Mineral­wasser im Test

Mikro­plastik im Mineral­wasser

Funde von Kunst­stoff­partikeln in Mineralwässern beunruhigen, lassen sich aber noch nicht einordnen. Anerkannte Analysemethoden fehlen, gesundheitliche Risiken sind noch nicht abzu­schätzen.

Mineral­wasser im Test Testergebnisse für 48 Natürliche Mineralwässer

Inhalt

Wenn die Verpackung auf Lebens­mittel übergeht

Berichte über Mikro­plastik in den Welt­meeren häufen sich. Dass es auch in Mineral­wasser vorkommen kann, machte 2017 eine Studie aus Münster publik. Wissenschaftler aus den USA veröffent­lichten etwa zeitgleich ähnliche Befunde. Seither geht es also auch um Über­gänge aus Verpackungen in Lebens­mittel. Als Mikro­plastik gelten Kunst­stoff­teilchen, die bis zu 5 Milli­meter groß sind.

Mehr als 100 Partikel pro Liter Mineral­wasser

Das Chemische und Veterinäruntersuchungsamt Münsterland-Emscher-Lippe hat 34 Mineralwässer aus PET-Mehrweg-, PET-Einweg- und Glasflaschen sowie Karton­verpackungen auf Mikro­plastik untersucht. Das Wasser aus PET-Mehr­wegflaschen enthielt mit Abstand die meisten Partikel. „Möglicher­weise werden die Innenwände durch die Mehr­fach­verwendung spröde und Plastikpartikel sondern sich ab. Sie könnten sich auch bei Wasch- und Füll­prozessen aus Wasch­wasser anreichern“, sagt die Unter­suchungs­leiterin Darena Schymanski.

Etwa 80 Prozent der Partikel aus PET-Flaschen gehörten zur kleinsten, mit bloßem Auge unsicht­baren Gruppe von 5 bis 20 Mikro­meter, also Tausendstel Milli­meter. Die meisten stammten vermutlich aus Flaschen, ein Teil aus Deckeln. Die Gehalte lagen im Mittel bei 118 Partikel je Liter.

Mikro­plastik – Risiko für Menschen ungeklärt

Noch lässt sich nicht abschätzen, inwiefern Mikro­plastik aus der Nahrung Menschen schadet. Die Forschung läuft auf Hoch­touren, etwa über das Projekt „Mikro­plastik im Wasser­kreis­lauf“ mit Universitäten und Behörden wie dem Umwelt­bundes­amt (Uba). Die Leiterin des Fach­gebiets Trink- und Bade­becken­wasser­toxikologie am Uba, Tamara Grummt, schildert einen Zwischen­stand: „Wir stellen an Human­zellen fest, dass sich Partikel darin und darauf ablagern. Sie können dadurch etwa Entzündungs­werte leicht erhöhen.“ Belast­bare Resultate sind aber noch nicht veröffent­licht.

Die Forscher aus Münster fassen den Stand zusammen: „Es handelt sich bei der Mikro­plastikforschung um ein relativ junges Themen­feld, insbesondere wenn es um Mikro­plastik in Lebens­mitteln geht. Die Wissenschaft beginnt gerade erst zu verstehen, welche Ursachen und Auswirkungen mit den Poly­merpartikeln einhergehen.“

Wasser-Branche kennt das Problem

Hinweise auf Mikro­plastik in Mineral­wasser gab es schon vor 2017. Der Verband Deutscher Mineralbrunnen bemängelt, dass stan­dardisierte Methoden fehlten, es nach­zuweisen. „Über­dies steht eine grund­legende Beur­teilung der Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit aus.“ Wir fragen inzwischen die Anbieter, ob sie bereits auf Mikro­plastik geprüft haben. Einige bestätigen dies, nennen aber keine Mess­werte.

Darum prüft die Stiftung Warentest nicht auf Mikro­plastik

Die Unter­suchung auf Mikro­plastik befindet sich im Forschungs­stadium und ist noch nicht in die Routine-Analytik aufgenommen. Wir haben die Wässer daher nicht auf Mikro­plastik getestet. Wir hätten auch eventuelle Befunde nicht verantwortungs­voll bewerten können. Es ist zudem noch unklar, wie viele solchen kleinen Partikel der Mensch insgesamt aufnimmt und wie gefähr­lich es wirk­lich ist.

Meere und Abwässer belastet

Das meiste Mikro­plastik treibt in Meeren, heute lässt es sich auch in entlegenen Orten nach­weisen. Es stammt von Kunst­stoff­müll, der sich zersetzt. Auch Synthetikfasern, die sich beim Waschen von Kleidung lösen, können in die Umwelt gelangen. Das gilt auch für Mikro­plastik, das die Industrie etwa Kosmetik-Peelings oder Haus­halts­reinigern zusetzt. Die EU erwägt, den Einsatz von Mikroplastik zu beschränken.

Studien belegen, dass Meerestiere wie Muscheln, Krustentiere und Fische Partikel aufnehmen. Oft sammeln sie sich im Verdauungs­trakt an, bei Muscheln auch im Fleisch. Forscher schätzten 2019, dass Menschen allein über die Ernährung jähr­lich 40 000 bis 50 000 Plastikpartikel konsumieren. Experten wiesen auch Mikro­plastik in Meersalz nach. Die Partikel können sich auch über die Luft verbreiten und über Bienen sogar in Honig gelangen.

Tipp: Mehr zum Thema lesen Sie unserem Special Mikroplastik.

Mineral­wasser im Test Testergebnisse für 48 Natürliche Mineralwässer

Mehr zum Thema

  • FAQ Wasser Leitungs­wasser besser als Mineral­wasser?

    - Hormone aus PET-Flaschen im Mineral­wasser, Blei und Arznei­mittel­reste im Trink­wasser. Viele Menschen fürchten, dass ihr Wasser nicht rein ist. Berechtigt? Wir geben...

  • Trink­wasser im Test Wasser aus 20 Städten und Gemeinden auf dem Prüf­stand

    - Leitungs­wasser gilt als am strengsten kontrolliertes Lebens­mittel. 20 Trink­wasser­proben aus ganz Deutsch­land hat die Stiftung Warentest auf kritische Stoffe untersucht.

  • Trink­wasser­qualität Die letzten Meter zählen

    - Wasser­werke liefern das Nass bis vors Haus – meist in Top-Qualität. Im Haus aber können Schad­stoffe und Keime hinein­geraten. Wie das Wasser sauber bleibt.

323 Kommentare Diskutieren Sie mit

Nur registrierte Nutzer können Kommentare verfassen. Bitte melden Sie sich an. Individuelle Fragen richten Sie bitte an den Leserservice.

Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Profilbild Stiftung_Warentest am 18.11.2021 um 11:52 Uhr
Leitungs­wasser und destilliertes Wasser mischen

@hansewurst: Mischen Sie Leitungs­wasser und destilliertes Wasser im Verhältnis 1:1, wenn Sie in einer Region mit hartem Wasser leben. Verwenden Sie nicht ausschließ­lich destilliertes Wasser – es sei denn, der Anbieter empfiehlt es.

Hansewurst am 18.11.2021 um 09:53 Uhr
Stilles Wasser fürs Bügeleisen?

Mal ein ganz anderer Aspekt: Beim Dampf-Bügeln stören mich regelmässig auftretende Kalkflecken auf der Wäsche. Das Bügeleisen lässt sich nur schwer vom Kalk befreien (wir wohnen in einem Gebiet mit mittlerer Wasserhärte).
Wäre ein günstiges Mineralwasser mit sehr wenig Kalk eine Alternative zum Leitungswasser? - Es geht ja nicht um große Mengen, daher wäre meiner Ansicht nach der Umweltaspekt vertretbar. Destilliertes Wasser ist deutlich teurer und nicht so einfach zu bekommen wie Mineralwasser.
Welches Wasser würden Sie hierfür empfehlen?

Profilbild Stiftung_Warentest am 29.10.2021 um 15:06 Uhr
Fluoridgehalt

@verena155: Den Fluoridgehalt haben wir in der Testtabelle bei den Mineralstoffen aufgelistet.

verena155 am 25.10.2021 um 22:56 Uhr
Fluorid im Mineralwasser

Leider vermisse ich bei Ihrem Test die Angabe ob Fluorid im Mineralwasser enthalten ist. Das fehlt vollständig bei Ihren Angaben, ist für mich aber eine Kaufoption. Fluorid hat meiner Meinung nach im Mineralwasser nichts verloren, wird aber bei den meisten hinzugefügt, zumal es bei mir schwere Nebenwirkungen auslöst. Es gibt nur wenige Mineralwasser die dies nicht enthalten. Die Angabe hätte mir die Kaufentscheidung erleichtert. So muss ich beim Kauf jedes Etikett einer Flasche genau lesen.

manfred.manni am 20.10.2021 um 03:12 Uhr
Lidl Saskia Still Wörth am Rhein

beim Lidl in 97769 gibt es nur die Abfüllung Quelle Wörth am Rhein...können Sie nachtesten?
Deshalb steht auf den Flaschen auch kein test symbol