Navi Test

Auch Smartphones können navigieren, sogar ohne Aufpreis. Manche Hand­ylösungen machen das nicht schlechter als richtige Navis. Die haben trotzdem ihre Berechtigung.

Ende Januar 2010 sorgte Nokia für einen Durch­bruch bei der Hand­ynavigation. Der finnische Hand­ymarkt­führer stellte die bis dahin kosten­pflichtige Navigations­funk­tion des Karten­programms Ovi Maps für einige Smartphonemodelle gratis zur Verfügung. Seither haben etliche Nokia-Handys eine voll­wertige Navigations­software an Bord. Früher kostete der Dienst ab 9 Euro im Monat, nun ist er inklusive.

Nokia zuerst, die anderen folgten

Das Angebot war auch ein Versuch, verlorene Markt­anteile auf dem Smartphone-markt zurück­zuer­obern. Konkurrenz­produkte wie Apples iPhone und Googles Smartphone-Betriebs­system Android hatten Nokia zuvor zunehmend in Bedräng­nis gebracht. Die kostenlose Navigation gab Nokia ein neues Allein­stellungs­merkmal.

Doch andere Anbieter zogen nach: Google veröffent­lichte eine Version seines Gratis-Karten­programms mit Routenführung für sein Handy­betriebs­system Android. Der Netz­betreiber Telekom tat sich mit dem Navianbieter Navigon zusammen. Sie brachten eine abge­speckte Version der Hand­ynavigation von Navigon heraus, die Telekom-Kunden mit iPhone oder Android-Handy kostenlos nutzen können. Und der Navianbieter Garmin entwickelte zusammen mit dem Computer­hersteller Asus gar ein eigenes Handy.

So sind nun viele Smartphones ohne Aufpreis auch zum Navigieren einsetz­bar. Aber können sie die klassischen Navigations­geräte ersetzen? Neben zehn reinen Navis haben wir vier Smartphones mit Navi­funk­tion geprüft.

Zwei verschiedene Techniken

Bei der Navigation mit dem Handy gibt es zwei grund­legend verschiedene Techniken: die Onboard- und die Offboardlösung.

Onboard. Bei den Onboardlösungen von Garmin, Navigon und Nokia ist das Kartenmaterial auf dem Handy gespeichert, und die Routenbe­rechnung erfolgt auf dem Gerät – es wird zum eigen­ständigen Navi.

Offboard. Bei der Offboardlösung von Google leitet das Handy die Routen­anfrage über eine Daten­verbindung an die Rechner von Google weiter, wo auch das Kartenmaterial liegt. Vorteil: Die Routenbe­rechnung erfolgt immer mit dem neuesten Kartenmaterial. Nachteil: Es entsteht kosten­pflichtiger Daten­verkehr zwischen Handy und Navigations­rechner. Im Stadt­verkehr fielen auf unseren Test­fahrten Daten­mengen von rund 20 Kilobyte pro Kilo­meter an.

Offboard nicht für Auslands­reisen

Wer eine solche Offboardnavigation nutzt, braucht einen passenden Daten­tarif (siehe Test Handytarife, test 01/2011). Im Ausland ist Google Maps Navigation kaum sinn­voll nutz­bar. Es gibt zwar Kartenmaterial für West­europa, aber sobald sich das Handy in einem ausländischen Mobil­funk­netz befindet, explodieren die Kosten für die Daten­über­tragung.

Daten­kosten auch bei Onboard

Onboard­systeme sind nicht auf eine Daten­verbindung angewiesen. Doch auch bei ihnen kann Daten­verkehr entstehen. Zum Beispiel durch Live-Dienste, wie sie auch etliche Navis inzwischen per Mobil­funk empfangen können (siehe Text Verkehrsdienste. Außerdem können viele Handys die GPS-Ortung mit Zusatz­informationen über aktuelle Satelliten­positionen unterstützen oder mit Ortungen über WLan-Netze ergänzen. Auch dabei kann Daten­verkehr entstehen, der besonders im Ausland zur Kostenfalle werden kann. Beim Nokia-System lassen sich die Ortungs­methoden einzeln abschalten. Auf Auslands­reisen empfiehlt es sich, alle außer dem reinen GPS zu deaktivieren. Beim iPhone und auf Android-Handys gibt es in den System­einstel­lungen die Möglich­keit, Daten­verbindungen im Ausland („Daten­roaming“) komplett zu unterbinden.

Schwächen bei den Ansagen

Navi Test

Sprachengewirr: Manche Ziel­eingaben akzeptiert das a-rival nur in kyril­lischer Schrift.

Sprachengewirr: Manche Ziel­eingaben akzeptiert das a-rival nur in kyril­lischer Schrift.

Die Ansagen über die kleinen Laut­sprecher mancher Handys sind nicht immer gut verständlich. Den besten Laut­sprecher unter den geprüften Smartphones bietet Garmin-Asus. Besonders beim Nokia X6 gehen Ansagen dagegen schon einmal im Verkehrs­lärm unter, da sein Laut­sprecher recht leise ist. Gerade in unüber­sicht­lichen Verkehrs­situationen sind seine Ansagen außerdem zuweilen verspätet oder unklar.

Eine andere Schwäche teilt das Nokia-Programm mit dem von Google: Für die Ziel­eingabe gibt es nur eine einzige Eingabezeile. Hier tippt der Nutzer alles ein und erhält dann eine Liste von Sucher­gebnissen. Die Programme der Navispezialisten Garmin und Navigon bieten die vom klassischen Navi gewohnten Eingabemasken für Stadt, Straße und Haus­nummer.

Drei mit guter Routenführung

Insgesamt schlagen sich die Hand­ylösungen im Vergleich mit reinen Navis nicht schlecht. Drei schaffen eine gute Routenführung. Auch beim Navigon funk­tioniert sie bestens – solange der Fahrer nicht von der berechneten Route abweicht. Dann will das Programm hartnä­ckig auf die alte Route zurück, bevor es eine neue berechnet. Das Google-Programm stellt die Routenführung einfach ein, solange etwa in einem Tunnel keine GPS-Verbindung mehr besteht. Diese Macke teilt es allerdings mit dem Falk-Navi und dem Navigon 70 Premium. Ärgerlich: Nur bei Garmin-Asus und bei Nokia gibt es eine Anleitung für die Navigations­software, bei den anderen Smartphone-Navigations­lösungen nicht.

Für Gelegen­heits­navigierer

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Verkehrs­dienste: Umleitungs­empfehlung von Navigon bei Stau.

Verkehrs­dienste: Umleitungs­empfehlung von Navigon bei Stau.

Zumindest für Gelegen­heits­nutzer sind die Smartphones mit Navigations­funk­tion eine brauch­bare Alternative zum klassischen Navi. Dennoch haben die reinen Navis nicht ausgedient. Besonders Vielfahrer werden den Komfort besserer Anzeigen und verständlicherer Ansagen sowie die insgesamt bessere Hand­habung schätzen.

Anders als ein Navi trägt man sein Handy meist bei sich. Aus diesem Grund haben wir bei den Hand­ylösungen auch die Routenführung für Fußgänger geprüft. Das iPhone mit der Navigon-Software sagt die Route meist zum richtigen Zeit­punkt an, das Garmin-Asus meist zu spät, das HTC mit Google Maps Navigation zu früh und das Nokia mal zu früh und mal zu spät.

Die besten Fußgängernavigierer

Dafür erkennen das Navigations­handy von Garmin-Asus und Google Maps Navigation auf dem HTC-Handy am schnellsten, wenn der Fußgänger seine Richtung ändert und von der Route abweicht. Insgesamt schlagen sich Google Maps Navigation auf dem HTC und Navigon Select auf dem iPhone im Fußgängermodus am besten.

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