Navi Test

Unterwegs mit den Navigations-Apps von ALK Copilot, Sygic, V-Navi, Skobbler und Garmin (von links).

Neue Smartphones haben kostenlose Navigations­dienste vorinstalliert. Warum also eine Navi-App kaufen? Der Test belegt: Gekaufte Apps navigieren besser.

Millionen iPhones haben Apple Karten an Bord. Auf jedem neuen iPhone ist das Programm vorinstalliert. Auch wer das Betriebs­system seines iPhone 4S aktualisiert, bekommt die App. Im Vergleich der 19 Navi-Apps schneidet sie allerdings als eine der schlechtesten ab.

Apples Navi-App zeigt nur kleine Ausschnitte der Karten – auf Auto­bahnen rund 500 Meter. So lässt sich das nächste Manöver kaum vorhersehen. Apple Karten bietet auch keinen Assistenten, der die richtige Spur weist. Außerdem fehlt Kontrast. Die blaue Route auf grauem Hintergrund fällt bei Sonnenlicht kaum auf. Bei Dunkelheit bleiben die Farben unver­ändert. Einen Nacht­modus kennt Apple Karten nicht.

Etwas besser sieht es für Nutzer von Android-Smartphones aus: Auf ihren Geräten ist Google Maps installiert. Das Programm führt zuver­lässiger zum Ziel. Anzeigen sind deutlicher zu erkennen. Adressen lassen sich einfach eingeben; Google Maps erkennt sie selbst mit Tipp­fehlern.

Einen Haken hat sowohl Google Maps als auch Apple Karten: Die Karten liegen nicht an Bord der Smartphones. Zum Berechnen und Navigieren rufen sie neueste Karten im Internet ab. Dafür brauchen sie eine Daten­verbindung. Auf 120 Kilo­metern verursachte Google Maps bis zu 10 Megabyte Daten­verkehr, Apple Karten 9 Megabyte. Vielfahrer schöpfen damit womöglich das Inklusivvolumen ihrer Flatrate aus. Im Ausland entstehen Roaming­kosten: inner­halb der EU bis zu 83 Cent je Megabyte, ab 1. Juli bis zu 53 Cent je Megabyte. Außer­halb der EU, zum Beispiel in der Schweiz, kostet das Megabyte bis 10 Euro.

Genug Gründe für eine Navi-App mit Karten an Bord. Neben Apple Karten und Google Maps zeigt der Test 16 Programme für die Betriebs­systeme iOS, Android und Wind­ows Phone. Sie kosten 0 bis 90 Euro – und haben ihre Karten stets dabei.

Wir haben die Apps auf besonders guten Smartphones geprüft: auf iPhone 5, Samsung Galaxy S III und Nokia Lumia 920. Sie verfügen über helle Bild­schirme, auf denen selbst bei Tages­licht etwas zu erkennen ist. Dank ihrer kraft­vollen Prozessoren berechnen sie Routen in wenigen Sekunden. Auf einfachen Smartphones beein­drucken die Apps weniger.

Je teurer, desto besser

Am besten lotst Tomtom durch den Verkehr. Die Anzeigen sind deutlich, Ansagen kommen zum perfekten Zeit­punkt. Das Menü ist sehr einfach zu bedienen. Tomtom für iOS erkennt auch Sprache – allerdings nur mit Internet­verbindung und schlechter als die Tomtom-Geräte aus test 2/2013. Mit 90 Euro im App Store und 70 Euro bei Google Play gehört Tomtom allerdings zu den teuersten Navi-Apps. Fast genauso gut führt iGo für 65 Euro iPhone-Nutzer durch den Verkehr. Android-Nutzer sparen mit Navigon, das 60 Euro kostet, oder mit Sygic, das für 50 Euro zu haben ist. Diese Apps navigieren nicht nur besser als kostenlose, sie bieten auch mehr Komfort: Spurassistent, Ansage von Straßennamen und Fußgängernavigation sind Stan­dard.

Kostenlose Apps: Ziel verfehlt

Anders die Billig-App von Skobbler sowie die kostenlosen Apps von Mapfactor und Navfree: Sie lesen weder Straßennamen vor noch haben sie einen Spurassistenten. An kniff­ligen Abzweigungen nimmt der Fahrer leicht die falsche Ausfahrt.

Navi Test

Geister­fahrt. Am Kreis­verkehr empfahl Navfree für iOS „Links abbiegen“.

Hinzu kommt: Navfree kennt keine Haus­nummer, Mapfactor nur wenige. Die Apps führen nur in die richtige Straße. Die Haus­nummer soll der Fahrer selbst finden – bei langen Straßen ein Problem. Alternativ bieten Navfree und Mapfactor die Eingabe einer Kreuzung oder Sehens­würdig­keit. Der Fahrer soll seiner Navi-App assistieren – zum Beispiel mit einem Stadt­plan auf den Knien. Das aber ist nicht das Ziel einer Navigations-App. Unser Urteil: täglicher Gebrauch nur ausreichend.

Mapfactor, Navfree und Skobbler nutzen kostenlose, für jedermann zugäng­liche Karten von Open­streetmaps. Freiwil­lige Helfer erstellen sie. Dafür fallen keine Lizenz­gebühren an. Die Karten sind nur so genau wie die ehren­amtlichen Kartografen arbeiten. So fehlen teil­weise eben Haus­nummern, oder die Navfree-App für iOS empfiehlt am Kreis­verkehr: „links abbiegen“.

Daten­verkehr ausschalten

Navi Test

Werbebanner. Sie finanzieren die kostenlose App von Navfree für iOS.

Smartphones navigieren mithilfe des satelliten­gestützten globalen Positionierungs­system (GPS). Kosten fallen dafür nicht an. Die Ortung dauert aber lange, besonders bei plötzlichen Orts­wechseln, etwa bei Tunnel­durch­fahrten. Diese Schwäche gleicht das Smartphone mit dem Mobil­funk­netz aus. Über Funk­masten bestimmt es seine Position und bekommt Informationen über die Stellung der Satelliten (assistiertes GPS). Dabei entstehen selbst bei der Onboard-App kleine Mengen Daten­verkehr. Auf 120 Kilo­metern lud iGo Primo 270 Kilobyte, Nokia Drive+ 570 Kilobyte. Im Inland ist das mit einer Flatrate kein Problem. Im Ausland berechnet der Netz­betreiber Roaming­gebühren. Wer das nicht will, sollte die Daten­verbindung ausschalten.

Das hat einen weiteren Vorteil: Die App kann keine Informationen schi­cken. Einige senden Gerätekennung und Nutzungs­statistiken. Zum Navigieren ist das unnötig. Manche Onboard-Apps senden außerdem Stand­ort oder Ziel­adresse. Der Anbieter sammelt so geld­werte Daten. Wir bewerten das alles kritisch. Sehr kritisch ist der Daten­schutz bei Falk: Die App über­trägt Benutzer­namen und Pass­wort unver­schlüsselt. In ungeschützten WLan-Netzen können Daten­diebe mitlesen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 68 Nutzer finden das hilfreich.