Nacken­beschwerden am Morgen müssen nicht sein. Ein Spezialkissen kann helfen. Rundum empfehlen wir aber nur wenige der geprüften Modelle.

Der Wecker klingelt. Jetzt heißt es umdrehen und den Alarm ausschalten. Noch übers dicke Federkissen rollen – doch schon schmerzt der Nacken. Bereits seit Wochen geht das so. Wer sich morgens wie gerädert fühlt, sollte die Ursachen klären.

Ingo Fietze begegnet solchen Menschen täglich. Er ist Leiter des Schlaf­labors an der Charité in Berlin. „Jeder Zweite kommt wegen Nacken- und Rücken­problemen zu mir.“ Kann das Kissen daran schuld sein? „Ja, unter anderem“, sagt Fietze. Er rät verspannten Patienten, drei bis vier Wochen lang mit einem Nackenkissen zu versuchen, ob sich die Schmerzen legen.

Wie man sich bettet, so liegen Körper, Kopf und Nacken. Viele betten ihr Haupt auf die traditionelle Art: auf mit Federn gefüllten Kissen. Wachen sie ohne Beschwerden auf, spricht auch weiterhin alles für das klassische Kissen. Ansonsten aber bieten sich spezielle Nacken­stützkissen an. Sie bestehen oft aus Schaum­stoff, Viskoschaum oder Latex. Manche haben ein vorgeformtes Profil. Etliche dieser Kissen lassen sich sogar individuell anpassen.

Am besten anpassungs­fähig

Vier der zwanzig Nackenkissen sind echte Allrounder: Testsieger Diamona sowie Centa-Star und Paradies stützen jeden gut ab, ebenso Werk­meister. Auf dessen Verpackung sind jedoch irreführende Gesund­heits­versprechen abge­druckt. Daher benoteten wir Werk­meister sowie sechs weitere Kissen insgesamt nur mit ausreichend.

Die Kerne vieler Kissen bestehen aus entnehm­baren Schichten. So sollen sie sich an Kopf und Nacken anpassen lassen. Bei acht funk­tioniert das nicht oder nicht gut genug. Damit der Kopf richtig lagert, muss das Kissen die individuelle Form der Hals­wirbelsäule unterstützen. Bei Seiten­schläfern darf sie nicht seitlich abkni­cken, bei Rücken­schläfern nicht nach unten oder oben.

Um heraus­zufinden, welchen Kissen das gelingt, baten wir vier unterschiedlich gebaute Menschen ins Laborbett zum Probeliegen – jeweils auf einer harten und einer weichen Matratze. Zwei lagen auf der Seite: einer mit breiten Schultern, einer mit schmalen. Zwei lagen auf dem Rücken: einer mit hohem, einer mit geringem Stützbedarf unter dem Hinterkopf. Die Tester werteten mehr als 160 Messungen aus. Fazit: Nur wenige Kissen lassen sich optimal an die Schlaf­positionen, Schulter­proportionen und Matratzenhärten anpassen.

Tipp: In der Tabelle finden Sie Test­urteile für die Abstüt­zeigenschaften der Kissen. In Seiten­lage haben wir sie mit Personen ermittelt, die 40 und 55 Zenti­meter breite Schultern haben. Liegt Ihre Schulterbreite dazwischen, sollten Sie eines der Kissen wählen, das im Urteil „Anpassungs­möglich­keiten“ sehr gut ist. Lesen Sie weitere Tipps für Rücken­schläfer im Artikel „So finden Rückenschläfer ihr Kissen“.

Richtig liegen – aber wie?

In Schieflage (Bild links). Das Kissen ist viel zu hoch für die Probandin. Der Winkel­messer zeigt, dass ihr Kopf stark abknickt. In der Waagerechten (Bild rechts). Dieses Kissen stützt die Hals­wirbelsäule gut ab. Unsere Probandin liegt nahezu gerade.

In Schieflage (Bild links). Das Kissen ist viel zu hoch für die Probandin. Der Winkel­messer zeigt, dass ihr Kopf stark abknickt. In der Waagerechten (Bild rechts). Dieses Kissen stützt die Hals­wirbelsäule gut ab. Unsere Probandin liegt nahezu gerade.

Auf manchen Nackenkissen lagen die Prüf­personen erst gut, nachdem unsere Tester die Kissen gedreht, gewendet oder in der Höhe angepasst hatten. Etliche Anbieter geben nicht an, wie das Kissen korrekt liegen sollte. Ist es ungünstig positioniert, knickt die Hals­wirbelsäule ab. „Das kann zu Nacken- und sogar Kopf­schmerzen führen“, sagt Schlaf­experte Fietze. Kissen ohne hilf­reiche Anpassungs­hinweise haben wir insgesamt mit ausreichend bewertet.

Tipp: Vor allem schmalschult­rige Seiten­schläfer und einige Rücken­schläfer sollten genau auf die Prüf­ergeb­nisse sehen: Mehrere Nackenkissen sind für sie zu hoch.

Auch die Matratzenhärte ist wichtig

Das Kissen muss auch zur Matratze passen. Auf den Modellen von Lidl und Dänisches Betten­lager liegen Rücken­schläfer nur auf einer harten Unterlage gut. Auf einer weichen Matratze sinkt der Oberkörper zum Teil zu tief ein und der Kopf knickt ab.

Tipp: Probieren Sie im Geschäft Kissen aus, möglichst auf einer Matratze, die ähnlich hart ist wie Ihre heimische. Beim Onlinekauf können Sie das Kissen zu Hause testen und gegebenenfalls vom Rück­gaberecht Gebrauch machen.

Als besonders angenehm gilt, wenn der Kopf zunächst leicht einsinkt und das Kissen ihn dann zunehmend stützt. Manche Viskoschaum-Modelle können bei 18 Grad Celsius noch recht fest sein. In kühlen Schlaf­zimmern muss der Kopf die Kissen von Paradies, Tempur und Aktivmed erst anwärmen, ehe sie weicher werden.

Schaum­schlägerei für Schaum­stoff

Kissen aus Viskomaterial seien „gesund“, kämen bei „Kopf­schmerzen“, „Schlaf­problemen“ oder „Wundliegen“ zum Einsatz, wirbt Aktivmed. Das ist irreführende Werbung, mit der auch andere Anbieter locken. Wir bewerten das mit mangelhaft. Im schlimmsten Fall vertrauen Verbraucher auf die Aussagen und verschleppen den Gang zum Arzt. Nicht immer löst ein Nackenkissen Verspannungen. Und nicht jeder kommt damit klar. Schlaf­forscher Fietze rät: „Wer mehrere Nächte schlaflos verbringt, der sollte nicht zwanghaft weiter auf einem Spezialkissen liegen.“

Dieser Artikel ist hilfreich. 132 Nutzer finden das hilfreich.