Nagellack Test

Glanz und Glamour auf Fuß- und Fingernägeln – das wünschen sich Frauen von einem Nagellack. Der Test zeigt jedoch: Jeder zweite Lack hält nicht gut.

Von zitronengelb über knallrot bis zu himmelblau und rabenschwarz – zu jeder Stimmung, jedem Anlass, jedem Outfit gibt es die passende Nagellackfarbe. Die Farbpalette lockt zum Kauf, Werbeversprechen wie „trocknet in Sekunden“ oder „hält bis zu 10 Tage“ auch. Damit tragen die Werbetexter eindeutig zu dick auf. Gerade bei der Haltbarkeit der Farbe auf den Nägeln erlebten wir im Test manche Enttäuschung. Jeder zweite Nagellack hält nur befriedigend oder schlechter und verfehlte damit oft ein gutes test-Qualitätsurteil. Viermal reichte es nur zum Ausreichend.

Wir haben 26 Nagellacke unter die Lupe genommen. Auch solche, die besonders lange Haltbarkeit oder superschnelles Trocknen versprechen: klassisches Rot und fünf trendige Blautöne. Wer glaubt, unterschiedliche Farben des gleichen Herstellers müssten von gleicher Qualität sein, irrt. Das zeigen die zum Teil unterschiedlichen Ergebnisse für die blauen und die roten Nagellacke der gleichen Marke.

Teuerster Lack nur befriedigend

Ein weiterer Irrtum: Ein guter Nagellack muss teuer sein. Der Test zeigt vielmehr: Schon für 18 Cent pro Milliliter ist ein gutes Produkt zu bekommen, der p2 von dm. Für Nobelmarken aus der Parfümerie, im Test zum Beispiel Chanel, ist schnell das Zehnfache fällig. Dabei kommt dieser Nagellack über befriedigend nicht hinaus. Das liegt vor allem daran, dass er nicht so gut haltbar und schwierig zu entfernen ist.

Als Beginn „einer neuen Ära in Sachen Nagelpflege“ stellt sich acquarella vor, ein lösemittelfreier Lack auf Wasserbasis. Im Test gehört er allerdings – zusammen mit Biocura von Aldi (Nord) und essence – zu den Schlusslichtern. Seine Deckkraft überzeugt nicht. Schon einen Tag nach dem Auftragen beginnt er abzusplittern. Das Entfernen mit dem speziell zu diesem Lack gehörigen Entferner erweist sich auch als schwierig.

Zwei Wochen im Praxistest

Nagellack Test

Entfernen. Nicht jeder Nagellack lässt sich mühelos wieder entfernen.

Je zehn Probandinnen nahmen ein Produkt unter die Lupe. Sie lackierten sich über zwei Wochen lang die Fingernägel: nach drei Tagen, nach fünf und nach sieben. Natürlich entfernten sie den Lack vorher jedes Mal. Zusätzlich prüften Profitesterinnen die Produkte. Allen war wichtig, dass ein Nagellack gut deckt, schön glänzt, lange haftet. In Details kamen die Testerinnen manchmal zu unterschiedlichen Ergebnissen, Glanz und Deckkraft beurteilten sie jedoch überwiegend als gut oder sogar sehr gut.

Fünf Tage sollte ein guter Lack halten

Anders bei der Haltbarkeit: Nur jeder zweite Nagellack haftet gut, darunter auch die meisten, die mit Langzeitwirkung werben. Versprechen wie Halt bis zu sieben oder gar bis zu zehn Tage sind aber deutlich zu hoch gegriffen. Das könnte höchstens gelten, wenn man mit den frisch lackierten Nägeln bewegungslos auf dem Sofa sitzen bliebe. Fünf Tage sollte ein guter Nagellack mindestens halten, die mit Langzeitwirkung, long lasting, etwas länger. Alle mit der Note gut bei der Haltbarkeit haben das geschafft.

Unsere Probandinnen gingen wie im Alltag ihren üblichen Beschäftigungen nach, wirbelten im Haushalt, tippten am Computer oder trainierten im Fitnessstudio. Hinzu kam für alle eine Sonderaufgabe im Labor: Sie mussten mit den lackierten Fingern in Kieselsteinchen wühlen . Alle Lacke erwiesen sich in dieser Prüfung als recht widerstandsfähig.

Dennoch bleibt als Fazit der Haltbarkeitsprüfung: Wer keine ausgefransten Ränder hinnehmen, sondern makellos aussehen möchte, kommt nicht darum herum, den Nagellack alle drei bis fünf Tage zu erneuern oder zumindest auszubessern.

Ein Traum: Trocken in Sekunden

Nagellack darf erst belastet werden, wenn er durchgetrocknet ist. Der „Handschuhtest“ mit den fünf Profitesterinnen zeigt: Das kann dauern. Nach dem Lackieren warteten sie die vom Hersteller angegebene Trocknungszeit ab, zum Beispiel 45 Sekunden bei Astor Quick‘n Go. Bei anderen Lacken, die keine Angaben zu sekundenschnellem Trocknen machen, ließen sie zehn Minuten verstreichen. Dann zogen sie weiße Baumwollhandschuhe an und ballten 20-mal die Fäuste. Danach wurden Nägel und Handschuhe inspiziert. Trotz Wartens gab es meist deutliche Abrieb- oder Gewebespuren auf den lackierten Nägeln oder Farbspuren in den Handschuhen.

Nach Sekunden, wie versprochen, waren die schnell trocknenden Lacke nie trocken, dafür bekamen sie Minuspunkte. Sie sind jedoch zumindest oberflächlich schneller trocken als die anderen Lacke, nämlich nach etwa fünf Minuten. Bei jenen, die keine Trocknungszeiten angeben, muss man manchmal zehn Minuten oder noch länger warten. Wer es eilig hat und nur einmal lackieren möchte, sollte zu einem One-Coat-Lack greifen. Im Test: Astor Quick‘n Go. Er kommt aber insgesamt nicht über befriedigend hinaus.

Alle Lacke lassen sich unkompliziert handhaben, auftragen und verteilen. Das Entfernen ist oft mühsamer: Nur die roten Nagellacke MNY Maybelline, Sante, p2 von dm und alessandro sowie die blauen Kiko und alessandro lassen sich völlig unproblematisch wieder entfernen.

Allergische Reaktionen traten im Test nicht auf. Sie sind ohnehin selten und treten dann auch nicht an der verhornten Nagelplatte auf, sondern an Körperstellen, die mit lackierten, nicht durchgetrockneten Nägeln in Kontakt gekommen sind.

Dieser Artikel ist hilfreich. 278 Nutzer finden das hilfreich.