Mineral­wasser im Test: Test­ergeb­nisse für 32 stille und 16 Medium-Wässer

Mineralstoffe und Kohlensäure im Mineral­wasser

Mineral­wasser kann viel oder wenig Mineralstoffe enthalten. Die Stiftung Warentest erklärt, welche Mineralstoffe für wen am besten sind, wie das Etikett zu verstehen ist und wie der Blubber ins Wasser kommt.

Was sind Mineralstoffe?

Mineralstoffe müssen wir unserem Organismus zuführen, um die Körperfunk­tionen aufrecht zu erhalten. Im Wasser liegen sie in gelöster Form als geladene Teilchen vor. Sie werden über Getränke schneller aufgenommen als über feste Speisen und gelangen direkt in die Blutbahn.

Die wichtigsten positiv geladenen Teilchen (Kat­ionen) sind Natrium, Kalium, Kalzium und Magnesium, die wichtigsten negativ geladenen Teilchen (Anionen) Chlorid, Hydrogenkarbonat und Sulfat.

Mineral­stoff­gehalt hängt vom Unter­grund ab

Auf dem Weg in die Tiefe, durch verschiedene Boden- und Gesteins­schichten hindurch, können sich Mineralstoffe wie Kalium, Magnesium und Kalzium oder Hydrogenkarbonat, Sulfat und Chlorid im Wasser lösen. Sie sind der Spiegel des Bodens. In Gips- und Muschelkalk­gebieten wie in Baden-Württem­berg ist das Wasser etwa kalzium- und magnesiumreich; in kalk­steinreichen Regionen wie in Rhein­land-Pfalz eher hydrogenkarbonathaltig. Unter den Flächen Brandenburgs ist es meist mineral­stoff­arm.

Unser Test Mineralwasser zeigt die Wässer mit ihrem jeweiligen Gesamt­mineral­stoff­gehalt – von nied­rig bis hoch.

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Welche Mineralstoffe für wen?

Magnesium soll gut für Gestresste sein, Natrium gut für Sportler. Manche Werbung suggeriert, dass Mineral­wasser dank seiner Mineralstoffe Besonderes leisten kann. Unser Wasser-Test zeigt, welche Wässer das wirk­lich können. Mineralstoffe müssen wir unserem Organismus zuführen, um die Körperfunk­tionen aufrecht zu erhalten.

Am besten gelingt das mit abwechs­lungs­reicher Kost. Mit natürlichem Mineral­wasser ist dies ungleich schwerer: Um den täglichen Mineral­stoff­bedarf allein damit zu decken, müsste man viel zu viel trinken. Dennoch kann es lohnen, mineral­stoff­reiche Wässer gezielt zu konsumieren.

Wässer mit hohem Mineral­stoff­gehalt

Von einem hohem Mineral­stoff­gehalt spricht man, wenn mehr als 1 500 Milligramm gelöste Mineralstoffe pro Liter im Wasser enthalten sind. Ist der Gesamt­gehalt hoch, lohnt sich der Blick auf einzelne Mineralstoffe.

Tabelle: Wässer mit hohem Mineralstoffgehalt

Kalzium

Kalzium stärkt die Knochen, ist wichtig für die Erreg­barkeit von Nerven und Zellen. Der Tages­bedarf für einen Erwachsenen liegt bei 1 000 Milligramm, Teen­ager brauchen sogar 1 200 Milligramm am Tag. Haupt­quellen für Kalzium sind Milch­produkte oder grünes Blatt­gemüse.

Für wen? Wer Milch und Milch­produkte nicht verträgt oder mag, kann sich viel Kalzium mit einem kalziumreichen Mineral­wasser zuführen. Viel Kalzium enthalten Wässer mit mehr als 150 Milligramm Kalzium pro Liter.

Tabelle: Wässer mit viel Kalzium

Magnesium

Magnesium ist beteiligt am Aufbau von Knochen und stärkt die Erreg­barkeit der Nerven. Die Tages­bedarf einer erwachsenen Frau liegt bei 300 Milligramm, der eines Mannes bei 350 Milligramm. Über Blatt­gemüse, Getreide, Fleisch, Milch und Nüsse lässt sich der tägliche Bedarf leicht decken.

Für wen? Wer viel Sport treibt oder körperlich anstrengende Tätig­keiten ausübt, verliert mit dem Schweiß auch Magnesium. Einige Mineralwässer können dazu beitragen, den Bedarf zu decken.Auch Schwangere haben einen höheren Magnesi­umbedarf. Wässer mit viel Magnesium enthalten mehr als 50 Milligramm Magnesium pro Liter.

Tabelle: Wässer mit viel Magnesium

Natrium und Chlorid

Die Kochsalz­bestand­teile Natrium und Chlorid kommen in jedem Wasser vor. Beide regulieren im Körper den Wasser­haushalt. Natrium ist wichtig für die Reizleitung in Nerven- und Muskel­zellen, Chlorid außerdem Bestand­teil der Magensäure. Für Erwachsene liegt der Tages­bedarf an Chlorid bei 2 300 Milligramm. Normaler­weise nehmen wir Chlorid über Kochsalz ausreichend zu uns.

Für wen? Wer stark schwitzt, verliert mit dem Schweiß vor allem Natrium. Der Tages­bedarf an Natrium für Erwachsene liegt bei 1 500 Milligramm. Wässer mit mehr als 200 Milligramm Natrium pro Liter gelten als natrium­reich. Das ist eher selten. Die meisten Mineralwässer in unserem Test sind arm an Natrium mit einem Gehalt von weniger als 20 Milligramm Natrium pro Liter. Sie werden als „natrium­arm“ beworben, als ob es etwas Besonderes wäre. Relevant ist das vor allem für Säuglinge.

Tabelle: Wässer mit wenig Natrium
Tabelle: Wässer mit viel Natrium

Hydrogenkarbonat (Bikarbonat)

Hydrogenkarbonat kann der Körper selbst bilden, etwa aus Lebens­mitteln wie Obst und Gemüse, oder mit Mineral­wasser aufnehmen. Der Mineralstoff reguliert den Säure-Basen-Haushalt im Körper.

Für wen? Wer unter Sodbrennen leidet oder einen gereizten Magen hat, sollte Wasser mit diesem natürlichen Säurepuffer trinken. Für Hydrogenkarbonat gibt es keine Empfehlung zur Tages­aufnahme. Wässer mit viel Hydrogenkarbonat enthalten mehr als 600 Milligramm Hydrogenkarbonat pro Liter.

Tabelle: Wässer mit viel Hydrogenkarbonat (Bikarbonat)

Sulfat

Der Körper produziert Sulfat selbst durch die Umwandlung schwefelhaltiger Aminosäuren aus eiweiß­haltiger Nahrung wie Fleisch, Fisch, Eier oder Hülsenfrüchte. Es ist wichtig für den Protein­stoff­wechsel, aber auch für die Festig­keit von Haut und Haaren. Viel Sulfat kann verdauungs­fördernd wirken – bei Verstopfung ist das nützlich.

Für wen? Wer einen trägen Darm hat oder unter Verstopfungen leidet, für den ist sulfathaltiges Wasser hilf­reich. Wer aber zu Durch­fall neigt, sollte eher vorsichtig sein. Empfehlungen für die Tages­zufuhr von Sulfat liegen nicht vor. Wässer mit viel Sulfat enthalten mehr als 200 Milligramm Sulfat pro Liter.

Tabelle: Wässer mit viel Sulfat

Kalium

Kalium hält den Wasser­haushalt im Gleichgewicht, reguliert die Reizleitung in Nerven- und Muskel­zellen.

Für wen? Wer Blut­hoch­druck hat, sollte sich kaliumreich ernähren. Allerdings kann selbst das kalium­reichste Produkt aus unserem Test mit seinen 28,2 Milligramm pro Liter nur einen Bruch­teil zum täglichen Bedarf beisteuern. Die empfohlene Menge für den Tagesbedarf eines Erwachsenen liegt laut Deutscher Gesell­schaft für Ernährung bei 4 000 Milligramm. Die decken Gemüse, Obst und Milch besser.

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Was verrät das Mineral­wasser-Etikett?

„Natrium­arm“, „kalziumhaltig“, „für Säuglings­nahrung“ – einige Hersteller loben eine besondere Zusammenset­zung ihres Mineral­wassers aus. Die Mineral- und Tafelwasserverordnung (MTVO) definiert in Anlage 6, wie hoch oder nied­rig die Mineral­stoff­gehalte dann jeweils sein müssen. Daran müssen sich auch Auslobungen wie etwa „mineral­stoff­reich“, „magnesiumhaltig“ messen lassen.

Übrigens: Der Auszug der amtlich anerkannten Analyse gilt oft für Jahre, denn das Wasser der Quelle verändert sich praktisch nicht – die Zusammenset­zung wird regel­mäßig kontrolliert.

Grafik: Ein Mineral­wasser-Musteretikett

Mineral­wasser im Test - Test­ergeb­nisse für 32 stille und 16 Medium-Wässer

1) Mit Kohlensäure versetzt. Diese Information sagt, dass Kohlensäure hinzugefügt wurde, die nicht aus der Quelle stammt – sonst­stünde dort ausdrück­lich „mit eigner Quell­kohlensäure versetzt“.
2) Enteisent: Eisen wird aus ästhetischen (braune Flocken bilden sich) und aus geschmack­lichen Gründen entfernt. Das ist eine freiwil­lige Angabe zum Behand­lungs­verfahren.
3) Quelle und Quell­ort sind die wichtigsten Angaben.
4) Ein älteres Analysedatum weist auf eine unver­änderte Zusammenset­zung hin.
5) Der Analysen­auszug gibt die charakteristischen Mineral­stoff­gehalte an.

Grund­sätzlich muss auf jeder Flasche ein Analysen­auszug stehen, der die Gehalte charakteristischer Mineralstoffe auf Basis amtlicher Analysen angibt.

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Was Kohlensäure im Mineral­wasser bewirkt

Von Natur aus perlt in Mineral­wasser etwas Kohlensäure aus der Quelle, in Vulkan­regionen besonders viel. Oft reicht der Gehalt nicht für ein starkes Prickeln, dann kommt tech­nisch hergestellte Kohlensäure hinzu. Sie wird durch Gärungs- oder Verbrennungs­prozesse gewonnen. Auf dem Etikett steht dann „mit Kohlensäure versetzt“.

Wasser und Kohlen­stoff­dioxid

Kohlensäure ist die Verbindung von Wasser mit Kohlen­stoff­dioxid (CO2). Mineral­wasser enthält nur Spuren dieser echten Kohlensäure, das meiste ist gelöstes CO2. Land­läufig fasst man beides unter dem Begriff Kohlensäure zusammen. Wenn der Mensch prickelndes Wasser trinkt, nimmt er viel CO2 auf. Durch Aufstoßen, über das Blut und die Lungen gelangt es wieder komplett aus dem Körper.

pH-Wert: Leicht sauer

Kohlensäure kitzelt im Mund und lässt das Wasser etwas säuerlich schme­cken. Sie bestimmt auch den pH-Wert des Wassers. Er liegt beim Classic-Wasser im leicht sauren Bereich – im Mittel bei 5,3. Bei Medium-Wässern ist er ähnlich. Leitungs- und stilles Wasser sind eher neutral (pH-Wert von etwa 7). Vorteil der Kohlensäure: Sie kann verhindern, dass Keime wachsen.

Kohlen­stoff­dioxid ist leicht reizend

Das CO2 im Mineral­wasser kann den Magen reizen. Wer Probleme damit hat, sollte lieber stilles Wasser trinken. Mancher fürchtet auch, dass Kohlensäure wie andere Säuren die Zähne angreift – dafür ist sie aber zu flüchtig.

Als Dick­macher verdächtigt

Die Studie einer Uni in Ramallah sorgte 2017 für Aufsehen. Kohlensäure soll danach ein Hungerhormon akti­vieren und den Appetit fördern. Die Studie hatte mehrere metho­dische Probleme, unter anderem nahmen nur 20 Menschen teil.

Sprudelt unterschiedlich stark

Der Kohlensäu­regehalt ist weder für Medium- noch für Classic-Mineralwässer vorgeschrieben. Die Gehalte variieren. Selbst Medium ist nicht gleich Medium – es kribbelt mal stärker, etwa bei Rein­steiner (5,2 Gramm Kohlen­stoff­dioxid je Liter) und mal schwächer, wie bei Förs­tina Sprudel (2,9 Gramm Kohlen­stoff­dioxid je Liter).

Übrigens: Das Test­urteil für ein Mineral­wasser ist nicht über­trag­bar auf andere Sorten derselben Marke – was für Medium oder Classic gilt, muss nicht für die stille Sorte gelten.

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