Nachrangige Vermögensbriefe Test

Sparkassen und Volksbanken zahlen für nachrangige Vermögensbriefe höhere Zinsen. Die Papiere sind nicht ganz so sicher wie klassische Sparbriefe, aber doch empfehlenswert.

Sparer, die ihr Geld am liebsten in einer Bankfiliale anlegen, haben es zurzeit besonders schwer. Von den vergleichsweise hohen Zinsen der Direktbanken profitieren sie nicht, weil sie ihr Konto nicht online führen wollen. Stattdessen müssen sie sich mit den bescheidenen Angeboten vieler ­Filialbanken zufrieden geben.

Nur 2,3 Prozent Zinsen pro Jahr bietet beispielsweise die Commerzbank Anlegern, die mindestens 250 Euro für fünf Jahre fest anlegen. Nicht viel mehr gibt es bei der Deutschen Bank. Sie zahlt für dieselbe Laufzeit ab 5 000 Euro 2,5 Prozent jährlich. Beide Sparanlagen wären im Falle einer Bankenpleite zu 100 Prozent abgesichert.

Deutlich mehr rausholen können Filialbankkunden, wenn sie ihr Geld in einen Vermögensbrief der Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken mit Nachrangabrede anlegen. 3,5 Prozent Zinsen pro Jahr zahlt beispielsweise die Mainzer Volksbank, wenn Anleger fünf Jahre lang mindestens 500 Euro fest anlegen (siehe Tabelle).

Vermögensbriefe mit Nachrangabrede sind Anleihen. Der Anleger gewährt dem herausgebenden Unternehmen mit dem Kauf einer Anleihe einen Kredit. Die Besonderheit der nachrangigen Anleihen zeigt sich erst, wenn das Unternehmen pleite ginge: Anleger mit nachrangigen Papieren erhalten dann erst nach allen anderen Gläubigern ihr Geld. Im Ernstfall können sie leer ausgehen.

Normalerweise sind nachrangige Anleihen deswegen sehr riskante Papiere. Bei den Volks- und Raiffeisenbanken, PSD Banken und Sparkassen als Herausgeber solcher Papiere ist die Pleite einzelner Institute jedoch so gut wie ausgeschlossen.

Vor Pleite gut geschützt

Die Sparkassen haben elf eigene regionale Stützungsfonds. Sollte eine Sparkasse Zahlungsschwierigkeiten haben, springt der Regionalfonds ein. Darüber hinaus gibt es noch jeweils eine Sicherungseinrichtung für die Landesbanken und Girozentralen und eine für die Landesbausparkassen. Im Krisenfall stünde das Gesamtvolumen aller Sicherungseinrichtungen zur Verfügung.

Das Sicherungssystem der Volks- und Raiffeisenbanken funktioniert ähnlich umfassend. Ein Institutsschutz sorgt dafür, dass Insolvenzen von Genossenschaftsbanken schon im Vorfeld verhindert werden.

Bevor eine Bank Zahlungsschwierigkeiten hat, erhält sie Bürgschaften, Garantien oder Zuschüsse von der Sicherungseinrichtung des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Diese besteht aus einem Garantiefonds, in den die Mitgliedsbanken Geld einzahlen, und einem Garantieverbund, der Bürgschaften und Garantien gewährt.

„Es hat noch nie eine Insolvenz einer Mitgliedsbank gegeben“, sagt Cornelia Schulz, Sprecherin beim BVR. Gleiches gilt auch für die Sparkassen.

Dass die nachrangigen Hausprodukte der Genossenschaftsbanken und Sparkassen eine hohe Sicherheit bieten, bestätigt auch Markus Feck, Finanzexperte der ­Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Es bleibt aber ein Restrisiko“, sagt er. „Wenn das gesamte Finanzsystem der Genossenschaftsbanken oder Sparkassen zusammenbrechen würde, verlören die Anleger nachrangiger Sparbriefe ihr Geld.“

Als Gegenleistung für dieses Restrisiko bieten die Genossenschaftsbanken und Sparkassen einen Zinsaufschlag. Die VR Bank Mainz zahlt beispielsweise Anlegern, die einen nachrangigen Vermögensbrief für fünf Jahre abschließen, 3,25 Prozent Zinsen pro Jahr. Für den klassischen Sparbrief mit gleicher Laufzeit gibt es nur 2,75 Prozent jährlich (siehe Tabelle).

Noch höhere Zinsen bietet die private Von Essen Bank für ihren nachrangigen Kapitalbrief. Er ist aber riskanter als die Vermögensbriefe die Genossenschaftsbanken oder Sparkassen, weil die Bank über keinen Insolvenzschutz verfügt.

Für dieses höhere Risiko zahlt die Bank für eine Laufzeit von fünf Jahren 5 Prozent Zinsen jährlich. Der Zinsaufschlag zu ihrem Sparbrief mit gleicher Laufzeit beträgt 1,5 Prozentpunkte. Dieser ist jedoch durch die Mitgliedschaft in dem Einlagensicherungsfonds des Bundesverband Deutscher Banken zu 100 Prozent abgesichert.

Produkt nicht immer am Markt

Die Nachrangpapiere gehören nicht zum Standardangebot der Genossenschaftsbanken und Sparkassen. Die Banken geben sie immer dann heraus, wenn sie ihr Haftungskapital erhöhen wollen.

Der Gesetzgeber schreibt den Banken vor, dass sie für gewisse Risiken, die beispielsweise bei der Vergabe von Krediten oder Bürgschaften entstehen, eine bestimmte Quote an Eigenmitteln haben müssen. Im Ernstfall können sie so Verluste ausgleichen. Das Kapital, das die Banken durch die Herausgabe von nachrangigen Anleihen einsammeln, zählt zum Teil zum haftenden Eigenkapital.

Vorsicht vor sehr riskanten Papieren

Nachrangige Kapital- oder Vermögensbriefe haben eine feste Laufzeit, einen festen Zins und einen festen Rückzahlungstermin. Es gibt jedoch viele nachrangige Anleihen, die dies nicht bieten. Sie sind deutlich riskanter und können in jeder Bankfiliale verkauft werden.

Mögliche Tücken dieser Papiere zeigt eine nachrangige börsengehandelte Anleihe der Deutschen Bank (WKN A1ALVC). Der Zinskupon der Anleihe beträgt 9,5 Prozent. Ihre Laufzeit ist unendlich. Die DAB-Bank, die dieses Papier zum Festpreis verkauft, gibt beim Kaufkurs von 107,2 Prozent eine Rendite von 8,84 Prozent an (Stand 2.11.09). In den Genuss der dicken Prozente kommen Anleger unter zwei Voraussetzungen:

Erstens müsste die Deutsche Bank den Anlegern ihr Geld zum ersten möglichen Kündigungstermin, am 31. März 2015, tatsächlich zurückzahlen. Die Deutsche Bank kann jedoch ohne weiteres den ersten Kündigungstermin verstreichen lassen, wenn ihr das rentabler erscheint. Sie kann die Anleihe anschließend jedes Jahr zum 31. März kündigen. Will der Anleger eher aussteigen, bleibt ihm nur der Verkauf über die Börse – zu einem ungewissen Kurs.

Zweitens müsste die Deutsche Bank die Zinsen regelmäßig bezahlen. Sicher ist dies nicht. Sie kann die Zinszahlungen aussetzen, wenn sie tief in den roten Zahlen steckt.

Kein Wunder also, dass der Zins so hoch ausfällt. Auch für nachrangige Anleihen gilt demnach die alte Faustregel: Je höher der Zins, desto höher ist auch das Risiko.

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