Natur­haar­farben Test

Fünf Pflanzen­farben mit Henna, Walnuss und Co. über­raschen im Test mit satten, gleich­mäßigen Tönen.

Meine Haare sind straßenköterblond und damit bin ich total unzufrieden“, schreibt Nelly im Internet. Sie würde gern mit Henna färben, befürchtet aber, orangefarbene Haare zu bekommen. Auch wir waren neugierig, zu welchem Ergebnis Natur­farben mit Stoffen beispiels­weise aus dem Henna­strauch oder der Indigopflanze führen. Im Reform­haus, in der Drogerie, im Bio- und Supermarkt haben wir fünf Produkte ausgewählt. Im Praxis­test trafen sie alle den angegebenen Braunton, die Farbe war gleich­mäßig und intensiv. Auch nach vier Wochen sah sie noch gut aus.

Allerdings ist das Ergebnis weniger vorher­sagbar als mit klassischen Permanent­haar­farben. Die zerstören zum Beispiel mithilfe von Wasser­stoff­per­oxid einen Teil der natürlichen Pigmente im Haar und färben es dann einheitlich durch. Natur­farben dringen nur in die äußeren Haarschichten, die eigene Haarfarbe und -struktur bestimmen das Ergebnis mit (siehe Was geht, und was nicht).

Die Farb­ver­änderung wirkt natürlich

Natur­haar­farben Test

Walnuss. Der Extrakt aus den Schalen unterstützt die Braunfärbung.

Pro Produkt ließen sich 20 Prüf­personen von unseren Testern die Haare färben. Mit dem Ergebnis waren die meisten zufrieden. Von dem Ton, den sie laut Verpackung erwartet hatten, wich es höchs­tens gering­fügig ab. Probanden und Haar­experten waren davon angetan, dass die Farbe sehr natürlich aussah. Die Haare waren maximal einen Ton dunkler als vorher – das passt noch gut zur Hautfarbe. Außerdem glänzten sie sehr, waren weicher und ließen sich besser kämmen als vor dem Färben. Da Natur­haar­farben ohne Wasser­stoff­per­oxid arbeiten, wirken sie weniger schädigend als klassische Haar­farben. Dem Haar tut nach dem Färben dennoch eine Pfle­gespülung gut.

Bis zu zwei Stunden Einwirk­zeit

Es gibt noch mehr Unterschiede zu chemischen Färbe­produkten: Außer bei der Logona Color Creme müssen Anwender die Farbe aus einem Pulver anrühren, und die Einwirk­zeit ist bei allen als Spanne angegeben. Sie reicht von 15 Minuten bis zwei Stunden. Die Anbieter im Test empfehlen für dunkle, kräftige Haare eine längere Einwirk­zeit als für feine, helle.

Tipp: Färben Sie eine Probesträhne, um die passende Einwirk­zeit heraus­zufinden.

Nur auf intakter Kopf­haut anwenden

Die Farben kommen in Kontakt mit der Haut. Deshalb haben wir sie auch auf Schad­stoffe und Keime untersucht. Pflanzen­schutz­mittel, Arsen und Schwer­metalle wie Blei waren kein Problem. Bis auf die fertig gemischte Logona Color Creme enthielten jedoch alle Farben Keime in größerer Zahl. Das ist für unbe­handelte Natur­produkte nicht ungewöhnlich. Natur­haar­farben bestehen aus naturbelassenen pflanzlichen Bestand­teilen wie Blättern oder Rinden. Da ist es unver­meid­bar, dass sie mit Mikroorga­nismen besiedelt sind.

Wer Pflanzen­farben nutzt, kann keine sterilen Produkte erwarten. Die mikrobiologische Qualität haben wir in diesem Fall nicht benotet – zumal wir keine spezi­fischen krank­heits­ver­ursachenden Keime fanden. An die Hinweise auf den Produkten sollten sich Anwender aber halten: Wer sich die Haare färbt, sollte das Pulver mit heißem Wasser anrühren und dabei entstehenden Staub nicht einatmen. Außerdem muss die Kopf­haut unver­letzt sein – das gilt für Chemiefarben genauso.

Weiße Haare schimmern durch

Ungeliebte graue Haare sind oft ein Grund zu färben. Eine Grau­abdeckung versprechen die Anbieter im Test aber nicht, da sind sie ehrlich. Laut Logona etwa lassen sich graue Haare mit rein natürlichen Farb­stoffen nicht „wegzaubern“. Sie sind „auch nach einer Pflanzenfärbung heller als nicht ergraute Haare“, aber dadurch entstehen „sehr natürlich nuancierte Farb­abstufungen“. Diese Erfahrung machten auch einige Prüf­personen. Graue Haare nehmen die Farbe nicht so gut an und schimmern als Strähn­chen durch – wie von der Sonne ausgeblichen. Den Probanden gefiel das, weil es natürlich aussah. Übrigens: Graue Haare sind eigentlich weiß. In farbiger Umge­bung wirken sie nur grau.

Heraus­wachsender Ansatz ist dezent

Wie lange der Farbton hält, ist unterschiedlich. Das hängt von der Haar­struktur ab. Bei vielen Probanden war er nach vier Wochen heller als nach dem Färben, bei einigen dunkelte er aber sogar nach. Da Natur­farben den Ursprung­ston nur leicht verändern, sieht der nach­wachsende Ansatz dezenter aus als bei permanenten Farben.

Tipp: Es gibt Produkte, die wie Pflanzen­farben aussehen, aber keine reinen Natur­farben sind. Sie enthalten zum Beispiel Wasser­stoff­per­oxid (siehe Natur pur?). Sehen Sie beim Einkauf genau hin.

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