Bei der Wahl des Geburts- und Familiennamens sind viele Varianten erlaubt – aber längst nicht alle, die gefallen.

Nachname Special

Zwei Väter, eine Tochter. Hanna Feuerstein (9) übernahm den Familiennamen des Stiefvaters Christoph (Mitte). Ihr Vater Arne Sprung hatte nichts dagegen.

Als die Standesbeamtin Hanna im November 2011 fragte, setzte sie sich ganzaufrecht und antwortete stolz: „Ja, ich möchte den Namen Feuerstein als meinen Geburts- und Familiennamen annehmen.“ Die Achtjährige hatte entschieden, ihren Geburtsnamen Barthel in den Namen ihres Stiefvaters zu ändern. Zwei Jahre zuvor hatte ihre Mutter den Stiefvater geheiratet. „Mir gefällt der Name Feuerstein, und ich wollte gern so heißen wie meine Mutter und mein kleiner Bruder“, sagt Hanna.

Die Eltern entscheiden

Erst wenn die Kinder fünf Jahre alt sind, werden sie gefragt, ob sie den Namen überhaupt wechseln wollen. Die endgültige Entscheidung treffen aber die Eltern. Hannas leiblicher Vater Arne Sprung sperrte sich nicht gegen Hannahs Wunsch. „Der Namenswechsel ändert an der Beziehung zu meiner Tochter nichts“, sagt er. Hannas Mutter hätte ihn nicht fragen müssen, da er nicht sorgeberechtigt ist. Nur wenn beide Elternteile das Sorgerecht haben, müssen beide zustimmen. Weigert sich der Vater, kann die Mutter beim Familiengericht beantragen, diese Zustimmung zu ersetzen. Das Familiengericht prüft dann gemeinsam mit dem Jugendamt, ob es dem Wohle des Kindes entspricht, den neuen Namen zu führen.

Der Geburtsname

Wechselt das Kind den Namen, gibt es den ursprünglichen, den es bei Geburt getragen hat, vollständig ab. Hannas Geburtsname ist nun Feuerstein. Oft wird das verwechselt, wie die Erfahrung von Sylvia Karlstedt, Standesbeamtin im sächsischen Hoyerswerda, zeigt: „Viele nehmen an, dass der Name, den sie bei der Geburt getragen haben, ihr Geburtsname sei.“ Das jedoch ist falsch. Hat die Mutter noch einmal geheiratet und die Familie den Namen des neuen Partners angenommen, gilt der als Geburtsname.

„Dieses Missverständnis kann sogar zu Falscheintragungen auf dem Personalausweis führen“, weiß die Beamtin aus ihrem Berufsalltag. „Dann steht beispielsweise Müller geboren Schulz drauf – obwohl diese Person vorher nie geheiratet hatte.“ Die Eintragung ist nur zulässig, wenn die Person geheiratet hat.

Der Ehename

Heiraten zwei Menschen, stellt sich die Frage nach dem Ehenamen. Er wird auch als Familienname bezeichnet. Eine Pflicht, sich für einen gemeinsamen Ehenamen zu entscheiden, gibt es nicht. Jeder kann seinen Geburtsnamen behalten.

Legt das Paar einen gemeinsamen Ehenamen fest, kann es der Geburtsname der Frau oder des Mannes sein. Das Paar gibt gegenüber dem Standesbeamten eine Erklärung ab, wofür es sich entschieden hat. Der Beamte beurkundet das öffentlich, bestätigt also mit Stempel und Unterschrift die Rechtsgültigkeit.

„Die häufigste Form ist immer noch, dass der Name des Mannes gewählt wird“, sagt Sylvia Karlstedt. Allerdings nehmen inzwischen immer häufiger Männer den Namen der Frau an – etwa, wenn sein Name aus einer anderen Ehe der Mutter stammt und er wenig Bezug zum Stiefelternteil hatte.

Auch Namen aus vorherigen Ehen können als neuer Ehename gewählt werden. Heiratet beispielsweise eine Frau ein zweites Mal und bestimmt den mitgebrachten Namen mit ihrem neuen Partner als Ehenamen, hat der „alte“ Mann kein Mitspracherecht. Er muss es akzeptieren.

Der Doppelname

Eine weitere Möglichkeit: Ein Ehepartner führt einen Doppelnamen – nämlich der, dessen Name nicht Ehename wird. „Im deutschen Recht darf nur einer einen Doppelnamen führen“, sagt Standesbeamtin Karlstedt. In welcher Reihenfolge er zugefügt wird, darf jeder selbst bestimmen. Ein Bindestrich verbindet die zwei Namen.

Ein Beispiel: Frau Rot und Herr Schwarz heiraten, Schwarz wird der Familienname. Frau Rot kann sich dann für den Namen „Rot-Schwarz“ oder „Schwarz-Rot“ entscheiden. Herr Schwarz bleibt „Schwarz“. Einen gemeinsamen Doppelnamen können sie nicht wählen. Ebenfalls nicht erlaubt ist die Namenskette Leutheusser-Schnarrenberger-Däubler-Gmelin. Nach einer Koppelung für einen Ehenamen ist Schluss. Und die Kinder dürfen keinen Doppelnamen tragen, der sich aus den Geburtsnamen ihrer Eltern zusammensetzt. Ausnahmen gelten nur dann, wenn einer der Partner nicht die deutsche Nationalität besitzt. Dann kann das Paar auch das Namensrecht des ausländischen Partners wählen.

Der Name der Kinder

Haben die Eltern vor der Geburt des Kindes geheiratet und sich bereits für einen Ehenamen entschieden, ist es einfach: Das Kind bekommt ihn ganz automatisch als seinen Geburts- und Familienname. Tragen die Eltern noch keinen gemeinsamen Ehenamen zur Geburt und sind beide sorgeberechtigt, müssen sie gemeinsam festlegen, welchen Geburts- und Familiennamen das Kind tragen soll.

Hat nur ein Elternteil das Sorgerecht, erhält das Kind dessen Namen – meist den der Mutter. Jedoch können Eltern, wenn sie sich einig sind, auch den Namen des nicht sorgeberechtigten Vaters wählen. Übernehmen sie zu einem späteren Zeitpunkt doch das gemeinsame Sorgerecht, haben sie drei Monate Zeit, um den Familiennamen des Kindes neu zu bestimmen.

Der Name nach der Scheidung

Nicht jede Ehe hält ein Leben lang. Will derjenige, der den Geburtsnamen des anderen angenommen hat, mit dessen Namen nichts mehr zu tun haben, kann er nach der Scheidung seinen Geburtsnamen wiederbekommen. Dazu geht er zum Standesamt und gibt eine Erklärung ab. Damit ist aber noch nicht alles erledigt. Wie bei einer Adressänderung muss er nun verschiedene Stellen informieren, zum Beispiel den Arbeitgeber, das Einwohnermeldeamt, das Finanzamt, Banken und Versicherungen.

Die Namensbehörde

Entscheidet ein Mensch mit 18 Jahren, dass er seinen Namen nicht mehr tragen will, weil er beispielsweise schlechte Erfahrungen mit dem Stief­elternteil gemacht hat, wendet er sich an die Namensbehörde. Sie entscheidet, ob jemand derart unter seinem Namen leidet, dass ein Namenswechsel tatsächlich angemessen ist.

„Nur in gewichtigen Fällen, wenn mit einem Namen Verbrechen in Verbindung gebracht werden, stimmt sie zu“, sagt Sylvia Karlstedt. Die Behörde folgt dem Grundsatz, dass ein Mensch seinen Nachnamen möglichst behalten soll. Angesiedelt ist sie je nach Bundesland beim Standesamt oder Landratsamt.

Dieser Artikel ist hilfreich. 196 Nutzer finden das hilfreich.