So testet die Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest untersucht natürliches Mineral­wasser auf viele Para­meter: den Geschmack, die mikrobiologische Qualität, den Gehalt an kritischen Stoffen natürlichen Ursprungs wie Arsen, Uran oder Chrom (VI). Die Tester fahnden zudem noch nach Verunreinigungen aus Land­wirt­schaft, Haushalten und Industrie, über­prüfen die Deklaration und bestimmen die Mineral­stoff­gehalte. Lesen Sie hier, wie die Stiftung Warentest testet und bewertet.

Die Auswahl der Produkte

Classic-Wässer: Wir haben 30 markt­bedeutende natürliche Mineralwässer mit hohem Kohlensäu­regehalt (Classic, spritzig) ausgewählt, darunter 11 klassische Markenwässer und 19 Eigenmarken des Handels. 6 Mineralwässer sind in Glasflaschen, 24 in PET-Flaschen abge­füllt – davon 3 in Mehr­wegflaschen. Wir kauf­ten im Januar und Februar 2018 ein und ermittelten die Preise durch Anbieterbefragung im Mai 2018.

Medium-Wässer: Wir wählten 30 markt­bedeutende natürliche Mineralwässer mit mitt­lerem Kohlensäu­regehalt (Medium) aus, darunter 12 klassische Markenwässer und 18 Eigenmarken des Handels. 3 Mineralwässer waren in Glasflaschen, 27 in PET-Flaschen abge­füllt. Wir kauf­ten im Januar und Februar 2017 ein und ermittelten die Preise durch Anbieterbefragung im Mai 2017. Im April/Mai 2018 fragten wir die Anbieter nach Produkt­änderungen und aktualisierten unsere Test­daten­bank. Sie enthält jetzt nur noch 22 unver­ändert angebotene Medium-Wässer.

Sensorisches Urteil: 50 %

Ein geschultes Panel aus sieben Prüf­personen verkostete alle Wässer in Anlehnung an die Din-Vorschrift 10964. Die anonymisierten Produkte wurden aus neutralen Prüfgefäßen unter gleichen Bedingungen geprüft. Jedes Produkt wurde aus zwei Flaschen, auffällige Produkte aus einer weiteren Flasche getestet. Die Prüfer dokumentierten Aussehen, Geruch, Geschmack, Mund­gefühl und erfassten abweichende Ausprägungen in Art und Intensität. Das war die Grund­lage unserer Bewertung.

Kritische Stoffe: 20 %

Wir bestimmten Arsen, Blei, Kadmium und Nickel gemäß Methode Din EN ISO 155586–02, Uran gemäß Methode Din EN ISO 17294/2. Nitrat wurde nach Methode Din EN ISO 10304–1 gemessen, Vanadium mittels ICP/MS und per HR-AAS sowie Chrom (VI) per IC-ICP-MS. Die Aktivitäts­konzentrationen von Radium 226 und Radium 228 bestimmten wir nach Ausfällung als Barium(Ra)sulfat mittels Flüssigs­zintillations­zähler.

Zur Bewertung haben wir – wenn vorhanden – die Grenz­werte der Mineral- und Tafel­wasser-Verordnung (MTVO) heran­gezogen. Gab es solche nicht oder gelten sie nur für Mineralwässer, die zur Zubereitung von Säuglings­nahrung ausgelobt sind, orientierten wir uns an der Trink­wasser-Verordnung. Das betrifft beispiels­weise Uran, aber auch Radium 226 und Radium 228. Chrom (VI) bewerteten wir angelehnt an den diskutierten Leit­wert für Trink­wasser, Vanadium nach dem Gering­fügig­keits­schwellen­wert.

Mikrobiologische Qualität: 0 %

Wir prüften jeweils fünf Proben parallel nach den mikrobiologischen Unter­suchungs­verfahren der Mineral- und Tafel­wasser­ver­ordnung auf coliforme Keime, E. coli, Fäkal­streptokokken, Pseudomonas aeruginosa, sulfitreduzierende sporen­bildende Anaerobier und bestimmten die Koloniezahl. Zudem prüften wir auf aerobe Keime nach Aufbringen auf Blut­agar-Platten. Für Hefen und Schimmelpilze setzten wir weitere Tests ein.

Ober­irdische Verunreinigungen: 0 %

Wir prüften insgesamt auf 110 Substanzen oder ihre Abbau­produkte (Metabolite): auf Pflanzen­schutz- und Korrosions­schutz­mittel, auf stabile Süßstoffe und Trifluor­essig­säure gemäß Methode Din 38407–36 („Bestimmung ausgewählter Pflanzen­schutz­mittel­wirk­stoffe und anderer organischer Stoffe“), auf Arznei­mittel per Methode Din 38407–47, auf leicht flüchtige Substanzen (Benzin­zusatz­stoffe) nach der Methode Din 38407–41. Nach Komplex­bild­nern suchten wir gemäß Methode Din EN ISO 16588 und nach Glyphosat und seinem Abbau­produkt AMPA per Din-EN-Entwurf 16308.

Natürliches Mineral­wasser hat laut Mineral- und Tafel­wasser­ver­ordnung seinen Ursprung in unter­irdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasser­vorkommen. Wir haben jedoch teil­weise ober­irdische Verunreinigungen nachgewiesen und halten die Bezeichnung „natürliches Mineral­wasser“ bei den nachgewiesenen ober­irdischen Verunreinigungen für fraglich – sie führen daher bei den betroffenen Wässern zu einer ausreichenden Deklaration. Lediglich bei den positiven Befunden von Trifluor­essig­säure verzichteten wir auf eine Nennung und Bewertung, da sich die Herkunft aufgrund der sehr geringen Gehalte nicht zweifels­frei klären ließ.

Verpackung: 10 %

Drei Experten bewerteten die Originalitäts­sicherung und Hand­habung (Öffnen, Ausgießen und Wieder­verschließen). Bei hohem Gehalt an Acetaldehyd im Wasser prüften wir im Flaschenmaterial auf freies Acetaldehyd mittels Head­space-GC und auf Acetaldehyd­blocker nach Extraktion mittels GC bzw. GC/MS.

Deklaration: 20 %

Drei Experten prüften die Flaschen­etiketten auf Voll­ständig­keit und Richtig­keit der Angaben. Wir beur­teilten auch Lagerungs- und Trink­empfehlungen, Werbeaussagen, Lesbarkeit sowie Über­sicht­lich­keit der Angaben.

Ausgewählte Merkmale und Charakterisierung

  • Wir bestimmten Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium gemäß Methode L31.00–10 der ASU nach § 64 LFGB, Chlorid, Sulfat und Fluorid gemäß Methode Din EN ISO 10304–1 und Hydrogenkarbonat gemäß Verfahren Din DEV D8. Wir berechneten den Gesamt­mineral­stoff­gehalt und charakterisierten die Wässer in Anlehnung an Anlage 4 der MTVO. Die elektrische Leit­fähig­keit bestimmten wir gemäß DEV-Verfahren C8 und den pH-Wert gemäß Methode DEV C5.
  • In weiteren Unter­suchungen testeten wir die Deckeldichtungen per Beil­stein­probe auf PVC und bestimmten Acetaldehyd und Limonen im Mineral­wasser jeweils im Doppel­ansatz für 3 Flaschen pro Produkt nach Neutralisation per „purge & trap“-GC mit FID. In diesem Zusammen­hang prüften wir auch auf Substanzen wie Benzol, die jedoch nicht nach­weisbar waren.
  • Darüber hinaus bestimmten wir folgende Para­meter gemäß DEV- oder DIN-Verfahren: Ammonium, Antimon, Barium, Borat, Bromat, Bromid, Eisen, Jodid, Kupfer, Mangan, Nitrit, Phosphat, Queck­silber, Selen, Thallium, Cyanid, Zink sowie gelöster organischer Kohlen­stoff und m- und p-Wert.

Abwertungen

Lautete das sensorische Urteil ausreichend, konnte das test-Qualitäts­urteil nur eine halbe Note besser sein. Das schlechteste Einzel­urteil im Gruppen­urteil Kritische Stoffe bestimmte seine Note. Bei ausreichend in der Deklaration oder bei mangelhaft für die Verpackung werteten wir das test-Qualitäts­urteil um eine halbe Note ab.

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TestMineral­wasser im TestStand der Daten: 28.06.2017
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