Navi Test

Billig und beliebt: 12 der 15 tragbaren Navigationsgeräte im Test navigieren „gut“ oder besser, doch es gibt Patzer bei der Handhabung. Der Sinn mancher Extras bleibt im Dunkeln.

Tragbare Navigationsgeräte erleben derzeit einen richtigen Boom: Zwei Millionen Stück wurden im vergangenen Jahr in Deutschland verkauft, viermal so viele wie im Vorjahr. Die tragbaren Routenfinder sind zu einem Lieblingsspielzeug deutscher Autofahrer geworden und haben die fest eingebauten weit hinter sich gelassen. Der Hauptgrund dafür liegt sicherlich im Preis: Während ein festeingebautes System mehrere Tausend Euro kosten kann, sind tragbare schon für weniger als 300 Euro zu haben.

Mit diesem Preisunterschied erkauft man allerdings auch Nachteile. Festeingebaute Navigationsgeräte sind im Idealfall perfekt in die Bordelektronik integriert. Das bedeutet nicht nur mehr Komfort – so werden zum Beispiel laufende Radiosendungen für Navigationsansagen unterbrochen – es bringt auch Vorteile für die Navigation selbst: Die Bordelektronik liefert Informationen über Reisegeschwindigkeit und Bewegungsrichtung, die festeingebaute Navigationsgeräte zusätzlich zu den Signalen der GPS-Satelliten zur Positionsbestimmung nutzen können. Die Tragbaren bekommen diese Daten nicht und sind allein auf GPS angewiesen.

In unserem Test sollen die Navis zum Mitnehmen nun in der Praxis zeigen, was sie können. Im Mittelpunkt stehen 15 Geräte zwischen 260 und 600 Euro. Neben Platzhirschen wie Medion, Navigon und TomTom sind auch Exoten wie der ultrakompakte Pocket Loox von Fujitsu Siemens oder ein Navi des Handy-Marktführers Nokia dabei. Außerdem im Test: zwei Navigationslösungen für Handys (siehe „Handy-Navigation“).

Einbauen

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Eingabe: Übersichtlich: Das Startmenü des Becker-Navi.

Ein großer Vorteil der tragbaren Navis gegenüber festeingebauten Geräten: Sie lassen sich auch von Laien mit ein paar Handgriffen montieren – besonders praktisch, wenn man sein Navi in mehreren Autos nutzen will. Man muss lediglich den mitgelieferten Halter per Saugnapf an der Windschutzscheibe festmachen, das Navi einsetzen, und es kann losgehen.

Zum Aufladen des Akkus oder für längere Fahrten, die die Akkulaufzeit übersteigen, muss man zusätzlich das Stromkabel an die Buchse für den Zigarettenanzünder anschließen. Bei Geräten, die Verkehrshinweise des TMC-Systems (Traffic Message Channel) empfangen können, empfiehlt sich das ohnehin, da das Stromkabel meist auch als TMC-Antenne dient. Nachteil: Über der Mittelkonsole baumelt ein hässliches Kabel. Wer damit nicht leben kann, wird auf die Dauer um ein Gerät zum Festeinbau nicht herumkommen.

Satellitenempfang

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Fummelig: Die kleine Tastatur auf dem Bildschirm des Fujitsu Siemens Pocket Loox.

Die Signale der GPS-Satelliten empfangen die Navis standardmäßig über eine eingebaute Antenne. Probleme kann es da bei Fahrzeugen mit metallbedampfter Frontscheibe geben, die die GPS-Signale stark abschirmt. Für solche Fälle haben alle Geräte im Test außer dem Blaupunkt eine Buchse, an die man eine externe GPS-Antenne anschließen kann.

Zieleingabe

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Anzeige: Trotz des großzügig dimensionierten Displays krankt die Routenanzeige beim ViaMichelin an geringer Schriftgröße und unrealistischer Perspektivdarstellung.

Das Reiseziel tippt man über eine virtuelle Tastatur auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm ein. Bei den meisten geht das komfortabel mit dem Zeigefinger. Nur beim Fujitsu Siemens zeigt sich der Nachteil des handlichen Jackentaschenformats: Das Display ist so klein, dass man den mitgelieferten Eingabestift braucht. Üblicherweise gibt es für den Zielort Eingabemasken für Straße, Ort und Land, die die Auswahl schon während der Eingabe sinnvoll eingrenzen. Unpraktisch: Bei Nokia muss man die komplette Zieladresse auf einmal eintippen – und bekommt dann oft eine viel zu lange Liste möglicher Ziele angeboten.

Routenfindung

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Die Errechnung der Route geht mal schneller, mal langsamer, doch das Ergebnis ist in den meisten Fällen überzeugend. Auch unterwegs auf den Testfahrten schlagen sich die meisten Geräte wacker. Nur das Billiggerät von Yakumo erweist sich als Totalausfall: Immer wieder wird es von Programmabstürzen lahmgelegt.

Bei einer der zehn Teststrecken, einer unterirdischen Abzweigung in einem Stadttunnel, zeigt sich außerdem eine systematische Schwäche der tragbaren Navis: Im Tunnel gibt es keinen GPS-Empfang, und da die tragbaren Geräte im Unterschied zu Festeinbauten keine anderen Daten zur Positionsbestimmung haben, müssen sie vorübergehend „blind“ navigieren. Becker, Blaupunkt Garmin, Pioneer, ViaMichelin und Yakumo lassen den Fahrer hier im Stich, die übrigen schafften es, auch im Tunnel den Weg zu weisen.

Navigationsanzeige

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Wichtig für eine gut lesbare Routenanzeige ist ein großes und helles Display. Die kompakte Bauform des Fujitsu Siemens ist hier von Nachteil. Doch auch ein großes Display garantiert noch keine übersichtliche Anzeige, wie Falk und ViaMichelin zeigen. Dass es besser geht, beweisen zum Beispiel Becker, Medion, Navigon, Navman und TomTom.

Ansagen

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Anzeige: Ähnliche Situation, verschiedene Darstellungen: Beim Falk ist die Route fett blau unterlegt. Übersichtlicher: Rote Route und grüner Pfeil bei Navman.

Anzeige: Ähnliche Situation, verschiedene Darstellungen: Beim Falk ist die Route fett blau unterlegt. Übersichtlicher: Rote Route und grüner Pfeil bei Navman.

Wichtiger noch als eine gute Routenan­zeige sind unterwegs die gesprochenen Weghinweise, die den Fahrer ins Ziel führen sollen. Die müssen nicht nur inhaltlich stimmen, sondern auch klar verständlich sein. Besonders Letzteres kann bei kleinen tragbaren Navis zum Problem werden, schließlich müssen die eingebauten Lautsprecher die Fahrgeräusche übertönen. Besonders gut gelingt das Navman, Pioneer und dem großen TomTom, besonders schlecht dem Fujitsu Siemens: Sein winziger Lautsprecher klingt einfach zu schepperig. Zwar haben die meisten Navis auch einen Audio-Ausgang, sodass man die Ansage theoretisch auch wie bei einem festeingebauten Gerät über die Lautsprecher des Autos wiedergeben könnte, doch das bedeutet zusätzliche Kabel und setzt ein Autoradio mit entsprechendem Eingang voraus.

Extras

Die Ausstattung tragbarer Navis wird immer üppiger. Fraglos nützlich: Etliche Geräte können vor Geschwindigkeitsüberschreitungen warnen oder Staumeldungen des TMC-Systems verarbeiten. Auch weniger verkehrsrelevante Extras wie eingebaute MP3-Spieler, Restaurant- und Stadtführer oder Telefonbücher finden sicherlich Liebhaber. Der Sinn der 1,3-Megapixel-Kamera, die in den Navman eingebaut ist, wird dagegen wohl für die meisten Nutzer im Dunkeln bleiben.

Kein Handbuch

Je mehr Funktionen in den Navigationsgeräten untergebracht werden, desto wichtiger wäre eine vernünftige Dokumentation. Doch vor allem bei den gedruckten Anleitungen sieht das Bild traurig aus: Nur klickTel, Medion, Navigon und Yakumo liefern überhaupt etwas ausführli­chere gedruckte Handbücher mit – und auch die sind nicht völlig überzeugend. Die übrigen beschränken sich auf knappe Kurzanleitungen oder Handbücher auf CD, die immerhin meist vollständig sind. Wenn das Gerät dann noch nicht einmal eine eingebaute Hilfefunktion hat, kann sich die Handhabung unterwegs zu einem Ratespiel entwickeln.

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