Nackenkissen Nur 3 von 20 betten jeden gut

Nackenkissen - Nur 3 von 20 betten jeden gut
© Stiftung Warentest

Nacken­beschwerden am Morgen müssen nicht sein. Ein Spezialkissen kann helfen. Rundum empfehlen wir aber nur wenige der geprüften Modelle.

Nackenkissen Testergebnisse für 20 Nacken­stützkissen 09/2017

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Der Wecker klingelt. Jetzt heißt es umdrehen und den Alarm ausschalten. Noch übers dicke Federkissen rollen – doch schon schmerzt der Nacken. Bereits seit Wochen geht das so. Wer sich morgens wie gerädert fühlt, sollte die Ursachen klären.

Ingo Fietze begegnet solchen Menschen täglich. Er ist Leiter des Schlaf­labors an der Charité in Berlin. „Jeder Zweite kommt wegen Nacken- und Rücken­problemen zu mir.“ Kann das Kissen daran schuld sein? „Ja, unter anderem“, sagt Fietze. Er rät verspannten Patienten, drei bis vier Wochen lang mit einem Nackenkissen zu versuchen, ob sich die Schmerzen legen.

Wie man sich bettet, so liegen Körper, Kopf und Nacken. Viele betten ihr Haupt auf die traditionelle Art: auf mit Federn gefüllten Kissen. Wachen sie ohne Beschwerden auf, spricht auch weiterhin alles für das klassische Kissen. Ansonsten aber bieten sich spezielle Nacken­stützkissen an. Sie bestehen oft aus Schaum­stoff, Viskoschaum oder Latex. Manche haben ein vorgeformtes Profil. Etliche dieser Kissen lassen sich sogar individuell anpassen.

Am besten anpassungs­fähig

Vier der zwanzig Nackenkissen sind echte Allrounder: Testsieger Diamona sowie Centa-Star und Paradies stützen jeden gut ab, ebenso Werk­meister. Auf dessen Verpackung sind jedoch irreführende Gesund­heits­versprechen abge­druckt. Daher benoteten wir Werk­meister sowie sechs weitere Kissen insgesamt nur mit ausreichend.

Die Kerne vieler Kissen bestehen aus entnehm­baren Schichten. So sollen sie sich an Kopf und Nacken anpassen lassen. Bei acht funk­tioniert das nicht oder nicht gut genug. Damit der Kopf richtig lagert, muss das Kissen die individuelle Form der Hals­wirbelsäule unterstützen. Bei Seiten­schläfern darf sie nicht seitlich abkni­cken, bei Rücken­schläfern nicht nach unten oder oben.

Um heraus­zufinden, welchen Kissen das gelingt, baten wir vier unterschiedlich gebaute Menschen ins Laborbett zum Probeliegen – jeweils auf einer harten und einer weichen Matratze. Zwei lagen auf der Seite: einer mit breiten Schultern, einer mit schmalen. Zwei lagen auf dem Rücken: einer mit hohem, einer mit geringem Stützbedarf unter dem Hinterkopf. Die Tester werteten mehr als 160 Messungen aus. Fazit: Nur wenige Kissen lassen sich optimal an die Schlaf­positionen, Schulter­proportionen und Matratzenhärten anpassen.

Tipp: In der Tabelle finden Sie Test­urteile für die Abstüt­zeigenschaften der Kissen. In Seiten­lage haben wir sie mit Personen ermittelt, die 40 und 55 Zenti­meter breite Schultern haben. Liegt Ihre Schulterbreite dazwischen, sollten Sie eines der Kissen wählen, das im Urteil „Anpassungs­möglich­keiten“ sehr gut ist. Lesen Sie weitere Tipps für Rücken­schläfer im Artikel „So finden Rückenschläfer ihr Kissen“.

Richtig liegen – aber wie?

Nackenkissen - Nur 3 von 20 betten jeden gut
In Schieflage (Bild links). Das Kissen ist viel zu hoch für die Probandin. Der Winkel­messer zeigt, dass ihr Kopf stark abknickt. In der Waagerechten (Bild rechts). Dieses Kissen stützt die Hals­wirbelsäule gut ab. Unsere Probandin liegt nahezu gerade. © Stiftung Warentest

Auf manchen Nackenkissen lagen die Prüf­personen erst gut, nachdem unsere Tester die Kissen gedreht, gewendet oder in der Höhe angepasst hatten. Etliche Anbieter geben nicht an, wie das Kissen korrekt liegen sollte. Ist es ungünstig positioniert, knickt die Hals­wirbelsäule ab. „Das kann zu Nacken- und sogar Kopf­schmerzen führen“, sagt Schlaf­experte Fietze. Kissen ohne hilf­reiche Anpassungs­hinweise haben wir insgesamt mit ausreichend bewertet.

Tipp: Vor allem schmalschult­rige Seiten­schläfer und einige Rücken­schläfer sollten genau auf die Prüf­ergeb­nisse sehen: Mehrere Nackenkissen sind für sie zu hoch.

Auch die Matratzenhärte ist wichtig

Das Kissen muss auch zur Matratze passen. Auf den Modellen von Lidl und Dänisches Betten­lager liegen Rücken­schläfer nur auf einer harten Unterlage gut. Auf einer weichen Matratze sinkt der Oberkörper zum Teil zu tief ein und der Kopf knickt ab.

Tipp: Probieren Sie im Geschäft Kissen aus, möglichst auf einer Matratze, die ähnlich hart ist wie Ihre heimische. Beim Onlinekauf können Sie das Kissen zu Hause testen und gegebenenfalls vom Rück­gaberecht Gebrauch machen.

Als besonders angenehm gilt, wenn der Kopf zunächst leicht einsinkt und das Kissen ihn dann zunehmend stützt. Manche Viskoschaum-Modelle können bei 18 Grad Celsius noch recht fest sein. In kühlen Schlaf­zimmern muss der Kopf die Kissen von Paradies, Tempur und Aktivmed erst anwärmen, ehe sie weicher werden.

Nackenkissen Testergebnisse für 20 Nacken­stützkissen 09/2017

Schaum­schlägerei für Schaum­stoff

Kissen aus Viskomaterial seien „gesund“, kämen bei „Kopf­schmerzen“, „Schlaf­problemen“ oder „Wundliegen“ zum Einsatz, wirbt Aktivmed. Das ist irreführende Werbung, mit der auch andere Anbieter locken. Wir bewerten das mit mangelhaft. Im schlimmsten Fall vertrauen Verbraucher auf die Aussagen und verschleppen den Gang zum Arzt. Nicht immer löst ein Nackenkissen Verspannungen. Und nicht jeder kommt damit klar. Schlaf­forscher Fietze rät: „Wer mehrere Nächte schlaflos verbringt, der sollte nicht zwanghaft weiter auf einem Spezialkissen liegen.“

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36 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Nutzer­kommentare können sich auf einen früheren Stand oder einen älteren Test beziehen.

Hajub am 22.09.2021 um 14:43 Uhr
Firma Diamona hat Betrieb eingestellt

Ich habe heute gelesen das die Firma Diamona schon zu Ende 2019 den Betrieb eingestellt hat. Damit ist der Testsieger vom Markt und nur noch Restposten erhältlich.

Profilbild Stiftung_Warentest am 23.03.2021 um 12:42 Uhr
Höhe bei Dormabell Cervical

@Gotjazz: Das von uns eingekaufte Produkt Dormabell Cervical NB3-V, mit den weiteren erhältlichen Größen/Höhen NB4-V, NB5-V, NB6-V haben alle eine viskoelastische Kernplatte.
Die Produkte ohne das „-V“ enthalten Latex und sind damit nicht vergleichbar.
(JG/CD)

Gotjazz am 18.03.2021 um 14:49 Uhr
Dormabell Cervical

Welches Modell wurde heir gestestet? Nachdem die unterschiedlich dicken Varianten für unterschiedliche Typen unterschiedlich gut sein dürften, es aber eindeutige Scores gibt, nehm ich an, alle Tester hatten den selben Polster. Frag sich: Welchen?
(und die Viskoschaumvariante mi V am SChluss?)

Glückspirat am 07.03.2018 um 20:21 Uhr
@Stiftung Warnetest

ich bin Matratzenfachverkäufer bei Matratzen Concord (teile ich auf Wunsch von Stiftung Warentest bei jeden meiner Beiträge mit, bis man es im Profil mit angeben kann), die Fragen/Anmerkungen sind aber meiner Privatmeinung und nicht die meines Arbeitgebers.
ich fände es gut wenn Sie beim nächsten Test vielleicht Fotos mit veröffentlichen könnten (zumindest Online wäre es doch ohne größeren Aufwand möglich) wie die Tester auf den Kissen liegen.
ich nehme an das die Tester wie Sie es wie bei den Matratzen testen, nicht auf den Kissen schlafen, sondern im Wachzustand getestet wird, könnte es sein das auf Grund nachlassender Körperpannung im Schlaf, sich das Abstützverhalten verändern würde?
im Jahrbuch haben Sie ein Bild von einen Mann mit Nackenkissen veröffentlich,der wirklich noch sehr viel schlechter liegt als bei den Bild hier, ohne Info das der extrem falsch liegt , der Verbraucher geht aber davon aus, das sie richtige Liegepositionen abbilden, da sollte man sorgfältiger arbeit

Profilbild Stiftung_Warentest am 07.03.2018 um 12:22 Uhr
Abwertungen, Anpassungsmöglichkeiten

@ninick: Die Abwertungen finden Sie im Kasten „So haben wir getestet“ exakter erklärt als im Fließtext. Hier heißt es: Waren Anpassungsmöglichkeiten ausreichend oder schlechter, haben wir vom Urteil für Abstützeigenschaften eine halbe Note abgezogen.
Bei einigen Kissen war es gut möglich die Kerne, die aus entnehmbaren Schichten bestehen an Kopf und Nacken anzupassen. Damit der Kopf richtig lagert, muss das Kissen die individuelle Form der Halswirbelsäule unterstützen. Bei Seitenschläfern darf sie nicht seitlich abknicken, bei Rückenschläfern nicht nach unten oder oben. Um den richtigen Abstand und den Stützbedarf zu finden, haben wir auf der Seite 61 bzw. Inhalt: Punkt 7 eine Anleitung abgedruckt. Auch das Aufmacherbild verdeutlicht, dass der Schläfer - je nach ergonomischer Disposition - das Kissen eben auch andersherum legen kann. Kissen und Matratze müssen den Schläfer optimal stützen. (Se)