Naturkosmetik Meldung

Alles ganz natürlich – das wünscht sich eine wachsende Zahl der Verbraucher bei der Körper­pflege. Beim Kauf von Kosmetik sollten Sie allerdings genau hinsehen. Denn nicht immer ist in den Cremes, Shampoos und Zahnpasten, die sich besonders „grün“ geben, auch wirk­lich alles Natur. test.de erklärt, an welchen Kriterien sich Naturkosmetik-Hersteller orientieren – und warum auch seriöse Anbieter in unseren Tests nicht immer gut abschneiden.

Grüne Pflege ist gefragt

Von Achselspray bis Zahnpasta gibt der Naturkosmetikmarkt inzwischen alles her. Und die Deutschen greifen gerne zu: 2015 gaben sie für „grüne“ Körper­pflege rund 1,1 Milliarden Euro aus. Die Branche boomt: Neben den etablierten Naturkosmetikanbietern sind mitt­lerweile auch Drogeriemarkt­ketten und Discounter mit eigenen, oft preisgüns­tigeren Naturkosmetik­linien in das Geschäft einge­stiegen. Doch nicht immer steht hinter einem natürlichen Image auch ein voll­ends natürliches Produkt.

Naturkosmetik – kein geschützter Begriff

Blüten, Blätter oder Früchte zieren die Verpackungen, dazu viel­versprechende Auslobungen: Etwa „Mit wert­vollen Inhalts­stoffen aus der Natur“ oder „Frei von Silikonen und Mineral­ölen“. Viele Hersteller geben Kosmetik­produkten einen grünen Anstrich und vermarkten sie entsprechend. Das Problem für den Kunden: Es gibt keine allgemeingültige, geschützte Definition von Naturkosmetik.

Siegel bieten Hilfe­stellung beim Einkauf

Naturkosmetik Meldung

Orientierung bieten Naturkosme­tik-­Siegel. Vergeben werden sie oftmals von Verbänden, die bestimmte Kriterien dafür entwickelt haben, was sie als „echte“ Naturkosmetik betrachten. Weit verbreitet und bekannt sind etwa Siegel wie BDIH, Demeter, Ecocert oder Natrue. Hinter den Logos stehen mal mehr, mal weniger strenge Anforderungen, zum Beispiel an die verwendeten Inhalts­stoffe oder auch an die Herstellungs­praxis. Erdöl­basierte Rohstoffe, synthetische Farb- und Duft­stoffe dürfen in Produkten, die eines der vier genannten Siegel tragen, grund­sätzlich nicht verwendet werden. Die radio­aktive Bestrahlung von Rohstoffen, um möglicher­weise enthaltene Keime abzu­töten, ist ebenfalls verboten. Doch manchmal müssen die Kunden ganz genau hinsehen, um bestimmte Unterschiede zu erkennen. Die Siegel von Natrue und Ecocert gibt es beispiels­weise in verschiedenen Ausführungen: Sie unterschieden Naturkosmetik noch einmal von Biokosmetik. Dafür müssen bestimmte Anteile der natürlichen Inhalts­stoffe aus kontrolliert biologischem Anbau kommen.

Der Blick ins Klein­gedruckte ist unerläss­lich

Wo Siegel fehlen, sollten sich Verbraucher nicht von der Verpackungs­aufmachung blenden lassen, sondern die Liste der Inhalts­stoffe (Inci) lesen, um natur­nahe Kosmetik von echter Naturkos­metik zu unterscheiden (siehe Special Kosmetikdeklaration). Natur­nahe Kosmetika sind weit­gehend konventionell hergestellt und enthalten nur einzelne Substanzen natürlichen Ursprungs. ­Echte Naturkosmetik lässt bis auf wenige Ausnahmen nur natürliche ­Stoffe zu. Natürlich oder nicht – die oft fremd­sprachigen Begriffe in der Inci sind schwer zu erschließen.

Tipp: Verschiedene Daten­banken im Internet bieten Hilfe beim Entschlüsseln der Inci, erklären Begriffe und sagen, welche Aufgaben die einzelnen Inhalts­stoffe in den Produkten haben – so etwa das Internetportal haut.de, eine Koope­ration des Industrie­verbands Körper­pflege- und Wasch­mittel, des Deutschen Allergie- und Asth­mabunds und anderer.

Im Test nicht immer spitze

Die Stiftung Warentest prüft in ihren Kosmetiktests regel­mäßig auch Naturkosmetik­produkte. Diese schneiden nicht grund­sätzlich besser ab als die konventionelle Konkurrenz. Zahncremes etwa sind häufig schlechter, weil ihnen Fluorid fehlt. Bei Sonnenschutzmitteln ist es mit dem für Naturkosmetik zugelassenen Licht­schutz­filter Titan­dioxid schwierig, einen hohen UVA-Schutz zu erreichen. Einen Vorteil hat zertifizierte Naturkosmetik aber durch­aus: Da sie keine Rohstoffe auf Mineral­ölbasis enthalten darf, ist es unwahr­scheinlich, dass sie mit den kritischen Substanzen Mosh und Moah belastet ist (siehe Test Mineralöle in Kosmetika).

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