Navi Test

Den Weg zum eingegebenen Ziel finden alle Navis im Test. Sie unterscheiden sich aber bei der Ausstattung, Bedienung und dem Kartenmaterial.

Bitte jetzt links abbiegen, sagt die freundliche Frauenstimme aus dem Navi. Wer sich auf einem vielspurigen Boulevard nun aber ganz rechts befindet, dürfte Schwierigkeiten haben, die Kurve zu kriegen. Viele fahren in solchen Situationen noch einmal um den Block. Solche Umwege ersparen die neuen Navigationsgeräte Autofahrern mit einem Spurassistenten. Der hilft durch Anzeige im Display, sich bereits einige Hundert Meter vor der Kreuzung oder Abzweigung in die richtige Fahrspur einzu­ordnen. Schon jedes zweite Navi in diesem Test verfügt über einen solchen Assistenten.

Eins kennt sich aus in Nordamerika

Navi Test

Nützliche Zusatzinformationen: In der Karte werden auch die erlaubte Höchstgeschwindigkeit und die richtige Fahrspur für die nächste Abzweigung angezeigt

Dank sinkender Preise waren Navigationsgeräte auch im Vorweihnachtsgeschäft ein wahrer Renner. Für 2008 rechnet der Handel mit einem Verkauf von 4,5 Millionen Navis. Wir haben 14 aktuelle Modelle zu Preisen von 150 bis 460 Euro untersucht. Alle getesteten Geräte verfügen über eine Europakarte, die bis zu 43 Länder umfasst. Das Kartenmaterial zeigt sowohl die Verbindungsstraßen zwischen den Orten an als auch komplette Stadtpläne.

Medion GoPal, Blaupunkt TravelPilot und Mio Moov enthalten jedoch nur Kartenmaterial für die westeuropäischen Länder, während Tom Tom Go 930, Testsieger neben Navigon 7210, sogar im Nordamerika-Urlaub navigiert. Aber Achtung: In einigen US-Bundesstaaten, zum Beispiel in Kalifornien, ist die Befestigung eines Navis an der Frontscheibe verboten. Zu einigen Testmodellen gibt es Varianten, die sich oft nur durch das Kartenmaterial unterscheiden (siehe Tabelle).

Eins hat ein Gyrometer

Audio
Audio abspielenLautstärke einstellen

Den genauen Standort des Fahrzeugs errechnet das Navi aus Signalen, die es von mehreren Satelliten des weltumspannenden GPS-Netzes (Global Positioning System) empfängt. Zur Ortung ist ein freier „Blick“ zum Himmel auf gleichzeitig mindestens 3 der 24 Satelliten erforderlich. Für mobile Navis ist ein guter GPS-Kontakt besonders deshalb wichtig, weil sie im Unterschied zu festeingebauten Systemen keine zusätzlichen Tachosignale über die zurückgelegte Strecke erhalten und meist auch Richtungsänderungen nicht erfassen. Bei fehlendem GPS-Signal kann ein Gyrometer Richtungs- und Geschwindigkeitsänderungen registrieren, auch im Tunnel oder Parkhaus. Von den Navis im Test hat aber nur das Tom Tom Go 930 ein Gyrometer.

Eins ist vielseitig ausgestattet

Navi Test

Bei Dunkelheit soll die Helligkeit des Displays in den Nacht-Modus umschalten.

Mobile Navis sind im Vergleich zu festeingebauten meist preiswerter und haben den Vorteil, dass man sie nicht nur in einem einzigen Auto verwenden kann. Mit Ausnahme von Blaupunkt und Mio machen alle Anbieter darauf aufmerksam, dass ihr Navi auch nutzbar ist, wenn man als Fußgänger oder Radler unterwegs ist. Besondere Flexibilität verspricht das Garmin nüvi 550: Gleich vier Modi sind einstellbar, neben Auto noch Fahrrad, Fußgänger und Sportboot. Ein wasserdichtes Gehäuse und der auswechselbare Akku mit besonders langer Laufzeit unterstreichen seine Offroad-Eignung. Topografische oder Seekarten gehören jedoch ebenso wenig zum Lieferumfang wie eine Fahrradhalterung und ein USB-Kabel oder ein Netzladekabel. Das ist außerhalb des Autos nützlich, wenn der Akku leer ist. In der Wertungsgruppe Vielseitigkeit erreicht nur das Falk F10 die Note „gut“. Es bietet nicht nur ein Netzladekabel, sondern unter anderem auch TMCpro (siehe Glossar) und eine Freisprecheinrichtung, es kann MP3-Musik, Fotos und Videos wiedergeben (siehe Ausstattungstabelle). Den besten MP3-Spieler im Test hat der Blaupunkt TravelPilot 300.

Befestigen und anschließen

Navi Test

Schöne Werbewelt: Der übliche Kabelsalat mobiler Navis wird in der Regel nicht gezeigt.

Bedient werden die Navis durch Berühren des Bildschirms (Touchscreen). Sie müssen im Auto also in Reichweite montiert sein. Mittig unten an der Frontscheibe mit einem Saugnapfhalter fixiert, kann das zum Beispiel bei Vans zu weit vom Fahrer entfernt sein. Besonders bei Modellen mit den kleineren 3,5-Zoll-Displays (89 Millimeter) sind Textinformationen wie Entfernungs- und Geschwindigkeitsangaben dann nur noch schwer lesbar. Tipp: Machen Sie sich schon vor dem Kauf Gedanken über die optimale Größe des Navis. Für die drei kleineren Geräte, die wir in der Tabelle als eigene Gruppe zusammengefasst haben, findet sich im Armaturenbereich des Autos leichter ein Plätzchen, während Geräte mit größeren Displays mitunter den Blick auf die Straße beeinträchtigen, dafür aber meist besser ablesbar sind.

Mit speziellen Gerätehaltern aus dem Zubehörhandel, die auf das Armaturenbrett geklebt oder in die Lüftungsgitter geklemmt werden, behindert das Navi nicht die Sicht des Fahrers nach vorn und ist deutlich besser zu erreichen. Nur so ist auch die Funktion sinnvoll, das Display als Freisprecheinrichtung für ein Handy zu nutzen. Die Übertragung der Telefonsignale vom kompatiblen Handy erfolgt per Bluetooth, also drahtlos. Der Kabelsalat mobiler Navigationsgeräte im Auto ist dennoch ein oft kritisiertes Thema. Je nach Position des Navis und der Entfernung zum Zigarettenanzünder, der zur Stromversorgung dient, kann die Leitung störend über Lenkrad, Schalthebel oder Handbremse führen.

Ein zweiter Draht, die TMC-Antenne für den Empfang der Staumeldungen, wird meist mit Gummisaugern an der Frontscheibe befestigt. Bei Navigon 7210 und Navigon 2150 max sowie dem Garmin nüvi 860TFM ist die Antenne in das Ladekabel integriert, was einen von zwei Drähten einspart. Ein weiteres Kabel kann indes erforderlich sein, wenn der Empfang der GPS-Signale im Auto gestört ist, zum Beispiel durch eine metallbedampfte Sonnenschutz-Frontscheibe. Die Navianbieter empfehlen in solchen Fällen eine externe GPS-Antenne, die magnetisch oder mit Klebepad außen an der Karosserie haftet und per Kabel mit dem Navi verbunden wird.

Aus Sicherheitsgründen sollen Navigationsgeräte nicht während der Fahrt bedient werden. In den Gebrauchsanleitungen sind entsprechende Warnhinweise enthalten. Bei manchen sind die Bedienfunktionen während der Fahrt gesperrt. Geräte, auf die das nicht zutrifft, erhielten im Wertungspunkt Sicherheitseinrichtungen „mangelhaft“. Einzelne Funktionen des Tom Tom Go 930 und des Garmin nüvi 860 lassen sich per Fernbedienung steuern.

Nützliches Notebook

Wer keinen Computer mit DSL-Anschluss besitzt, kann viele Navis nur sehr eingeschränkt nutzen. Ein Computer mit CD/DVD-Laufwerk und Kartenleser ist nützlich, um zum Beispiel Kartenmaterial zu aktualisieren oder zusätzliche Daten auf die Speicherkarte des Navis zu laden wie zum Beispiel MP3-Dateien. Aber auch das vollständige Benutzerhandbuch befindet sich in der Regel auf der beigefügten CD oder als Download im Internet. Die gedruckten Anleitungen fallen je nach Anbieter und Modell sehr unterschiedlich aus – umfangreich beim Medion und NavGear, kurz und dennoch hilfreich beim Garmin nüvi 860 und Tom Tom XL oder auf das Nötigste beschränkt wie beim Navigon 2150 max. Wohl dem, der dann ein Notebook auf dem Beifahrerplatz hat, um das Navi anhand der virtuellen Anleitung Schritt für Schritt in Betrieb zu nehmen.

Nicht im Fahrzeug lassen

Navis sind nicht nur bei der zahlenden Kundschaft beliebt, sondern auch bei Langfingern. „Lassen Sie Ihr mobiles Navigationsgerät und Ihr Mobiltelefon nicht im Fahrzeug. Erfahrene Diebe kennen jedes Versteck“, mahnt die Polizei im Netz unter www.polizei-beratung.de. Im Unterschied zu den festeingebauten Navis ist der Diebstahl eines mobilen Geräts nicht durch die Kaskoversicherung gedeckt. Die Sicherung eines solchen Navis durch einen Pin-Kode oder Fingerabdruck verhindert bestenfalls die unbefugte Inbetriebnahme, aber nicht den Diebstahl. Stellt man das Auto ab, sollte man das Navigationsgerät deshalb herausnehmen oder wenigstens im Handschuhfach oder Kofferraum verbergen.

Noch aus einem weiteren Grund ist es ratsam, Navigationsgeräte beim geparkten Auto aus der Halterung zu nehmen. Sie vertragen keine extrem hohen Temperaturen, worauf die meisten Anbieter auch mit Warnhinweisen aufmerksam machen. Vor allem das Überhitzen der Lithium-Ionen-Akkus kann zu Betriebsstörungen führen. Bei direkter Sonneneinstrahlung ist es im Hochsommer gerade zwischen Frontscheibe und Armaturenbrett des Autos am heißesten, wenn der kühlende Luftstrom aus den Düsen der Klimaanlage fehlt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1152 Nutzer finden das hilfreich.