Nähmaschinen Test

Drei gewiefte Hobbyschneiderinnen und ein Dutzend Freiarm-Nähmaschinen ergeben jede Menge Stichproben und Urteile von gut bis mangelhaft.

Früher war der Kauf einer Nähmaschine eine Anschaffung fürs Leben, häufig in Monatsraten abgestottert. Die Kreditwirtschaft ist seit jeher eng verknüpft mit der Textilbranche. 1856 entwickelte der amerikanische Anwalt Edward Clark den ersten Ratenzahlungsplan. So konnte sein Partner Isaac Merritt Singer Nähmaschinen an mittellose Heimarbeiterinnen verkaufen. Das Modell machte weltweit Schule, auch in anderen Wirtschaftszweigen.

Heute muss sich niemand hoch verschulden, um seinem kreativen Hobby zu frönen. Bereits für um die 100 Euro sind einfache mechanische Nähmaschinen zu haben, im Internet oder – meist zeitlich befristet – in Filialen von Aldi (Medion), Kaufland (Naumann), Rossmann und Norma (Singer 8280) oder Lidl (siehe Schnelltest aus test 02/2011). Solche Billigangebote können eine Alternative zu teuren Modellen sein, wenn sie ordentlich nähen und der Kunde auf Beratung weitgehend verzichtet. Diesen Service gibt es meist nur in Fachgeschäften.

Bei Naumann 83AO und Singer 8280 für 80 und 125 Euro stimmt die Qualität. Sie machten in unserer Nähstube eine überraschend gute Figur. Meist mit allem ausgestattet, was beim Selbstschneidern wichtig ist, bringen sie für wenig Geld individuellen Pepp in den Kleiderschrank. Sie sind sogar dem besten mechanischen Modell im Test, der 330 Euro teuren Bernina bernette, nahezu ebenbürtig – qualitativ und in der Stichvielfalt. Abstriche in der Bedienung müssen bei den billigen Guten allerdings hingenommen werden.

Nähmaschinen von 80 bis 485 Euro

Nähmaschinen Test

Innenleben: Der Blick hinter die Verkleidung zeigt die ausgeklügelte Mechanik.

Innenleben: Der Blick hinter die Verkleidung zeigt die ausgeklügelte Mechanik.

Im test-Nähstudio stichelten zwölf Nähmaschinen um die Wette. Neun klassische mechanische Modelle zu Preisen zwischen 80 und 460 Euro konkurrierten mit drei elektronisch gesteuerten Geräten mit Display für rund 300 bis knapp 500 Euro. Noch teurere Nähcomputer für einige tausend Euro blieben im Test außen vor. Sie können sticken und verzieren, und sie lassen sich sogar mit selbst kreierten Motiven programmieren. Das ist aber eher etwas für Profis und gut betuchte Enthusiasten.

Wir haben herkömmliche Freiarmmodelle für den Hausgebrauch ausgewählt. Soll ein Ärmel eingesetzt oder das Hosenbein gekürzt werden, nimmt man den Anschiebetisch mit Zubehörfach ab und zieht den Stoff über den dann freien Näharm. Das erleichtert das Rundnähen besonders an kniffligen Stellen. Ausgestattet mit den wichtigsten Sticharten und Nähfüßen (siehe Glossar), lassen sich mit den Geräten sämtliche Arbeiten ausführen, die zuhause in der Schneiderstube anfallen. Was bei einigen Maschinen an Programmen und Zubehör fehlt, lässt sich meist durch Übung, handwerkliches Geschick und eine gute Gebrauchsanleitung ersetzen.

Die drei versierten Hobbynäherinnen im Teststudio kamen mit allen Modellen mehr oder weniger gut zurecht. Beim Nähen und in der Handhabung sahen sie keine gravierenden Unterschiede zwischen mechanischen und elektronisch gesteuerten Maschinen. Auch variable Stichlängen und -breiten, komfortable Nähhilfen wie Einfädler, sichtbare Unterfadenspule und einstufige Knopflochautomatik finden sich hier wie dort.

Begeistert von der Brother

Eine Nähmaschine haben sie allerdings besonders ins Herz geschlossen: die elektronische Brother Innov-is 10 Anniversary für 325 Euro. „Die ist einfach, gleichzeitig faszinierend und hat alles, was man braucht“, hieß es. Begeistert waren die Näherinnen hier besonders von der Möglichkeit, das Gerät per Handschalter statt mit dem Fußpedal zu steuern, was übrigens auch bei der AEG Premium Line 11680 funktioniert. Mit nur 70 Stichen pro Minute kann die Brother außerdem sehr langsam nähen. Beides kommt besonders Anfängern und Menschen mit Handicaps zugute.

Verärgert über die Medion

Nähmaschinen Test

Abgefallen: Bei der Medion MD 11836 brach im Dauertest das Handrad ab.

Hingegen verärgerte die 88 Euro billige Medion MD 11836, und das nicht nur beim Nähen. Gleich alle drei getesteten Medion-Maschinen fielen im Dauerlauf aus. Bei der ersten versagte schon nach kurzer Zeit der Motor, bei der zweiten ging das Handrad kaputt, bei der dritten kapitulierte schließlich der Transporteur. Da hieß es für die Maschine am Ende mangelhaft. Grundsätzlich gilt: Wer Mängel an seinem Neuerwerb feststellt, sollte schnell beim Händler reklamieren, am besten innerhalb der ersten sechs Monate nach dem Kauf. Reparaturen lohnen sich bei Billigmodellen nämlich in der Regel gar nicht.

Beansprucht von der Singer Curvy

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Einfädelhilfe: Zieht den Faden durch das Öhr; klappt mit Übung und Fingerspitzengefühl.

Schadlos absolvierten die anderen Kandidaten den Härtetest über 100 Stunden. Sie nähten danach fast genauso wie im Neuzustand. Vom Preis ist die Zuverlässigkeit nicht zwangsläufig abhängig. Auch nicht die Qualität der Verarbeitung. So stellten wir in allen Preisklassen Passungenauigkeiten fest, zum Beispiel beim Abstand zwischen Handrad und Gehäuse. Ärgerlich ist das besonders bei der elektronischen Singer Curvy, mit knapp 500 Euro teuerstes Exemplar dieser Auswahl. Sie ist ausgesprochen vielseitig, bietet neben dem Pflichtprogramm diverse dekorative Zierstiche und lässt sich elegant über Tasten und Display bedienen. Doch manche Details trüben das Bild. Der Knopflochfuß funktioniert nicht auf Jersey-Stoffen, ein Unding bei dem hohen Preis. Außerdem stört der scharfkantige Einfädler, wenn der Benutzer die Stichplatte zum Putzen und Ölen abschrauben muss.

Eine Herausforderung stellt auch die Kombination aus anspruchsvoller Vielfalt, unübersichtlicher Menüstruktur und mittelmäßiger Gebrauchsanleitung dar. Ohne Anleitung geht bei der Curvy nämlich anfangs gar nichts. Ungeübte könnten daran schier verzweifeln und entnervt aufgeben. Erfahrene Näherinnen haben den Dreh schneller raus, können die Möglichkeiten der Maschine deshalb besser ausnutzen.

Lieblos bei der Toyota

Lieblos und mit Abstand am schlechtesten ist die Anleitung zur Toyota Jeans JSBA21: verdrehte Struktur, mehrere Sprachen auf einer Seite, teilweise sehr schlechte Übersetzung ins Deutsche und eine zu kleine Schrift. Anfänger werden deshalb an der Maschine wenig Freude haben, auch weil sie mit ihr schlecht langsam nähen können: Der Fußanlasser lässt sich schlecht regulieren, besonders am Beginn einer Naht.

Aussagekräftig bei der Pfaff

Die besten Anleitungen bringen übrigens AEG NM 1714, Bernina, Brother und Pfaff hobby mit. Bei der Pfaff gefielen uns besonders die aussagekräftigen bunten Fotos.

Die Schönheit und Vielfalt der Stiche, die eine Maschine bietet, ist eine Sache. Sie sauber auf den Stoff zu produzieren, eine andere. Dafür ist es wichtig, dass sie sich gut bedienen lässt. Alle wichtigen Handgriffe wie Einfädeln des Oberfadens, Spulen, Sticheinstellungen und Einsetzen der Nähfüße sollten möglichst einfach sein. Das aber ist selten der Fall. Nur die Testsieger von Bernina und Brother bieten insgesamt einen guten Bedienkomfort.

Wir ließen die Handhabung übrigens von drei geübten Näherinnen über 50 und zwei Nutzern der Generation Internet prüfen. Junge Leute haben häufig andere Schwierigkeiten als ältere, ungeübte andere als Hobbyschneider. Das klingt banal, sollte aber beim Kauf unbedingt bedacht sein. Im Fachgeschäft geht das erfahrungsgemäß am besten. Schließlich möchte das nächste Kleidungsstück nicht von der Stange, sondern als schönes Unikat glänzen.

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