Navi Test

Handhabung und Ausstattung machen hier den Unterschied. Die meisten Navis lotsen Autofahrer zu­verlässig an das gewünschte Ziel. „Gute“ Geräte gibt es schon ab 220 Euro.

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Sibirien statt Sauerland. Die Polizei in der westfälischen Stadt Altena staunte nicht schlecht, als ihr eine verirrte Autofahrerin per Notruf die Positionsdaten ihres Standorts durchgab. Die 22-Jährige, die sich auf dem Weg von Lüdenscheid nach Nachrodt strikt an die Anweisungen ihres Navigationsgeräts gehalten hatte, war in ein Waldstück geraten, aus dem sie nicht mehr herauskam. Die Polizei konnte mit den durchge­ge­be­nen Koordinaten aber nichts anfangen, denn sie entsprachen einem Standort in Sibirien. Daraufhin fuhren die Beamten den Wald in der Nähe der letzten Straße ab, an die sich die Hilfesuchende erinnerte, und baten sie übers Telefon, regelmä­ßig zu hupen. Nach einer Stunde wurde sie schließlich gefunden.

So kann es einem ergehen, wenn man der Technik blind vertraut. Moderne Navi­gationssysteme sind zwar im Allge­mei­nen sehr zuverlässig, wenn sie richtig bedient werden, wie alle elektroni­schen Geräte können sie aber auch mal „spinnen“.

Autofahrers Liebling

In unserem Test gab es solche Ausrutscher aber nicht. Im Gegenteil: Die meisten Navigationsgeräte führen den Autofahrer sicher und zuverlässig zum gewünschten Ziel. Kein Wunder, dass sie sich immer mehr zum Lieblingsobjekt vieler Autofahrer entwickeln. Schätzungen zufolge sollen bis zum Ende dieses Jahres 3,2 Millionen Navis verkauft werden – das wären fast 40 Prozent mehr als 2006.

Doch welche Geräte sind zielsicher, einfach zu bedienen und angenehme Reisebegleiter? Um das herauszufinden, haben wir 14 mobile Navigationsgeräte für rund 220 bis 540 Euro ausgewählt und getestet. Außer Konkurrenz, nur zum Vergleich lief ein fest in einen Mittelklassewagen eingebautes Gerät mit.

Festeingebaute Navigationsgeräte erhalten über die Bordelektronik zusätzliche Informationen wie Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung. Das wirkt sich vor allem da positiv aus, wo kein GPS-Signal zu empfangen ist, etwa in Tunneln oder Parkhäusern. Auch sonst überzeugt das stationäre Navi rundum.

Mobile Geräte sind trotzdem beliebter. Sie kosten nicht nur deutlich weniger, sondern sind auch flexibler. So kann man sie auch beim Stadtrundgang einsetzen und einige sogar für Wander- und Radtouren, allerdings mit Spezialsoftware.

Detaillierte Karten für Westeuropa

Auf den geprüften Navis sind meist detaillierte Karten für einen Großteil Westeuropas installiert, für Osteuropa in der Regel jedoch nur Karten für Hauptstädte und Fernstraßen. Mit lediglich vier Länderkarten fällt das billigste Gerät im Test, Medion E3215, etwas aus dem Rahmen. Digitale Karten für weitere Länder müssen dazugekauft werden (79 Euro).

Die Aktualisierung der Karten kostet zwischen 80 und 170 Euro. Allerdings teilten uns die meisten Anbieter mit, dass zurzeit noch keine neuen Versionen vorliegen. Kostenlose Aktualisierungen, die auf überprüften Informationen der Nutzer basieren (MapShare), bietet nur Marktführer TomTom seinen Kunden an.

Drei lassen mit sich reden

Navigationsgeräte enthalten einen GPS-Empfänger, der jederzeit die aktuelle Position bestimmen kann. Diese wird mit einem Pfeilsymbol auf der digitalen Karte angezeigt. Die Geräte sind so eingestellt, dass sich der Pfeil in der Regel auf einer Straße befindet, auch wenn es gar nicht stimmt, was mitunter etwas verwirrt.

Das Reiseziel wird aus den umfangreichen Adressdatenbanken der Navigationsgeräte ausgewählt. Meist tippt man es auf dem berührungsempfindlichen Bildschirm (Touchscreen) ein. Drei Navis lassen sogar mit sich reden. Eine Sprachsteuerung haben Testsieger TomTom Go 720 T, Medion GoPal P4410 und mit Einschränkungen ­– nur für Favoriten – auch Navigon 7110. Hier muss der Autofahrer die Zieladresse also nur ansagen.

Für die Routenberechnung kann er aus einer Reihe von Optionen wählen, etwa eine schnelle oder sparsame Route, mit oder ohne Berücksichtigung von Autobahnen, Mautstraßen oder Fähren.

Manchmal muss man sich etwas gedulden, bis das Gerät die Route berechnet hat. Im Extremfall, beim Blaupunkt, dauerte es fast sieben Minuten, und das auch noch mit einem eher dürftigen Ergebnis. Die meisten anderen Navigationsgeräte sind nicht nur schneller, sie liefern auch bessere Berechnungen. Ihre Fahrempfehlungen führten auf den Testfahrten in der Regel sicher zum Ziel.

Fast alle nennen zu kurze Fahrzeit

Trotzdem sind auch hier noch Detailverbesserungen möglich. So geben alle Navis bis auf TomTom eine viel zu kurze Fahrzeit an. Sie gehen wohl von der irrigen Annahme aus, dass der Nutzer stets Höchst­geschwindigkeit fahren kann. Unrealistisch sind die Zeiten oft für Fährverbindungen, und Tempo-30- sowie verkehrsberuhigte Straßen berücksichtigt gar kein System. Ein weiteres Manko: Viele führen die Route auch dann über Mautstraßen oder Fährverbindungen, wenn diese laut Option vermieden werden sollen.

Ansagen sind nicht bei allen „gut“

Navi-Besitzer werden gleich zweifach geführt. Zum einen zeigt das Display die Route an, zum anderen sagt eine mehr oder weniger angenehme Stimme dem Fahrer, was er zu tun hat („nach 50 Metern rechts abbiegen“). Wir haben auf mehreren Testfahrten überprüft, ob die Anweisungen korrekt, eindeutig und verständlich sind und ob sie rechtzeitig erfolgen. Bis auf zwei, VDO und Blaupunkt, haben alle Navis diese Prüfung mindestens mit „gut“ bestanden. Fehlerfrei ist aber keines. So tun sich alle schwer bei der Angabe der zulässigen Höchstgeschwindigkeit, vor allem in Tempo-30-Zonen.

Unterschiede gibt es bei Tunneldurchfahrten. Während VDO und Blaupunkt ohne GPS-Signal versagen, navigieren die anderen Systeme zumindest brauchbar weiter. Das Sony-Gerät, ausgestattet mit Beschleunigungssensoren, setzt die Navigation im Tunnel sogar lückenlos fort.

Wenn der Fahrer von der vorgegebenen Route abweicht, reagieren alle Geräte bis auf Blaupunkt mit einer hinreichend schnellen und genauen Neuberechnung.

Die beste Routenansage nützt aber wenig, wenn der Autofahrer sie nicht versteht oder die Stimme als unangenehm empfindet. Erfreulicherweise haben die „gut“ navigierenden Geräte meist auch den besseren Klang. Manchmal gibt es die Wahl zwischen einer Frauen- und einer Männerstimme. Erstaunlich: Beim Clarion fährt man mit „Otto“ deutlich besser als mit der weiblichen Stimme „Rejine“, die häufiger Fehler macht. Und wer sich zum Beispiel von Altkanzler Schröder leiten lassen will, kann bei TomTom einige Promi-Imitationsstimmen erwerben.

Wie Staumeldungen funktionieren

Außer Garmin und Falk E60 können alle getesteten Navis aktuelle Verkehrsmeldungen bei der Navigation berücksichtigen. Sie sind mit einem Radioempfänger ausgerüstet, der den digitalen Verkehrsdatendienst Traffic Message Channel (TMC) empfängt. Doch selbst wenn man immer den passenden Sender wählt, können die Systeme nicht besser als die Staumeldungen sein. Erfahrungsgemäß ist der Verkehrsfunk nicht immer aktuell, was dazu führen kann, dass man einen Stau umfährt, obwohl es ihn längst nicht mehr gibt. Besser funktioniert der Dienst TMCPro, der zusätzlich Tausende von Autobahn- und Straßensensoren berücksichtigt. Im Test ist damit nur der Medion P4410 ausgestattet, der in diesem Punkt auch am besten abgeschnitten hat.

Fußgänger-Navigation nicht optimal

Bis auf VDO können die Geräte auch im Fußgängermodus eingesetzt werden. Das klappt aber nicht optimal. Zwar wissen die meisten Navis, dass Fußgänger Einbahnstraßen in entgegenge­setzter Richtung benutzen dürfen und dass Autobahnen und Kraftverkehrsstraßen für Spaziergänger tabu sind. Auch kennen sie Fußgängerzonen, aber dennoch zeigen sie oft umständliche Fußgängerrouten an. Ein Grund: Sie können nicht erkennen, dass viele Sackgassen für Fußgänger durchaus passierbar sind.

Besonders Fußgänger und Radfahrer schätzen eine lange Akkubetriebszeit. Von den besten Geräten hält der Medion P4410 mit rund fünf Stunden am längsten durch. Vielen anderen geht schon nach weniger als drei Stunden die Puste aus.

Bei der Handhabung stören Details

Die Anwender dürften mit den meisten Navis gut zurechtkommen, dennoch stören auch bei den „Guten“ einige Details. Wer etwa den Sony am Morgen einschaltet, muss mehr als acht Minuten warten, bis er endlich die Position bestimmt hat. Beim Medion E3215 dauert es noch über zwei Minuten. Clarion verwirrt mit einer überfrachteten Anzeige und einer unübersichtlichen Menüführung. Für Garmin gibt es nur eine knappe Schnellanleitung – da könnten einige Funktionen unklar bleiben. Nicht sehr stabil, wenn auch leicht anzubringen sind die Saugnapfhalterungen der beiden TomToms. Navigon hat zwar sehr schicke Halterungen, nur leider klappern sie mitunter.

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