Navi Test

Gerade bei Oberklasse-Navis wollen Anbieter auch nach dem Kauf noch mitverdienen: Zunehmend gibt es Zusatz­dienste wie Stauwarnungen gegen Aufpreis.

Wer ein Navi mit größerem Display und mehr Finessen wollte, musste schon immer etwas tiefer in die Tasche greifen. Doch zunehmend möchten die Navianbieter ihre Kunden auch nach dem Gerätekauf noch zur Kasse bitten – etwa mit Zusatz­diensten, die per Mobil­funk aufs Navi kommen. Acht Navigations­geräte haben wir geprüft, sechs davon kann der Nutzer mit kosten­pflichtigen Optionen erweitern.

Live-Dienste sind der letzte Schrei

Jahre­lang wurden Oberklasse-Navis mit Multi­media­schnick­schnack voll­gepackt: MP3-Spieler, Reise­führer, Video­spieler, Fernseh­empfang. Inzwischen legen die Anbieter den Fokus wieder stärker auf Dinge, die beim Navigieren selbst helfen sollen – und zusätzliche Kosten verursachen. Der letzte Schrei sind sogenannte Live-Dienste, die aktuelle Informationen wie Benzinpreise oder Wetter­vorhersagen, vor allem aber Stauwarnungen übers Hand­ynetz aufs Navi bringen. Dafür muss das Gerät mit Mobil­funk­technik ausgestattet sein.

Navis werden zu Verkehrs­meldern

Navi Test

Alle Navis im Test können bei Tempo­über­schreitungen warnen, das Garmin allerdings nur visuell, nicht mit einem Tonsignal.

Alle Navis im Test können bei Tempo­über­schreitungen warnen, das Garmin allerdings nur visuell, nicht mit einem Tonsignal.

Im aktuellen Test sind es Garmin, Medion und Navigon, die ihre Geräte mit Handy­technik ausstatten und so für neue Zusatz­dienste fit machen. Solche Navis können Verkehrs­daten nicht nur empfangen, sondern auch senden – und so zu auto­matischen Verkehrs­meldern werden. Sobald genug davon unterwegs sind, sollen sie weit­aus genauere Informationen liefern, als bisher verfügbar sind.

Die meisten dieser neuen Verkehrs­dienste befinden sich allerdings noch im Aufbau. Selbst Anbieter räumen ein, dass sich die über­tragenen Verkehrs­informationen momentan noch weit­gehend auf das beschränken, was auch über den etablierten Dienst TMCpro verfügbar ist (siehe Test „Navi-Verkehrs­dienste“ aus test 06/2010). Doch das soll sich bald ändern, wenn mehr entsprechend ausgestattete Navis auf den Straßen unterwegs sind und Verkehrs­daten senden. Der Navi-Anbieter TomTom ist mit seinem Live-Dienst schon weiter. Sein Verkehrs­dienst HD Traffic stützt sich vor allem auf Bewegungs­daten von Hand­ynutzern. Im Test „Navi-Verkehrs­dienste“ aus test 06/2010 können Sie nach­lesen, was TomToms Dienst im Vergleich zu den schon länger etablierten Verkehrs­diensten TMC und TMCpro leistet.

Zusatz­infos ab 50 Euro pro Jahr

Ihren Preis haben die Dienste schon jetzt: Den von Medion gibt es für 50 Euro, die von Garmin und Navigon für rund 80 Euro im Jahr. Bei Medion ist der Dienst für die ersten 18 Monate mit dem Kauf­preis des Geräts abge­golten, bei Garmin für ein Jahr. So hat der Navi­besitzer Zeit, sich ein genaues Bild vom Nutzen der Dienste zu machen. Bei Navigon sind dagegen nur die ersten drei Monate Live-Dienst gratis.

Tipp: Wer weiß, dass er die neuen Dienste nicht nutzen möchte, kann bei Navigon Varianten ohne Live-Dienst kaufen: Das Navigon 8410 für 435 Euro hat in test 1/10 „gut“ abge­schnitten (siehe Tabelle Noch zu haben), das 6310 gibt es für 245 Euro (siehe Tabelle Verwandte Modelle)

Kartenmaterial im Abonnement

Nicht nur die neuen Mobil­funk­dienste kosten extra: Becker, Falk und Navigon bieten auch den Verkehrs­dienst TMCpro gegen Aufpreis an. Bei Falk gibt es ihn ab 30 Euro, bei Becker kostet er 40, bei Navigon sogar 50 Euro. Wer immer mit dem neuesten Kartenmaterial fahren will, sollte auch Karten­updates einkalkulieren. Die werden vor­wiegend als Abonnement für zwei Jahre angeboten und kosten dann meist um die 100 Euro. Becker, Falk und Navigon bieten Kunden ein Abo vergüns­tigt an, wenn sie es beim oder kurz nach dem Kauf buchen. Bei Garmin gibt es für 120 Euro ein lebens­langes Abo. Beim Medion E3240 und beim Navigon 8450 sind Karten­updates für zwei Jahre im Kauf­preis enthalten.

Navi Test

Das große Navigon behält auch im Tunnel den Über­blick. Mangels GPS-Verbindung muss es die Position hier aber errechnen.

Das große Navigon behält auch im Tunnel den Über­blick. Mangels GPS-Verbindung muss es die Position hier aber errechnen.

Ihre klassischen Navigations­aufgaben erledigen die meisten Geräte im Test weit­gehend problemlos. Die Unterschiede liegen eher im Detail: Reißt etwa in einem Tunnel die Verbindung zu den GPS-Satelliten ab, bleibt die Routenführung vom Becker einfach stehen, bis die Verbindung wieder steht. Das Garmin wähnte das Auto im Tunneltest gar auf einer anderen, ober­irdischen Ausweich­strecke. Die übrigen Modelle berechnen dagegen die Position im Tunnel mehr oder minder korrekt. Positiv: Alle Geräte im Test außer dem kleinen Medion haben Spurassistenten, die an komplexen Kreuzungen beim richtigen Einordnen helfen. Allerdings sind die Displays von Becker, TomTom und dem kleinen Medion bei sehr heller Umge­bung recht schwer abzu­lesen. Die Ansagen vom Falk sind etwas leise und klingen verzerrt.

TomTom rechnet lang­sam

Routenfindung und Routenführung funk­tionieren meist gut – doch dauert es zuweilen lange, bis die Route berechnet ist. Am lang­samsten arbeitet das TomTom XXL. Ein Extremfall: Bei einer Lang­strecke von knapp 1  000 Kilo­metern brauchte es über zwei Minuten, um die schnellste Route zu berechnen, und sechs­einhalb Minuten, um die kürzeste Route heraus­zufinden. Die beiden Medion-Navis brauchten dafür nur rund 13 Sekunden. Bei kürzeren Routen war das TomTom zwar nicht ganz so lahm, aber meist lang­samer als die Konkurrenz. Wer es eilig hat, plant besser ein paar Minuten für die Routenbe­rechnung ein.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1209 Nutzer finden das hilfreich.