So testet die Stiftung Warentest

Die Stiftung Warentest untersucht natürliches Mineral­wasser auf viele Para­meter: den Geschmack, Keime, den Gehalt an kritischen Stoffen natürlichen Ursprungs wie Arsen, Uran oder Chrom (VI). Die Tester fahnden zudem auch nach Verunreinigungen aus Land­wirt­schaft, Haushalten und Industrie, über­prüfen die Deklaration und bestimmen die Mineral­stoff­gehalte. Lesen Sie hier, wie die Stiftung Warentest testet und bewertet.

Die Auswahl der Produkte

Stille Wässer (7/2019): Wir wählten 32 markt­bedeutende natürliche Mineralwässer ohne Kohlensäure (Still, Naturell) aus, darunter 15 klassische Marken aus Deutsch­land, 4 aus Frank­reich, 10 Eigenmarken des Handels, sowie 3 Wässer, die als Baby-Mineral­wasser im Angebot sind. 6 Produkte tragen ein Bio-Logo. 4 Wässer sind in Glasflaschen abge­füllt, 2 im Tetra-Pack, 26 in PET-Flaschen – 19 in PET-Einweg, 5 in PET-Mehrweg und 2 in Petcycle-Flaschen (PET-Einwegflaschen im Mehr­wegkasten). Wir kauf­ten von Dezember 2018 bis Januar 2019 ein und ermittelten die Preise durch Anbieterbefragung im Mai 2019.

Classic-Wässer (test 7/2018): Wir wählten 30 markt­bedeutende natürliche Mineralwässer mit hohem Kohlensäu­regehalt (Classic, spritzig) aus, darunter 11 klassische Markenwässer und 19 Eigenmarken des Handels. 6 Mineralwässer sind in Glasflaschen, 24 in PET-Flaschen abge­füllt – davon 3 in Mehr­wegflaschen. Wir kauf­ten im Januar und Februar 2018 ein und ermittelten die Preise durch Anbieterbefragung im Mai 2018. Im April/Mai 2019 fragten wir die Anbieter nach Produkt­änderungen und aktualisierten unsere Test­daten­bank, auch hinsicht­lich der Preise. Sie enthält jetzt nur noch 26 unver­ändert angebotene Classic-Wässer.

Medium-Wässer (7/2017): Wir wählten 30 markt­bedeutende natürliche Mineralwässer mit mitt­lerem Kohlensäu­regehalt (Medium) aus, darunter 12 klassische Markenwässer und 18 Eigenmarken des Handels. 3 Mineralwässer waren in Glasflaschen, 27 in PET-Flaschen abge­füllt. Wir kauf­ten im Januar und Februar 2017 ein und ermittelten die Preise durch Anbieterbefragung im Mai 2017. Im April/Mai 2019 fragten wir die Anbieter nach Produkt­änderungen und aktualisierten unsere Test­daten­bank, auch hinsicht­lich der Preise. Sie enthält jetzt nur noch 20 unver­ändert angebotene Medium-Wässer.

Sensorisches Urteil: 50 %

Ein geschultes Panel aus sieben bis neun Prüf­personen verkostete alle Wässer in Anlehnung an die DIN-Vorschrift 10964. Die anonymisierten Produkte prüften sie aus neutralen Prüfgefäßen unter gleichen Bedingungen. Jedes Produkt wurde aus zwei Flaschen, auffällige Produkte aus einer weiteren Flasche getestet. Die Prüfer dokumentierten Aussehen, Geruch, Geschmack, Mund­gefühl und erfassten abweichende Ausprägungen in Art und Intensität. Das war die Grund­lage unserer Bewertung.

Kritische Stoffe: 20 %

Wir bestimmten Arsen, Blei, Kadmium und Nickel gemäß Methode DIN EN ISO 155586–02, Uran gemäß Methode DIN EN ISO 17294–2:2017–01 . Nitrat wurde nach Methode DIN EN ISO 10304–01 gemessen, Vanadium mittels ICP/MS und per HR-AAS sowie Chrom (VI) per IC-ICP-MS. Die Aktivitäts­konzentrationen von Radium 226 und Radium 228 bestimmten wir nach Ausfällung als Barium(Ra)sulfat mittels Flüssigs­zintillations­zähler.

Zur Bewertung haben wir – wenn vorhanden – die Grenz­werte der Mineral- und Tafel­wasser-Verordnung (MTVO) heran­gezogen. Gab es solche nicht oder gelten sie nur für Mineralwässer, die zur Zubereitung von Säuglings­nahrung ausgelobt sind, orientierten wir uns an der Trink­wasser-Verordnung. Das betrifft beispiels­weise Uran, aber auch Radium 226 und Radium 228. Chrom (VI) bewerteten wir angelehnt an den diskutierten Leit­wert für Trink­wasser, Vanadium nach dem Gering­fügig­keits­schwellen­wert.

Mikrobiologische Qualität: 0 %

Wir prüften jeweils fünf Proben parallel in Anlehnung an die mikrobiologischen Unter­suchungen der Mineral- und Tafel­wasser­ver­ordnung auf coliforme Keime, E. coli, Fäkal­streptokokken, Pseudomonas aeruginosa, sulfitreduzierende sporen­bildende Anaerobier und bestimmten die Gesamt­keimzahl (Koloniezahl). Wir fanden bei dieser Prüfung zwar in keinem Produkt die in der MTVO genannten Krank­heits­erreger, aber mitunter hohe Gesamt­keim­gehalte. Recht­lich ist das nicht zu bean­standen, denn die Grenz­werte für die Koloniezahl gelten mit Ausnahme der Mineralwässer, die zur Zubereitung von Säuglings­nahrung ausgelobt werden, nur inner­halb von 12 Stunden nach Abfüllung des Mineral­wassers. Wir kauf­ten die Produkte aber wie Verbraucher erst im Handel ein.

In zusätzlichen Prüfungen untersuchten wir auf weitere obligat oder fakultativ pathogene Mikro­organismen und auf Indikatorkeime zur Beur­teilung der Betriebs­hygiene. Als Nähr­boden diente zunächst Blut­agar. Für Hefen und Schimmelpilze sowie zur weiteren Differenzierung positiver Befunde setzten wir weitere Tests ein. Für Hefen und Schimmelpilze setzten wir weitere Tests ein. Bei der Bewertung haben wir unseren Blick auf besonders sensible Ziel­gruppen wie zum Beispiel Säuglinge, alters- oder krank­heits­bedingt Immun­geschwächte gerichtet. Es wurde zwischen verschiedenen Verwendungs­möglich­keiten des Mineral­wassers unterschieden: üblicher Verzehr als Getränk für Gesunde und Sportler, Versorgung von Säuglingen und Klein­kindern, von Kranken­hauspatienten bis Riskogruppe 2 (nach der Empfehlung der Kommis­sion für Kranken­haushygiene und Infektions­prävention beim Robert-Koch-Institut), Einsatz bei der Pflege von Patienten mit Magen- oder Dünn­darmsonden sowie Mikroaspiration in die Lunge bei Verschlu­cken.

Auch wenn durch auffällige Befunde in einigen stillen Mineralwässern nicht zwangs­läufig eine Gesund­heits­gefähr­dung resultiert, ist sie unter besonderen Umständen nicht auszuschließen. Bei der Beur­teilung haben wir sowohl die Spezies als auch die Anzahl der fest­gestellten Keime berück­sichtigt und die Wässer strenger beur­teilt als nach der Mineral- und Tafel­wasser­ver­ordnung.

Ober­irdische Verunreinigungen: 0 %

Wir prüften insgesamt auf 110 Substanzen oder ihre Abbau­produkte (Metabolite): auf Pflanzen­schutz- und Korrosions­schutz­mittel, auf stabile Süßstoffe, Trifluor­essig­säure. Die stillen Mineralwässer untersuchten wir auch auf Sulfamidsäure (Amidosulfonsäure gemäß Methode DIN 38407–36:2014–09 („Bestimmung ausgewählter Pflanzen­schutz­mittel­wirk­stoffe und anderer organischer Stoffe“), auf Arznei- und Röntgen­kontrast­mittel per Methode DIN 38407–47:2017–07, auf leicht flüchtige Substanzen (Trihalogen­methane, Trichlore­then und Tetra­chlore­then) nach der Methode DIN 38407–41 bzw. neu als DIN EN ISO 17943:2016–10. Nach Komplex­bild­nern (z.B. EDTA) suchten wir gemäß Methode DIN EN ISO 16588:2004–02 und nach Glyphosat und seinem Abbau­produkt Ampa in Anlehnung an Methode DIN ISO 16308:2017–09.

Natürliches Mineral­wasser hat laut Mineral- und Tafel­wasser­ver­ordnung seinen Ursprung in unter­irdischen, vor Verunreinigungen geschützten Wasser­vorkommen. Wir haben jedoch teil­weise ober­irdische Verunreinigungen nachgewiesen und halten die Bezeichnung „natürliches Mineral­wasser“ bei den nachgewiesenen ober­irdischen Verunreinigungen für fraglich – sie führen daher bei den betroffenen Wässern zur Note Ausreichend in der Deklaration. Lediglich bei den positiven Befunden von Trifluor­essig­säure verzichteten wir auf eine Nennung und Bewertung, da sich die Herkunft aufgrund der sehr geringen Gehalte nicht zweifels­frei klären ließ.

Verpackung: 10 %

Drei Experten bewerteten die Originalitäts­sicherung und Hand­habung (Öffnen, Ausgießen und Wieder­verschließen). Bei hohem Gehalt an Acetaldehyd im Wasser prüften wir im Flaschenmaterial auf freies Acetaldehyd mittels Head­space-GC und auf Acetaldehyd­blocker nach Extraktion mittels GC beziehungs­weise GC/MS.

Deklaration: 20 %

Wir prüften die Flaschen­etiketten auf Voll­ständig­keit und Richtig­keit der Angaben. Drei Experten beur­teilten auch Lagerungs- und Trink­empfehlungen, Werbeaussagen, Lesbarkeit sowie Über­sicht­lich­keit der Angaben.

Ausgewählte Merkmale und Charakterisierung

Wir bestimmten Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium gemäß Methode L31.00–10 der ASU nach § 64 LFGB, Chlorid, Sulfat und Fluorid gemäß Methode Din EN ISO 10304–1 und Hydrogenkarbonat gemäß Verfahren Din DEV D8. Wir berechneten den Gesamt­mineral­stoff­gehalt und charakterisierten die Wässer in Anlehnung an Anlage 4 der MTVO. Die elektrische Leit­fähig­keit bestimmten wir gemäß DEV-Verfahren C8 und den pH-Wert gemäß Methode DEV C5.

Weitere Unter­suchungen

In weiteren Unter­suchungen testeten wir die Deckeldichtungen per Beil­stein­probe auf PVC und bestimmten Acetaldehyd und Limonen im Mineral­wasser jeweils im Doppel­ansatz für 3 Flaschen pro Produkt nach Neutralisation per „purge & trap“-GC mit FID. In diesem Zusammen­hang prüften wir auch auf Substanzen wie Benzol, die jedoch nicht nach­weisbar waren.

Darüber hinaus bestimmten wir folgende Para­meter gemäß DEV- oder DIN-Verfahren: Ammonium, Antimon, Barium, Borat, Bromat, Bromid, Eisen, Jodid, Kupfer, Mangan, Nitrit, Phosphat, Queck­silber, Selen, Thallium, Cyanid, Zink sowie gelöster organischer Kohlen­stoff und m- und p-Wert.

Abwertungen

Das schlechteste Einzel­urteil im Urteil Kritische Stoffe bestimmte seine Note. Waren die Urteile für mikrobiologische Qualität oder Deklaration mangelhaft, konnte das test-Qualitäts­urteil nicht besser sein. Lautete das sensorische Urteil ausreichend oder war die mikrobiologische Qualität ausreichend, konnte das Gesamt­urteil maximal eine halbe Note besser sein. War das Deklarations­urteil ausreichend oder das Urteil für die Verpackung mangelhaft, wurde das Qualitäts­urteil um eine halbe Note abge­wertet.

Jetzt freischalten

TestMineral­wasser im Test26.06.2019
2,50 €
Zugriff auf Testergebnisse für 78 Produkte (inkl. PDF).

Wie möchten Sie bezahlen?

  • Unser Tipp
    test.de-Flatrate

    Freier Zugriff auf alle Testergebnisse und Online-Artikel für 7,90 € pro Monat oder 54,90 € im Jahr. Abonnenten von test oder Finanztest zahlen die Hälfte.

    Flatrate neu erwerben

  • Diesen Artikel per Kreditkarte kaufen
  • Diesen Artikel per PayPal kaufen
  • Diesen Artikel per Handy kaufen
  • Gutschein einlösen
Preise inkl. MwSt.
  • kauft alle Testprodukte anonym im Handel ein,
  • nimmt Dienstleistungen verdeckt in Anspruch,
  • lässt mit wissenschaftlichen Methoden in unabhängigen Instituten testen,
  • ist vollständig anzeigenfrei,
  • erhält nur rund 6 Prozent ihrer Erträge als öffentlichen Zuschuss.

Dieser Artikel ist hilfreich. 5231 Nutzer finden das hilfreich.