Nacht­züge Stre­cken, Tickets, Schlafplätze

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Nacht­züge - Stre­cken, Tickets, Schlafplätze
Nacht­züge. Im Schlafwagen können Reisende ausgeruht ans Ziel rollen. © ÖBB / Harald Eisenberger

Abends einsteigen, morgens entspannt am Urlaubs­ort aufwachen: Nacht­züge erleben ein Revival. Hier finden Sie die wichtigsten Infos zu Stre­cken, Tickets und Schlafplätzen.

Inhalt

Das Nacht­zug-Angebot wächst wieder

Sie standen schon fast auf dem Abstell­gleis, in Zeiten des Klimawandels nehmen sie nun wieder Fahrt auf: Nacht­züge begeistern als klimafreundliche Alternative zu Billigfliegern nicht nur Nostalgiker. „Die Idee ist, dass man Zeit spart und eine lange Strecke im Schlaf zurück­legt“, sagt Sebastian Wilken. Der Nacht­zug-Enthusiast hat Train Tracks gegründet, ein Blog mit Reisebe­richten, Infos und Tipps zum Zugfahren in Europa. Dank neuer Stre­cken und Anbieter hat das Bahnfahren im Schlaf wieder an Attraktivität gewonnen.

Im ÖBB-Nightjet nach Paris und Amsterdam

Das größte Stre­ckennetz in Europa betreiben die Österrei­chischen Bundes­bahnen (ÖBB). Sie haben etliche Linien von der Deutschen Bahn über­nommen, die 2016 ihr Schlafwa­genan­gebot komplett aufgab. Seitdem bauen die ÖBB das Netz weiter aus. So rollen etwa seit Ende 2021 ÖBB-Night­jets auf den Routen Wien-München-Paris und Zürich-Köln-Amsterdam. Zusammen mit anderen europäischen Bahngesell­schaften etwa aus Kroatien, Tschechien und Ungarn bieten die ÖBB weitere Nacht­reisen in EuroNight-Zügen an.

Nacht­züge - Stre­cken, Tickets, Schlafplätze
Durch die Nacht. Von deutschen Bahnhöfen können Reisende viele europäische Städte im Schlaf erreichen. © Stiftung Warentest / Karen Adams

Unser Rat

Früh buchen
lohnt sich. Dann sind auch bei Nacht­zügen Spar­preise drin – so für den ÖBB-Nightjet ab 30 Euro. Der Ticketkauf klappt am besten direkt auf der Website des Anbieters oder über DB-Reisezentren. Auf interrail.eu sind Tickets zum Pauschal­preis erhältlich, mit denen sich Länder in Europa in bestimmten Zeiträumen bereisen lassen. Weitere Tipps liefert Train Tracks, ein Blog über Zug­reisen in Europa.

Ferien­züge in die Alpen und nach Sylt

Auch private Anbieter sind auf den Zug aufgesprungen. Der schwe­dische Snälltåget fährt Berliner und Hamburger nach Stock­holm. Ab Sommer 2022 will das nieder­ländisch-belgische Start-up European Sleeper die Route Brüssel-Berlin-Prag auf die Schiene bringen. Schon länger verbindet der Anbieter Nachtexpress in der Sommer­saison Süddeutsch­land mit Sylt. Und im Winter kutschiert der Urlaubs-Express des Kölner Bahn­unter­nehmens Train4you Skibegeisterte vom Flach­land in die Alpen.

Nacht­zug-Finder: Auskunft für beliebte Stre­cken

Die Stiftung Warentest hat Fahr­pläne und weitere Infos zu wichtigen Nacht­zuglinien ab deutschen Bahnhöfen zusammen­getragen. Sie können diese abrufen, in dem Sie Ihren Start- und Zielbahnhof hier eingeben. Alle Stre­cken sind umstiegs­freie Direkt­verbindungen.

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Bequem reisen im Schlafwagen

Klassische Nacht­züge fahren mit Sitz-, Liege- und Schlafwagen. Abteile im Schlafwagen sind besonders bequem, aber nicht billig. Der Normal­preis bei EuroNight- und Nightjet-Zügen liegt meist bei 129 Euro oder 139 Euro pro Person. Schlaf­abteile bieten zwei bis drei Plätze und eine Wasch­gelegenheit. Deluxe-Abteile verfügen oft über ein Bad mit Toilette und Dusche. In Schlafwagen herrscht Geschlechter­trennung – es sei denn, Reisende buchen ihr eigenes Abteil.

Liegewagen für Frauen

Im Liegewagen­abteil sind vier bis sechs Reisende gemischt unterge­bracht. In ÖBB Nacht­zügen lassen sich aber Frauenabteile buchen. Die Ausstattung im Liegewagen ist einfacher als im Schlaf­abteil. Besonders preis­wert sind Plätze im Sitzwagen. Spar­preise sind ab 30 Euro erhältlich. Die Sitze lassen sich in vielen Zügen zu Liegen ausklappen – sofern genug Platz vorhanden und das Abteil nicht voll besetzt ist.

Privat­abteile während Corona beliebt

Seit der Corona-Pandemie setzen viele Anbieter verstärkt auf Privat­abteile. Bei den ÖBB können Familien, Paare oder Freunde ein eigenes Abteil sowohl im Schlaf- und Liegewagen als auch im Sitzwagen buchen. Das private Liegewagen­abteil kostet für maximal sechs Leute ab 199 Euro, das eigene Schlafwagen­abteil für bis zu drei Reisende ab 140 Euro.

Tipp: Über die Einreise- und Hygiene­vorschriften im Urlaubs­land können sich Bahnfahrende beim Auswärtigen Amt informieren.

Fahr­kartenkauf am besten online

An Tickets kommen Reisende am einfachsten über die Website des jeweiligen Bahn­unter­nehmens – wer unser Auskunfts­tool nutzt (siehe oben), findet die entsprechenden Links. Bei ausländischen Anbietern lassen sich Fahr­karten in der Regel auf Eng­lisch buchen, teil­weise auf Deutsch. Tickets für ÖBB-Night­jets verkauft auch die Deutsche Bahn. Wem es zu mühselig ist, Stre­cken- und Preis­informationen online zu suchen, dem helfen die Reisezentren der Deutschen Bahn weiter. Oder auf Züge spezialisierte Reisebüros – sie kennen oft alle Tricks und buchen auch komplizierte Verbindungen.

Tipp: Auch für Nacht­züge gelten die Fahrgastrechte bei Bahnreisen. So können Reisende laut europäischer Fahr­gast­rechte-Verordnung eine Entschädigung fordern, wenn sie mindestens 60 Minuten verspätet am Ziel eintreffen.

Interrail für alle - auch im Nacht­zug

Wer einen längeren Trip durch mehrere Länder buchen möchte, fährt günstig mit einem Interrail-Ticket. Früher bereisten damit Studierende den Kontinent, jetzt steht es allen offen. Ein 7-Tage-Pass kostet für Erwachsene 335 Euro. Damit können sie an sieben Tagen in einem Monat mit beliebig vielen Zügen in Europa fahren. Für Nacht­züge ist stets eine Reser­vierung nötig.

Gepäck und Wert­sachen sicher verwahren

Auf etlichen Routen können Reisende ihr Fahr­rad mitnehmen – welche das sind, zeigt unsere Stre­cken­auskunft. Große Gepäck­stücke wie Skier und Kinder­wagen kommen in den Waggons unter. Für Koffer und Taschen ist in den Abteilen Platz. Schlaf- und Liegewagen lassen sich von innen abschließen. Vielfahrer Sebastian Wilken hat bislang noch keinen Diebstahl erlebt, rät aber: „Sicher­heits­halber sollte man Wert­sachen körpernah tragen, zum Beispiel das Portemonnaie mit ins Bett nehmen.“

Gepäck­service statt selber schleppen

Wer kein Gepäck schleppen will, kann es zu Hause abholen lassen und zum Urlaubs­ort vorschi­cken. Das bieten etwa die ÖBB in Deutsch­land, Österreich, der Schweiz und Südtirol an. Koffer kosten 39 Euro, Sperr­gepäck wie Skier 54 Euro. Inner­halb Deutsch­lands bietet auch Hermes den Gepäck­versand für rund 19 Euro pro Koffer an.

Mit dem Auto­zug in den Süden

Beim Urlaubs-Express kann in der Sommer­saison das eigene Auto von Hamburg und Düssel­dorf aus mit dem Autozug bis Italien mitreisen. So sind Urlauber auch vor Ort mobil. Im Winter bietet der Urlaubs-Express für Alpenfans Autoreisezüge von Hamburg nach München an.

Sebastian Wilken fährt ohne Auto Zug. „Am liebsten mag ich lange Stre­cken, auf denen ich Zeit habe, aus dem Fenster zu schauen.“ Sein Tipp: „Von Berlin nach Budapest – da fährt man zum Schluss sehr schön an der Donau entlang.“ 

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Peter_Cornelius am 26.02.2022 um 17:29 Uhr
Übersichten über das Angebot von Nachtzügen

Es ist erst einmal schwierig herauszufinden, wo denn Nachtzüge überhaupt fahren.
Aber es gibt Hilfen:
www.nachtzug-urlaub.de und www.nachtzugkarte.de
Peter Cornelius
Vorsitzender des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des Fahrgastverbandes PRO BAHN e.V. www.pro-bahn-berlin.de

Peter_Cornelius am 27.01.2022 um 06:17 Uhr
Sehr begrüßenswerte Übersicht über Nachtzüge

Diese Übersicht ist sehr zu begrüßen, dazu auch die Suchfunktion.
Denn es braucht ein Fahrgastabitur mit guten Noten, um erst einmal herauszufinden, von welcher Stadt in welche Stadt ein Nachtzug fährt, wer der Anbieter ist und wo man buchen kann.
Aber es gibt auch noch zwei gute andere Übersichten: www.nachtzug-urlaub.de und www.nachtzug-karte.de
Es gibt eine europaweite Gruppe von Aktivisten, die sich für die Wiederbelebung der Nachtzüge einsetzen.Details unter www.back-on-track.eu.
Und die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr, Klimaschutz und Verbraucherschutz in Berlin veranstaltet am 09.02.22 ab 14 Uhr einen Workshop über Nachtzüge als Videokonferenz.
Peter Cornelius, Vorsitzender des Landesverbandes Berlin-Brandenburg des Fahrgastverbandes PRO BAHN e.V. www.pro-bahn-berlin.de

infojs65 am 27.11.2021 um 19:41 Uhr
Preise überarbeiten

Der Bericht über die Autoreisezüge ist sehr interessant, allerdings sollten sie die Preisrecherche nochmal überarbeiten. Der Urlaubsexpress für eine Tour im Mai 2022 mit dem Motorrad wird mir für 912 Euro (Einfache Fahrt) angeboten. Für den Preis mache ich einen ganzen Urlaub und übernachte bei der Hinfahrt im Luxushotel:-) Irgendwie kontraproduktiv, wenn man Fahrzeuge von der Strasse bekommen will. Auch das sollte man erwähnen.

Andreas5557 am 25.03.2018 um 23:07 Uhr
Keine Fahrgastrechte bei getrennten Fahrscheinen

Es wäre schön, wenn Sie auch darauf hingewiesen hätten, dass Passagiere, die vor oder nach einer Fahrt mit dem Nachtzug einen herkömmlichen Zug der Deutschen Bahn nutzen möchten, leider keine Fahrgastrechte bei Verspätungen mit Verlust des Anschlusses haben. Das ist auch für die ÖBB-Züge ab 09.06.2018 so. Fahrgastrechte (also Aufhebung der Zugbindung, teilweise Erstattung des Fahrpreises, bei Bedarf Übernahme der Kosten einer Übernachtung) gibt es nur pro Fahrschein. Es gibt aber keine durchgehenden Fahrscheine für Nachtzüge und davor oder danach genutzte herkömmliche Züge. Wer also mit dem ICE nach München und dann weiter mit dem Nachtzug nach Italien will, braucht zwei Fahrscheine: Einen nach München, und den zweiten von München nach Italien. Und wenn der Passagier wegen einer 45-minütigen Verspätung des ICE den Nachtzug verpasst, muss er die Übernachtung in München und eine neues Ticket nach Italien selbst bezahlen. Sehr kundenunfreundlich!