommen ein ausgereifteres Navi und fahren nie mehr wegen veralteter Karten in die Irre.

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