Naturreines Gift Meldung

Dürfen Schwermetalle wie Blei und Kadmium, Pestizidreste und Geliermittel in einer Konfitüre enthalten sein, die sich in großen Lettern "naturrein" nennt? Kein Problem, so der Europäische Gerichtshof (EuGH, Az. C-465/98). Ein "durchschnittlich informierter, aufmerksamer und verständiger Durchschnittsverbraucher" falle auf solche Anpreisungen nicht herein.

Anders sah das der Kölner Verein gegen Unwesen in Handel und Gewerbe, nachdem er die umstrittene Erdbeerkonfitüre der österreichischen Darbo AG mit dem appetitlichen Namen "d'arbo Naturrein" analysiert hatte. Er war dabei auf die unangenehmen Begleitstoffe gestoßen, allerdings nur in Spuren. Trotzdem fanden die Kölner die Bezeichnung "naturrein" irreführend, denn sie erwecke den Anschein, dass die Konfitüre völlig frei von solchen Verunreinigungen und Fremdstoffen sei.

Also versuchte der Verein, der Darbo AG die Werbung mit diesem Etikett gerichtlich zu untersagen ­ ohne Erfolg: Das Landgericht Köln wies die Klage in erster Instanz ab, das für die Berufung zuständige Oberlandesgericht (OLG) Köln fragte daraufhin beim EuGH nach, ob solche Namensgebung nach dem Europarecht irreführend sei ­ die Europarichter verneinten.

Die Bezeichnung "naturrein" sei korrekt, denn die Schwermetalle Blei und Kadmium würden heutzutage nun mal Luft und Wasser verschmutzen. Insofern würden sie zwangsläufig von den verwendeten "Gartenfrüchten" aufgenommen. Auch den Einsatz eines Pestizids hält der EuGH für ganz natürlich. Es sei "eines der gebräuchlichsten Mittel zur Bekämpfung von Schadorganismen bei Obst und Gemüse" und schließe deshalb den "natürlichen Anbau" von Gartenerdbeeren nicht aus. Etwas anderes könne nur bei höheren Giftkonzentrationen gelten.

Das Kölner OLG muss die EuGH-Meinung nun in seinem abschließenden Urteil beachten. Zwar meinen die Kläger, dass "noch alles offen" sei. Es wird den Oberlandesrichtern jedoch schwer fallen, an den genauen Vorgaben des EuGH vorbeizukommen.

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