Navi Test

Für Autofahrer sind Navis Standard, für Wanderer und Radfahrer im Kommen. Diese Navis halten Kurs, sind aber nicht einfach zu nutzen.

Wer die Autonavigation kennt und sich einen Satellitenempfänger für Wander- oder Radtouren kauft, wird erst einmal enttäuscht sein. So einfach wie im Auto – Zieladresse eingeben und schon wird die Route angezeigt – ist es hier bei weitem nicht. Dabei kosten diese Gelände-Navis zwischen 249 und 600 Euro. Sie enthalten meist nur sehr einfache Welt- oder Europakarten, aber keine Routen. Die muss der Nutzer, der kein Technikverächter sein sollte, selbst beisteuern. Entweder er programmiert die Tour auf dem Navi, oder er bereitet sie am Computer vor, was meist komfortabler ist. Dafür kann er sich eine der zahlreichen Rad- und Wandertouren aus dem Internet her­unterladen, die von Verbänden und Tourismusregionen kostenlos zur Verfügung gestellt werden, zum Beispiel über www.gps-tour.info, www.gps-tracks.com oder www.gpsies.com, oder er bastelt sich seine eigene Route am Computer. Eine spezielle Software und eine digitale Karte sind dabei hilfreich, sie müssen aber oft dazugekauft werden. Per Mausklick werden auf der Karte Wegpunkte markiert, die in ihrer Gesamtheit die Route ergeben.

Die Tour erscheint auf dem Navigationsgerät als Linie, der man auch mit einfachem Kartenhintergrund folgen kann. Interessanter ist es aber, wenn das Navi eine detaillierte topografische Karte enthält, auf der der Nutzer sehen kann, wo er sich befindet und wie die Umgebung aussieht. Aber nur der Spitzenreiter der Gelände-Navis im Test, Garmin Oregon 400t, hat eine „sehr gute“ topografische Europakarte inklusive.

Problemlos zurückfinden

Besitzer eines GPS-Empfängers können sich kaum verlaufen, denn die Navis zeigen die Position genau an und können die zurückgelegte Strecke auch aufzeichnen. So finden beispielsweise Pilzsammler problemlos zu ihrem Auto zurück. Diese Navis sprechen aber nicht. Und nur manche warnen akustisch, wenn man von der Route abweicht. Der Nutzer sollte also selbst darauf achten, schön auf der Linie zu bleiben.

Orientierung per Satellit

Navi Test

Basis der Navigation ist das Global Positioning System (GPS, satellitengesteuertes System zur weltweiten Positionsbestimmung). Einst für militärische Zwecke in den USA entwickelt, kann es seit 1995 auch für zivile Anwendungen genutzt werden – sogar kostenlos. Es basiert auf mindestens 24 Satelliten, die in 20 000 Kilometer Höhe die Erde zweimal pro Tag umkreisen, ständig ihre Position und Zeit ausstrahlen. Mit den Signalen lässt sich nicht nur die Position, sondern auch Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung des Empfängers bestimmen – auf wenige Meter genau. Ein korrekter Empfang ist nur bei direkter Sichtverbindung zum Himmel möglich.

Während jährlich etwa 3,6 Millionen Navis für Autos verkauft werden, ist der Markt für die Geländegeräte noch recht klein. Zwei amerikanische Firmen dominieren ihn: Garmin und Magellan. Wir haben zehn GPS-Empfänger dieser Anbieter getestet, darunter zwei Kfz-Navis, die auch für den Einsatz im Freien angepriesen werden, außerdem noch drei Besonderheiten: zwei GPS-Armbanduhren und ein GPS-Handy.

Die getesteten Modelle sind robust und damit für den Einsatz im Freien geeignet. Sie halten fast jeder Witterung stand und vertragen auch mal einen Sturz. Bei einigen Modellen könnte das Display aber kratzfester sein (siehe Testtabelle).

Wandern am Teufelssee

Im Berliner Grunewald in der Nähe des Teufelssees haben wir die Wandertauglichkeit der Navis getestet. Zunächst wurden dafür die geografischen Koordinaten von charakteristischen Wegpunkten aufge­nommen. Sie bildeten die Grundlage für zehn Wanderrouten von 2,5 bis 3 Kilometer Länge. Die Routen haben wir mit der entsprechenden Software (Garmin MapSource und Magellan Vantage Point) auf die Navis übertragen. Bei den Kfz-Navigationsgeräten mussten sie direkt eingegeben werden, da hier eine Übertragung vorbereiteter Routen nicht möglich ist. Vier Tester schritten dann die Wanderrouten ab, und zwar 13-mal, um jedes der ausgewählten Modelle (einschließlich der Besonderheiten) zu beurteilen.

Um die Eignung für Radtouren zu prüfen, wurde auf alle Navis, bei denen es möglich war, eine detaillierte Straßenkarte geladen (Garmin: City Navigator Europa NT, Magellan Crossover: NavStreets) und eine Route programmiert. Auf ihr mussten die Tester bestimmte Ziele anfahren. Garmin eTrex Summit und die Magellan-Triton-Geräte haben kein automatisches Routing, daher folgten die Tester einer vom Testleiter aufgezeichneten Strecke.

Sieger für Wander- und Radtouren

Testsieger beim Wandern sind die beiden Garmin eTrex Navis. Bei den Fahrradtouren verließ Garmin Edge 705 das Rennen als eindeutiger Sieger, und er lag auch bei der Mountainbikeprüfung vorn. Für die Kfz-Navigation, die exemplarisch geprüft wurde, sind die meisten Gelände-Navis wenig geeignet. Nur der vielseitige Garmin Colorado schneidet hier zufriedenstellend ab. Erwartungsgemäß sind die beiden Auto-Navis im Straßenverkehr am besten.

Navis für Wanderer und Radler sind komplizierte Geräte, mit denen man sich eine Weile beschäftigen muss, um alle Funktionen zu verstehen. Eine gute Gebrauchsanleitung ist da sehr hilfreich. Doch daran mangelt es. Kaum ein Gerät wird noch mit einer gedruckten Anleitung geliefert, sondern mit einer CD, auf der die Texte in verschiedenen Sprachen gespeichert sind. Für vier Navis kann die Gebrauchsanleitung nur im Internet heruntergeladen werden: Magellan Triton 500, Triton 2000 und Crossover und Garmin nüvi.

Wenn die Puste zu schnell ausgeht

Bei der Handhabung stören vor allem schlecht strukturierte Menüs, kleine und eng beieinander liegende Bedienknöpfe und das teilweise sehr langsame Vergrößern oder Verkleinern der Karte.

Nur vier Modelle, meist größere Geräte, haben ein gut lesbares Display: die beiden Kfz-Navis, Garmin GPSmap und Garmin Edge 705. Das große Display des Garmin Colorado ist aber schlecht beleuchtet.

Eine wichtige Frage beim Einsatz im Freien: Wie lange hält die Stromversorgung? Zwei Navis geht zu schnell die Puste aus. Bei Magellan Triton 2000 und Garmin nüvi 550 kann die Wanderung oder Radtour nach rund fünf bis sechs Stunden mangels Strom zu Ende sein. Die Besten sind dagegen bis zu 24 Stunden funktionstüchtig.

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