Interview: Für ein gutes Gefühl

Nasenspray Test

Professor Winfried Kern

Professor Winfried Kern leitet die Infektiologie der Uniklinik Freiburg. Dort werden Patienten mit Infektionskrankheiten behandelt, Fachärzte ausgebildet und Behandlungsleitlinien entwickelt.

Sind salzhaltige Nasensprays nur ein Modetrend oder können sie auch medizinisch sinnvoll sein?

Ein Modetrend sicher nicht. Ein solches Spray kann zum Beispiel bei Schnupfen sinnvoll sein, vor allem wenn man die Alternativen betrachtet. Reines Schnäuzen kann zwar schon Erleichterung bringen, aber eine Nasenspülung befördert das Sekret leichter nach draußen. Eigentlich müsste die Lösung nicht unbedingt Salz enthalten, aber man ist auf der sicheren Seite, denn man geht von einer guten Verträglichkeit aus, da die Salzkonzentration der Sprays derjenigen in Körperflüssigkeiten entspricht. Außerdem werden die Sprays mit gereinigtem oder sterilem Wasser hergestellt. Man kann aber auch Wasser abkochen und selbst eine Salzlösung zubereiten.

Kann ein Salzspray noch in weiteren Situationen nützlich sein?

Wenn Sie das Gefühl haben, die Nase zusätzlich spülen oder befeuchten zu müssen, etwa bei trockener Luft auf einer Reise oder in klimatisierten Räumen. Das ist aber keine medizinische Anwendung, das befördert einfach das Wohlbefinden.

Sind die Sprays vergleichbar mit Nasenspülungen, die zur Vorbeugung gegen Schnupfen empfohlen werden?

Hierzu gibt es nach meiner Kenntnis keine Untersuchungen. Ich halte sol-che Empfehlungen für wahnsinnig übertrieben. Andererseits sind diese Anwendungen nicht schädlich und können manchmal dazu beitragen, dass die Leute sich besser fühlen.

Kann auch die Selbstreinigung einer trockenen Nase verbessert werden?

Wenn man generell sehr trockene Schleimhäute hat, unabhängig von der Luftfeuchtigkeit, kann man mit einer solchen Spülung die Schleimhaut etwas von ihrer Arbeit entlasten.

Sind die Sprays zur Nasenbefeuchtung auch für Säuglinge geeignet?

Ja. Bei akutem Babyschnupfen werden Salzlösungen sogar als erste Maßnahme empfohlen. Denn sie sind wesentlich schleimhautverträglicher als abschwellende Nasentropfen. Solche starken Arzneimittel sollten Säuglingen nur dann verabreicht werden, wenn die Nasenatmung stark eingeschränkt ist und sie deshalb nicht schlafen können.

Können die Salzlösungen dauerhaft angewendet werden?

Theoretisch ja, wenn man sie gut verträgt. Medizinische Gründe für eine dauerhafte Anwendung gibt es aber nicht. Wenn die salzhaltigen Nasensprays einem in staubtrockener Landschaft oder in einem staubigen Arbeitsumfeld ein besseres Gefühl geben – warum nicht?

Kann man abhängig werden vom Feuchtigkeitsschub aus der Flasche?

Nein. Aber je häufiger man die Nase spült, umso wichtiger ist es, nicht irgendwelches Wasser zu benutzen, sondern eine keimarme Lösung mit physiologischer Salzkonzentration – dies ist bei den kommerziell herge­stellten Sprays der Fall.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Bei einer Erkältung mit hohem Fieber, einer Schwellung der Nasenschleimhaut oder der Nebenhöhlen mit starken Schmerzen oder wenn die Nase stark verstopft ist, sollte man sich von einem Arzt untersuchen lassen. Man kann auch vorübergehend ein abschwellendes Nasenspray benutzen. Das sollte aber nur für wenige Tage eingesetzt werden, da es ansonsten die Nasenschleimhaut schädigen kann.

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