Nähmaschinen Test

Allein mit den einfachen Näharbeiten sind selbst die billigen Modelle schlicht unterfordert. Für ein glattes „Gut“ reichte es dennoch nur bei 5 der 13 getesteten Freiarmmaschinen. Wenn es knifflig wird, sticheln manche daneben.

Längst vorbei die Zeit, als eine elektrische Nähmaschine ganz oben auf der Wunschliste junger Leute stand, begehrt als Hochzeitsgeschenk oder zur Geburt des ersten Kindes. Dennoch gehen Jahr für Jahr noch schätzungsweise 500 000 Geräte über die Ladentische. Viele davon schlummern zu Hause aber eher im Verborgenen. Abgestellt in einer Ecke, kommen sie leider oft nur dann zu Ehren, wenn mal ein Flicken auf der Jeans fällig ist, die neuen Gardinen gekürzt oder das Faschingskostüm zusammengenäht werden soll.

Damit sind moderne Nähmaschinen schlicht unterfordert. Alle Modelle dieser Untersuchung, selbst die fünf billigsten um die 200 Euro, bieten alle wichtigen Sticharten (Gerad-, Zickzack- und Blindstich), um den Kleiderschrank auch mit Selbstgeschneidertem modisch aufzu­peppen – vorausgesetzt, das eigene Händchen lässt das zu. Denn was bei einigen an Programmen und Zubehör fehlt, kann eine versierte Näherin durch Geschick und Fingerspitzengefühl ersetzen. Es ist halt mühsamer als mit einer gut ausgestatteten Elektrischen.

In unserer Schneiderstube stichelten 13 Nähmaschinen zu Preisen zwischen 155 und 700 Euro. Teure Computermaschinen für mehrere Tausend Euro, die programmierbar sind und außerNähen beispielsweise selbst kreierte Tier- oder Blütenmotive auf den Stoff sticken, waren nicht dabei. Sie kommen in der Werbung zwar groß heraus, spielen im Verkauf aber – wen wunderts – eine eher bescheidene Rolle. Nur schätzungsweise 8 000 Exemplare werden davon jährlich an die Frau gebracht. Wir haben uns deshalb beschränkt auf herkömmliche Freiarmmodelle für den Hausgebrauch. Soll ein Blusenärmel eingesetzt oder das Hosenbein gekürzt werden, nimmt man die Anschiebefläche ab und kann das Kleidungsstück dann problemlos über den jetzt freien Näharm ziehen. Das macht das Rundnähen besonders an diffizilen Stellen einfacher.

Eine stört das Bild

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Mit Spezialfuß wird das Knopfloch automatisch und passend zum Knopf genäht.

Alle Testmaschinen zeigten sich den Anforderungen in der häuslichen Schneiderstube gewachsen. Sie sind technisch auf der Höhe der Zeit, sicher und haltbar. Und das Wichtigste: Nähen können die meisten „gut“. So gab es abschließend für fünf Modelle ein „gutes“ und für sieben ein „befriedigendes“ Qualitätsurteil. Nur Singer Saturn 4, mit 600 Euro preislich im Spitzenfeld, kam trotz insgesamt guter Näheigenschaften über ein „Ausreichend“ nicht hinaus. Das Gerät sendet Störimpulse aus und kann den Fernsehempfang vermiesen.

Neben Qualität und Preis spielt das Zubehör und die Gestaltung der Nähmaschine eine nicht zu unterschätzende Rolle für die Kaufentscheidung. Wer zum Beispiel nur gelegentlich näht und das Gerät nach jeder Arbeit wieder abbauen und in einem engen Schrankfach verstauen muss, ist mit einem leichten, kleinen Modell mit flexibler Hülle (zum Beispiel Singer Featherweight II) besser bedient als mit einer großen, schweren Maschine mit starrer Kofferhaube. Und wer nichts für Knopfleisten übrig hat, braucht natürlich auch keinen Spezialfuß zum automatischen Knopflochnähen.

Feste Vorgaben – wenig Spielraum

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Feine Nähte auf rutschiger Seide waren eine harte Probe.

Der Preis ist erster Anhaltspunkt, wie üppig die Maschine ausgestattet ist. Unter 350 Euro fällt das Zubehör in der Regel eher mager aus; auch Sonderzubehör oder Schmankerl wie den versenkbaren Stofftransporteur oder die Einfädelhilfe sind hier selten. Hinzu kommt, dass es bei den Billignähern häufig weniger Stichvariationen gibt. Sind Länge und Breite der Stiche fest vorgegeben und nur in groben Stufen zu verändern so wie bei Brother LS 2720 (200 Euro) und Toyota CB 04 T (159 Euro), dann hat die Näherin wenig Spielraum. Kein großer Nachteil, wenn hauptsächlich einfache Ausbesserungsarbeiten und kaum Selbstgeschneidertes auf dem Programm stehen. Dafür reicht es allemal. Denn es wäre pure Geldverschwendung, eine luxuriös ausgestattete Maschine mit allen Schikanen in der Zimmerecke schlummern zu lassen, nur um alle zwei Monate mal einen Reißverschluss nachzubessern oder die Tischdeckenkante abzusteppen.

Für ambitionierte Hobbyschneiderinnen sind Modelle mit viel Zubehör und vielen Stichprogrammen besser. So manche Angabe dazu ist allerdings mit Vorsicht zu genießen. So werden zum Beispiel ganz normale Zickzackstiche als zusätzliche Nutzstiche angepriesen, nur weil man sie in verschiedenen Längen und Breiten variieren kann. Um nicht die Katze im Sack zu kaufen, sollte man sich deshalb im Geschäft möglichst viele Stiche vorführen lassen, um festzustellen, wie verschieden sie tatsächlich sind.

Vielnäherinnen legen besonderen Wert auf schöne, gleichmäßige Nutzstiche, so wie sie Brother 945 Super Ace III, Husqvarna Viking Freesia 415, Neckermann/Lloyds und das baugleiche Victoria-Modell auf den Stoff bringen. Das Brother-Gerät beeindruckt zusätzlich durch eine große Stichauswahl und durch viele hübsche Ziernähte. „Es ist eine Freude, mit dieser Maschine zu nähen“, so der einhellige Kommentar der fünf Frauen, die in unserer Nähstube saßen. Nur mit Seide, einem sehr rutschigen und deshalb schwierig zu verarbeitenden Stoff, kam die Brother schlecht zurecht. Auch an der Husqvarna Viking Freesia 415, der Pfaff Select 1520 und der Singer Saturn 4 hatten die Näherinnen viel Spaß, aber auch ein bisschen Kritik. Bei der Husqvarna stört der Anschiebetisch hinten; vorn wäre angenehmer. Bei der Pfaff ist das Einfädeln des Ober­fadens ziemlich umständlich. Und die Singer Saturn 4 näht manchmal unbeabsichtigt nach. Oder urplötzlich rückwärts, wenn die Stichlängeneinstellung nicht ganz exakt vorgenommen wurde.

Jeans – (k)ein Problem

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Den Härtetest im Labor hielten alle Motoren klaglos aus.

Nagelprobe für jede Nähmaschine sind dicke Jeansnähte. Das war für die meisten geprüften Geräte keine große Hürde. Lediglich die peppig aufgemachte, kleine Singer Featherweight II transportiert den Jeansstoff etwas schleppend. Mehr Mühe haben einige Maschinen mit dem Nähen von Knopflöchern, besonders in Jersey. Brother 945 Super Ace III dagegen imponierte einmal mehr mit besonders schönen Knopflöchern – eine Augenweide auf jedem Kleidungsstück, egal, aus welchem Stoff. Auch Pfaff Select 1520, Husqvarna Viking Freesia 415, die beiden Quelle-Maschinen und die Singer Saturn 4 sticheln Riegel und Raupen, die gut aussehen.

Die Schönheit und Vielfalt der Stiche, die eine Maschine bietet, ist eine Sache, sie sauber auf den Stoff zu produzieren, eine andere. Denn dafür ist es wichtig, dass sich das Nähgerät möglichst einfach bedienen lässt. Alle wichtigen Handgriffe wie Einfädeln des Oberfadens, Spulen, Sticheinstellungen und Einsetzen der Nähfüße sollten am besten selbst erklärend und simpel sein. Leider ist das nicht immer der Fall. Nur fünf Maschinen lassen sich „gut“ einrichten, benutzen und warten (Brother Super Ace III, Pfaff Select 1520, Husqvarna Viking, Quelle/Privileg 3120 D und Singer Saturn 4). Alle anderen bekamen hier nur ein „Befriedigend“. Für eine insgesamt „gute“ Handhabung reichte es trotzdem nur bei der Pfaff Select 1520. Das liegt an ihrer ungewöhnlich guten Gebrauchsanweisung, schön bebildert, stabil als Ringbuch gebunden, mit klaren Worten und übersichtlich.

Eine ordentliche Anleitung ist gerade bei einem Handarbeitsgerät außerordentlich wichtig. Natürlich erschließen sich viele Funktionen ziemlich schnell – geübten Näherinnen eher als Frauen, die wenig Erfahrung haben. Trotzdem nimmt man die Hinweise des Herstellers immer wieder zur Hand und muss sich darin gut orientieren können, beispielsweise wenn seltene Arbeiten und Sticharten anfallen, eine lange Nähpause anstand oder die Maschine eine Störung hat, die man beheben will. Schön wäre dafür eine zusätzliche Kurzanleitung mit den wichtigsten Handgriffen. Damit konnte leider keine der 13 geprüften Maschine dienen. Auch ein übersichtliches Stichwortverzeichnis zur schnellen Orientierung fehlt oft, genauso wie verständliche Sicherheitshinweise. Schlecht auch, wenn die hinter den entsprechenden Bedienschritten stehen (Quelle/Privileg 3120 D und Singer Saturn 4).

Nichts gegen Fremdsprachen. Wenn Anleitungen damit überfrachtet werden, der Leser teilweise bis zu sechs Sprachen auf einer Seite, kombiniert mit schlechten Zeichnungen, vorgesetzt bekommt, hört der Spaß auf. Unrühmliche Beispiele dafür: die Heftchen zu den beiden Toyota-Maschinen sowie zu den Modellen von Neckermann und Victoria. Hier wurde am falschen Ende gespart.

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